Zwischen Idealen und Identität – im Gespräch mit STRAHLEMANN

Relativ idealistisch, ziemlich sozialkritisch, hauptsächlich selbstzentriert – so beschreibt sich die vierköpfige Band STRAHLEMANN. Heute, am 01. April 2022, erscheint ihre erste Single ‚Die Sonne scheint nur für mich‘. Doch wer sind diese vier motivierten Musiker, was hat es mit dem Strahlemännchen auf sich und was wollen sie mit ihrer Musik erreichen? Wir haben uns mit Sänger und Gitarrist Tino getroffen und im Gespräch Antworten auf unsere Fragen erhalten.

Die seit August 2021 bestehende Band STRAHLEMANN besteht aus vier Jungs. Konkreter aus Tino (Gesang und Gitarre), Juls (Gitarre), Marvin (Drums) und Julius (Bass). Tino studiert hier in Tübingen Allgemeine Rhetorik und Skandinavistik. Bei einem Café im Bota, konnten wir mehr über STRAHLEMANN und ihre erste Single „Die Sonne scheint nur für mich“ erfahren.

Kupferblau: Hallo Tino, vielen Dank für deine Zeit. Erzähl mal! Wer seid ihr und wie habt ihr als Band zusammengefunden?

Tino: Hallo! Zusammengefunden haben wir uns schon zwei Jahre vor der offiziellen Gründung im Rahmen des Artists Pool Band Camps – eine Veranstaltung, wo sich junge Bands treffen und mit Dozierenden aus der Musikbranche arbeiten. Dort habe ich zwei der Jungs kennengelernt, Julius und Marvin. Ich habe ihnen meine Demos gezeigt, wir haben uns sympathisch gefunden und sind dann in Kontakt geblieben. Ich habe mich ein Jahr später mit Julius getroffen, um weiter Demos aufzunehmen und dann kam Juls dazu, es hat sofort gefunkt und dann haben wir eben das erste Treffen zu viert geplant.
Marvin und Julius kommen aus Münster, Juls aus Wuppertal. Juls ist Musikjournalist und ausgebildeter Musikpädagoge, Julius ist neben seinem Musikpädagogik-Studium Gitarrenlehrer und Marvin studiert Germanistik und Sport auf Lehramt und ist nebenbei Schlagzeuglehrer.

Kupferblau: Was hat es mit eurem Bandnamen auf sich? Und wie seid ihr auf diesen gekommen?

Tino: Wenn man auf der Suche nach einem passenden Namen ist, geht man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und plötzlich springt einem irgendwas in den Kopf, was man gut findet. Dann fragt man die Mitglieder, ob das cool ist und dann steht eigentlich der Name. Wir haben letztendlich darauf geeinigt, weil es ein sehr vielsagendes Wort ist. Es gibt nicht nur eine Bedeutung.

Kupferblau: Ihr verortet euch selbst in der Mitte zwischen Indiepop-Acts und Post-Hardcore-Bands. Was genau können sich unsere Leser*innen darunter vorstellen?

Tino: Indie-Pop wäre sowas wie JEREMIAS. Wie Pop nur mit mehr Gitarren, echteren Instrumenten und nicht so hochglanz-produziert wie bspw. ein Mark Forster. Und der Post-Hard Core, da gibt es Bands wie HEISSKALT und VAN HOLZEN – das ist auf jeden Fall der stärkere Einfluss. Das ist wie Indie-Pop nur mit verzerrten Gitarren und lauterem Schlagzeug. Es wird teilweise gescreamt und geshoutet. Und diese Bands sind Bands, die uns mit ihrer Lyrik sehr geprägt haben. Daher sind wir eigentlich ziemlich genau in der Mitte zwischen diesem melodiöseren, verträumteren Indie und den härteren Gitarren und Shouts.

Artwork der Band
Die Gesichter hinter STRAHLEMANN

Kupferblau: Wie läuft denn die Arbeitsteilung bei euch ab?

Tino: Die Songs hab alle ich geschrieben und dann haben wir gemeinsam ausproduziert, ausgearbeitet, ein bisschen umarrangiert usw.
Das Produzieren an sich ist ein wahnsinnig kreativer und intensiver Prozess. Das ist ja nicht so, dass die Idee da ist und dann ist der Song perfekt aufgenommen. Man muss erstmal aufnehmen, dann muss es gut aufgenommen sein, dann müssen richtige Sounds gefunden werden, die ganze Technik dahinter. Man muss coole Effekte drauflegen und das macht Julius, unser Bassist – mit Bravour.

Kupferblau: Woher schöpft ihr bzw. schöpfst du die Inspirationen für neue Songs?

Tino: Viel andere Musik hören. Mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Das kennst du bestimmt auch, wenn du durch die Gegend läufst und interessante Menschen siehst, dann hörst du denen einfach mal zu und denkst dir so deinen Teil. So geht’s mir zumindest. Ich suche sozusagen nach Geschichten in meinem Umfeld und möchte die dann vertonen.

Kupferblau: Ihr bezeichnet euch unter anderem als relativ idealistisch. Für was für Ideale steht ihr denn ein?

Tino: Ideale nicht direkt. Eher dafür, dass in unserem Alter – wir sind ja alle Anfang, Mitte 20 – darum geht, sich den Idealismus behalten zu können und zu dürfen.  Was auch in dem Alter viele bewegt ist, dass man so in die Welt geschmissen wird und sich erstmal zurechtfinden muss unter all den Einflüssen und Erwartungen und Rollenzuweisungen. Wenn man sich einfach mal nicht wohlfühlt in seiner Haut, dass man dann nicht aufhört, an sich selbst zu glauben, darum geht’s eigentlich. Und es klingt auch gut (lacht): „relativ idealistisch. Ziemlich sozialkritisch. Hauptsächlich selbstzentriert.“ Das fasst ganz gut das Stadium zusammen, in dem wir uns gerade alle befinden. Als junge Leute. Junge Leute auf der Suche nach dem, was wir machen wollen und das hoffentlich zu finden in der Musik.

Kupferblau: Was wollt ihr mit eurer Musik bei euren Zuhörer*innen erreichen?

Tino: Ein Gefühl des In-sich-gekehrt-seins, ist etwas, das uns sehr stark ausmacht und mich, wenn ich meine Texte schreibe. Wir wollen Leute irgendwie einfangen und ihnen zeigen, wenn es diesen Leuten ähnlich geht ‚Ihr seid nicht alleine‘ oder ‚Ihr könnt euch hier aufgehoben fühlen‘. Also so ein bisschen sich fallen lassen zu dürfen in die Musik, sich dort zuhause zu fühlen, weil man sonst vielleicht nirgendwo anders hin kann.

Kupferblau: Und was wollt ihr konkret mit dem Song ‚Die Sonne scheint nur für mich‘ ausdrücken?

Tino: Es geht ein bisschen um den eben schon angesprochenen Idealismus. Das Sich-reingeworfen-fühlen und dieser Welt ausgesetzt zu sein, die sich manchmal so anfühlt, als sei sie komplett gegen einen. Als wäre man völlig alleine und als wäre niemand für einen da. Oder andersrum, als würde man sich nicht trauen mit diesem Gefühl nach außen zu treten. Das gepaart damit, dass man doch eigentlich gerade in dem besten Alter ist, um etwas aus sich zu machen. Das ist auch das, was man in dem Musikvideo sieht. Das Strahlemännchen, das rumläuft mit der brennenden Flamme und das nur aufpassen muss, dass ihm diese Flamme nicht ausgeht oder ausgepustet wird.

Kupferblau: Aber geht die Flamme nicht am Ende aus?

Tino: Doch, genau. Das ist im Prinzip der Moment, wo das Strahlemännchen sich den ganzen Rauchköpfen um sich herum anschließen müsste, um ein Leben zu leben in Mittelmäßigkeit. Aber in dem Moment schafft es noch, sich zu flüchten, in seine eigene Welt. Denn das ist das, was am Ende vielleicht übrig bleibt.

Kupferblau: Du meinst den Individualismus?

Tino: Kann man so sagen. Auf junge Menschen übertragen bedeutet das einerseits, sich nicht davon erdrücken zu lassen, dass man jetzt um jeden Preis erwachsen werden muss; andererseits geht es um den Konflikt zwischen dem, was ich sein möchte und dem was ich bin. Also das, was zwischen mir und meinem Zukunfts-Ich steht.

Kupferblau: Warum scheint denn dann die Sonne nur für mich?

Tino: Das hat sich mit dem Video erst herauskristallisiert. Die Sonne als Symbol des Guten und Schönen, kennen wir ja aus Platons Höhlengleichnis. Da ist es ja ungefähr so: Es beginnt in der Höhle, die Philosophin geht aus der Höhle raus, sieht, dass alles nur Schattenbilder sind an der Wand, sieht das Feuer, wo die Gegenstände davor gehalten werden, tritt aus der Höhle aus und sieht plötzlich die Sonne, die außerhalb der Höhle scheint. Das ist quasi der Ursprungsquell, da wo alles herkommt. Die Wahrheit oder das Gute, das Schöne sozusagen an sich. Das Problem dabei ist aber, dass wenn die Philosophin – oder das Strahlemännchen, das bei uns diesen Philosophen verkörpert – zurückkommt und den Leuten in der Höhle erzählen möchte „Ey, ‚ich hab die Wahrheit geschaut‘“ – so heißt es ja bei Platon – ich hab gesehen, wie das wirklich ist, dann wird’s ausgelacht. Oder vielleicht sogar davongejagt bin hin zum Mord. Und das steckt in diesem Sonnensymbol drin. Deswegen ist es im Video auch eine weinende Sonne, weil die Wahrheit zu kennen auch bedeutet allein zu sein, oder sagen wir mal, mehr als eine Wahrheit kennen zu wollen, bedeutet allein zu sein. Man kann die Sonne dann eben als Symbol dafür sehen, was die Leute um einen herum vielleicht vergessen haben, indem sie erwachsen geworden sind. Was es bedeutet glücklich zu sein, oder was es bedeutet sich selbst zu sein, in sich reinzuhören, ehrlich zu sich selbst zu sein, solche Sachen.

Kupferblau: Auf was dürfen wir uns von STRAHLEMANN in nächster Zeit noch freuen? Kannst du uns da schon was verraten?

Tino: Also, unsere Single ‚Die Sonne scheint nur für mich‘ erscheint am 01.04. Schaut vorbei auf Spotify und YouTube, da wird es zu sehen und zu hören sein und auf allen anderen Streaming Plattformen. Was die nächste Single angeht, da kann ich schon so viel verraten: sie heißt ‘Magst du mich nicht mehr?’ und die wird vermutlich kurz vorm Festivalsommer rauskommen, also Mai oder Juni. Und an alle, die uns live sehen wollen: Wir sind am 18.06. beim Juwi Fest in Münster, da haben wir unseren ersten Auftritt.

Vielen Dank für dieses tolle Interview und weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Musik machen!

Fotos und Artwork: Strahlemann

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