Schauspielluft schnuppern – Ein Erfahrungsbericht

Ein paar Freund*innen von mir haben für eine Seminararbeit im Rahmen ihres Medienwissenschaften-Studiums einen Kurzfilm gedreht und mich gefragt, ob ich eine der Rollen darin spielen möchte. Da ich immer schon von der Schauspielerei fasziniert war und wissen wollte, wie das Ganze hinter den Kulissen aussieht, habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und zugesagt. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuen sollte.

Die Vorbereitungen

die Kamera – wertvolles Equipment am Set

Meine Schauspielerfahrungen limitierten sich bis dahin auf Schultheater, Tabletop-Spiele und ein Schauspielblockseminar, bei dem ich auch eine der Regisseurinnen kennen gelernt hatte. Das Material war sehr intensiv und ich war mir am Anfang unsicher, ob ich es überzeugend herüberbringen kann. Ich sollte einen depressiven Studenten spielen, der unter der aktuellen Coronalage und dem Unistress zerbricht. Ich habe das Drehbuch stundenlang vor dem Spiegel geübt. Meine eigenen Erfahrungen mit Depression und Angstzuständen wollte ich mit dem Charakter zum Ausdruck bringen. Diese dunklen Ecken im eigenen Kopf zu besuchen und in den Vordergrund zu schieben war schwer, aber deutlich einfacher, so allein vor dem Spiegel, als vor der Kamera mit anderen Menschen um einen herum.

Worum geht’s?

Das Drehbuch wurde von meinen zwei Freundinnen selbst geschrieben und das Equipment durften wir von der Uni ausleihen. Deswegen hieß es auch immer: „Lass bloß nicht die Kamera fallen, die kostet mehr als dein Leben!“. Der Film zeigt einen Tag im Leben eines Studenten und einer Studentin und wie diese mit der aktuellen Coronalage klarkommen. Das könnte unterschiedlicher nicht sein. Der Film springt von Szene zu Szene zwischen den zwei Studierenden hin und her und macht damit den Kontrast klar, wie unterschiedlich die Erfahrungen des Studierendenlebens während einer Pandemie für Menschen sein können. Während sich die eine Person mit der aktuellen Lage arrangiert und versucht, das Beste daraus zu mache, zerbricht die andere Person nach und nach an der psychischen Belastung und dem zusätzlichen Stress.

Und Action…

Eine Woche lang wurde gedreht und vier Tage davon war ich vor der Kamera mit dabei. Ein Drehtag ging im Durchschnitt zwischen zwei und vier Stunden. Zwei Tage haben wir im Studierendenwohnheim vom WHO gedreht, einen Tag in einem Edeka und einen Tag in einem Café in der Innenstadt. Zu meiner Überraschung war es nicht sehr schwer, eine Zusage für die Drehs an öffentlichen Plätzen zu bekommen. Auch die Kundschaft der jeweiligen Geschäfte war rücksichtsvoll dem Dreh gegenüber und hat versucht, nicht ins Bild zu laufen und nicht zu viel Lärm zu verursachen.

Unser Redakteur im Einsatz

Das Filmen hat unglaublich Spaß gemacht, so viel sogar, dass man freiwillig um sechs Uhr morgens aufgestanden ist, um rechtzeitig zum Dreh vor Ort zu sein… Ich hatte nicht damit gerechnet, dass kaum Zeit für das eigentliche Drehen verwendet wurde. Die meiste Zeit verbrachten wir damit, die Szene aufzustellen. Dabei wurden Fragen geklärt, wie zum Beispiel: Wie setzen wir das Storyboard in die Realität um? Wo stellen wir die Kamera auf? Wie bewegen sich die Schauspieler*innen? Ist das Mikrofon im Bild? Dann hieß es: Action!, ein paar Sekunden filmen, und Cut! Und jetzt alles wieder umstellen, damit der Shot am Ende aus verschiedenen Winkeln gefilmt wurde. Dies war vor allem bei der emotionalen Endszene sehr herausfordernd, denn in der weint mein Charakter, weil er mit der aktuellen Situation nicht mehr zurecht kommt. Sich in einen emotionalen Zustand hineinzuversetzen und auf Kommando zu weinen war überhaupt sehr anspruchsvoll. Ich hatte sogar eine Notfallzwiebel dabei, falls es nicht geklappt hätte. Denn eine Szene kann bis zu drei Mal gefilmt werden. Zwischen jedem Take wird dann die Kamera wieder umgestellt, während du kurz einen Snack isst, dabei einen Witz machst … und dann wieder heulst…

Ich hatte nur eine Szene mit einem Szenenpartner, in der wir einen Dialog führten. Das hat sich als schwerer herausgestellt, als gedacht, denn während meiner Vorbereitungen hatte ich gar nicht daran gedacht, den Dialog der anderen Person zu lernen und wusste dadurch nicht, wann mein Partner fertig ist mit Reden und ich wieder anfangen darf. Mit viel „trial and error“ haben wir die Szenen dann trotzdem gemeistert.

Jederzeit wieder!

Alles in allem muss ich sagen, dass es eine interessante, lustige und vor allem eine bereichernde Erfahrung war. Ich kann nur allen empfehlen, ebenfalls in die Welt des Schauspiels hineinzuschnuppern, wenn die Chance besteht und das Interesse dafür da ist – egal ob vor oder hinter der Kamera. Falls ihr jemanden kennt der*die Medienwissenschaften studiert, dann traut euch und zögert nicht, die Studierenden darauf anzusprechen, ob ihr Teil des nächsten Filmprojekts werden könnt. Ich für meinen Teil muss nicht lange nachdenken, wenn ich gefragt werde, ob ich wieder einmal bei solch einem Projekt mitmachen würde und antworte mit einen selbstbewussten „Jederzeit wieder!“.

(Anm. d. Red.: Der Film ist bei Veröffentlichung dieses Artikels noch in Postproduction und wird vermutlich auch nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.)

Beitragsbild: unsplash
Foto 1: unsplash
Foto 2: David Endl

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