Kritischer Kleidertausch – In Stoff verpackte Kritik

Am Sonntag, den 23. Oktober begrüßte die Grüne Hochschulgruppe Tübingen (GHG) die Besucher*innen des kritischen Kleidertauschs. Neben den Tischen voller Tüll, Leder und Jeans verbarg sich ein kritisches Statement an die Modeindustrie, das nun laut werden soll.

‘Kritischer Kleidertausch’ kurz und knapp erklärt

Organisiert wurde das Projekt von der Grünen Hochschulgruppe Tübingen. Das Konzept ist simpel und effizient zugleich. Paula, eine der Mitorganisator*innen des Tausches, erklärt die Idee:  “Die Besucher*innen können Klamotten mitbringen, müssen es aber nicht, um am Tausch teilzunehmen.”  Auf diese Weise sollen die Besucher*innen nicht das Gefühl bekommen, für den gleichen Wert etwas  tauschen zu müssen – so wie man es vielleicht von einem normalen Kleidertausch kennt.  Stattdessen möchte der kritische Kleidertausch als politische Aktion auf die Missstände in der Modeindustrie aufmerksam machen.

Paula, Mitorganisatorin des Kleidertauschs. © Jana Svetlolobov

GHG gegen Fast Fashion: warum?

Jule, eine weitere Organisatorin, erklärt, dass sich die Aktion spezifisch  gegen die Auswirkungen von Fast Fashion auf die Umwelt richte. Unter Fast Fashion versteht man, im Wesentlichen, das schnelle Kopieren von modischen Trends,  die dann vom Laufsteg auf die Kleiderstangen von Zara, H&M und Co. wandern. Dies führt  dazu, dass im Wochentakt “neue” Mode auf den entsprechenden Websites landet und das bedeutet mehr Produktion. 

Jule, eine weitere Mitorganisatorin des Kleidertauschs. © Jana Svetlolobov

Produktion bedeutet wiederum nicht nur sich schnell ändernde Modetrends, die den Einzelnen zu mehr Konsum von “besseren” Produkten anregt, sondern es bedeutet auch klimaschädlichen CO2-Ausstoß. Zur Verdeutlichung wie schädlich diese Industrie ist, stellte beispielsweise die Ellen-MacArthur-Stiftung in ihren Untersuchungen heraus, dass die Modeindustrie in den letzten Jahrzehnten  zwar mehr Kleidung produziere, gleichzeitig jedoch  die Gewinnspannen geschrumpft  seien und damit die Auswirkungen auf die Umwelt zugenommen hätten. Dies wiederum führe zu einer Steigerung der Ausbeutung der Arbeiter*innen im Globalen Süden.

Umso mehr fragt man sich: was kann man selbst tun, um ein solches System nicht weiter zu unterstützen? 

Die Besucher*innen finden neue Lieblingsstücke. © Jana Svetlolobov

Ein erster Lösungsansatz 

Ein guter erster Schritt ist Wissen: Welche Auswirkungen hat Fast Fashion? Welche Marken bieten einen umweltfreundlichen Ansatz an? Wo tappt man in die Falle des Greenwashings? Wo und wie werden Lebensbedingungen ausgenutzt? Kurz: Was kann man tun, um die Situation zu ändern? Zu diesem Zweck hatte die GHG einige Dokumentationen vorbereitet, die jedoch, unglücklicherweise, im Rahmen des Tauschs untergegangen sind. Diejenigen die jedoch neugierig geworden sind, haben hier die Chance, diese Möglichkeit nachzuholen.

Ein Fundstück des Kleidertauschs. © Jana Svetlolobov

Auf Basis des gesammelten Wissens ist dann eine alternative Sichtweise auf das Thema anzustreben. Ein Problem, welches der ein oder andere vielleicht vor Augen hat, ist, dass eine umweltfreundliche Kleidungsweise häufig entweder nicht schick genug oder zu teuer ist. Man erinnere sich an die grauen Baumwollpullis einer schwedischen Kleidermarke, deren  grünes Preisschild versicherte, dass es sich um faire und erneuerbare Ware handle.

So muss es jedoch nicht sein! Der Kleidertausch beweist mit regen Kleiderspenden, Besuchern und guten Funden, das es auch anders geht. Bei einer spontanen Umfrage berichteten die Besucher*innen, dass sie sich über das Konzept des Tausches freuten und viele den ein oder anderen Schatz für sich entdecken konnten.

Clubhaus, Kleidertausch © Jana Svetlolobov
Besucher*innen des Kleidertauschs im Clubhaus. © Jana Svetlolobov

Fazit

Natürlich ist der kritische Kleidertausch keine Langzeitlösung für die oben genannten Probleme. Dennoch beweist er sich nicht nur als Gelegenheit, in guter Gesellschaft seinen Kleiderschrank zu füllen, sondern auch als Möglichkeit, sich mit der Modeindustrie kritisch auseinanderzusetzen. Das heißt: die Menschen hinter der Produktion zu sehen und das System, wenn auch fürs Erste nur für sich selbst, umzudenken.

 

Fotos: Jana Svetlolobov

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