(K)ein Zwang zu Rauchen

In den Semesterferien die Füße hochlegen? Nicht mit der Kupferblau! Wir wollen über uns hinauswachsen! Deshalb haben wir uns spannende Herausforderungen ausgedacht, die wir euch jede Woche an unserem Motivation-Monday präsentieren!

Challenge 8: Die Menschen haben schon immer gerne diverse Pflanzen getrocknet und angezündet, um den dadurch entstehenden Rauch zu inhalieren – um sich zu berauschen, zu beruhigen, zu heilen oder auch in völlig andere Welten zu katapultieren. Ich hatte im Rahmen unserer Challenge-Wochen die Ehre, eine Woche auf das Rauchen zu verzichten – was bedeutete, einer waschechten Sucht zu widerstehen.

Heutzutage sind Zigaretten in unserer Gesellschaft vollkommen geläufig. Schon vor über hundert Jahren galten sie vor allem als cool, lässig, als ein Lebensstil. Darüber, wie unglaublich giftig nicht nur das Nikotin, sondern auch der ganze andere Müll in unseren Glimmstängeln ist und war, wusste damals praktisch niemand Bescheid. Ob dieses Wissen etwas geändert hätte, lässt sich schwer sagen. Vielleicht hätten immerhin zehnjährige Kinder oder schwangere Frauen nicht mit dem Rauchen angefangen oder weitergemacht, was durchaus vorgekommen ist.

Heutzutage sind wir doch eigentlich sehr aufgeklärt. Rauchen ist verdammt ungesund. Blutgefäße verengen sich. Zähne faulen ab. Teer und Schleim füllen unsere Lungen. Krebszellen entstehen. Unser Geschmack verliert an Intensität. Es stinkt ekelhaft, vor allem der kalte Rauch. Rauchen erzeugt eine Menge Müll. Und es macht furchtbar süchtig. Auch, dass diese Liste noch um viele weitere unerfreuliche Dinge zu erweitern ist, sollte uns allen bewusst sein. Rauchen gilt als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland – wobei man an dieser Stelle gerne auch mal nach Zucker fragen dürfte. 

Jährlich sterben über 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens

Oft kombiniert man Zigaretten und Ähnliches auch mit Alkohol – an dem jährlich um die 75.000 Menschen in Deutschland sterben, aber das nur nebenbei (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit). Dass diese beiden äußerst giftigen Drogen kulturell etabliert und legalisiert sind, ist, wenn man mal so darüber nachdenkt, ein kleines bisschen fragwürdig. Gerade auch im Vergleich mit gewissen anderen Konsummitteln. Aber diese Heuchelei möchte ich hier nur kurz angeschnitten haben.

blumige Aussichten: mein leerer Aschenbecher

Trotz dieser umfassenden Aufklärung rauche ich seit nunmehr zehn Jahren

Mein persönlicher Hauptgrund ist der gesellschaftliche Faktor. Bei sozialer Ineraktion entsteht überschüssige Spannung, die man kanalisieren muss – auch, um die Konzentration aufrecht zu erhalten. Manche wippen mit dem Fuß, andere popeln am Etikett ihrer Flasche herum. Ich drehe meine Zigaretten selbst, was mir neben dem Rauchen an sich ein zusätzliches Beschäftigungsritual verschafft. Zudem fungiert es als eine soziale Berechtigung, wenn man irgendwo wartet oder eine kleine Pause machen möchte. Alternativen dazu sind oft Kopfhörer oder, sehr häufig vertreten, der Griff zum Handy. Man käme sich seltsam vor, einfach nur dazustehen, nichts zu machen, während die Hände nutzlos neben einem herumbaumeln. Und was die anderen wohl denken. Komischer Typ. Steht da einfach nur so rum. Weirdo.

Abgesehen davon kommt man auch gut und gerne mal ins Gespräch mit anderen Rauchenden

Was mich persönlich betrifft, rauche ich tatsächlich einfach gerne. Auch wenn es seltsam klingen mag – es schmeckt mir obendrein. Ich konsumiere stets bewusst, daher hätte ich nicht angefangen, wenn es für mich keinen Genuss bedeutet hätte – vor allem zum Kaffee oder zu einem Bier.

Nun mag es zwar nicht so klingen, aber allzu viel rauche ich gar nicht. Normal sind es stark variierende 0 bis 8 Zigaretten am Tag. Der erste Tag meiner Challenge war daher überhaupt kein Problem. Am zweiten Tag hatte ich mehrere Online-Seminare, die zum Teil stinklangweilig waren. Für gewöhnlich mache ich dann im geeigneten Moment unauffällig die Kamera aus und rauche Eine. Nicht an diesem Tag. Meine Finger trommelten, mein Knie fing an, zu wippen. Am Abend hatten wir unsere Online-Redaktionssitzung über Zoom, die immer ziemlich lässig und oft mit einem dazu passenden Getränk abläuft – und während der ich meistens die ein oder andere Kippe rauche… Puh. Da wurde diese ganze Geschichte schon ein wenig lästiger.

Der dritte Tag war soweit in Ordnung, zur ersten Tasse Kaffee juckte es allerdings doch ein wenig in den Fingern. Ich stellte aber fest, dass ich den Geschmack meines Kaffees deutlich mehr genießen konnte, wenn ich nicht alle zwei Schlucke an einer Kippe zog. Am Abend kam mein Bruder zu Besuch und wir führten ein sehr langes und gutes Gespräch, es wurde spät – und da geschah es. Ich genehmigte mir eine Zigarette, da sie für mich an diese Stelle einfach hingehörte. Man kann sich darüber streiten, aber ich denke, dass in meinem Fall die psychische die körperliche Sucht überwiegt (wobei diese beiden Halunken beim Rauchen wohl oft Hand in Hand gehen). Denn in den folgenden, verbleibenden Tagen der Challenge stellte der Verzicht auf das Rauchen eigentlich kaum ein Problem dar.

Die Seminare waren soweit auch ohne Zigarette ertragbar

Wenn, dann verspürte ich abends ein Ziehen der Lust, zum entspannenden Abschluss des Tages doch noch zu rauchen, aber ich blieb stark. Wirklich interessant zu beobachten waren während meiner Herausforderungswoche die impulsiven Schlüsselmomente, in denen man als Raucher einfach selbstverständlich zum Drehzeug greift. Manchmal habe ich es dann lachend, manchmal auch bedauernd (aber immerhin nicht weinend) wieder zurückgelegt.

Ich möchte zum Schluss noch betonen, dass ich diesen Artikel aus meiner ganz persönlichen und subjektiven Perspektive schreibe und keineswegs das Rauchen verherrlichen möchte. An sich ist es, wie schon zu Beginn erwähnt, total unnötig und außerordentlich schädlich. In den letzten Jahren kam es mir so vor, als würden die Rauchenden immer weniger – und auch ich habe nicht vor, ewig zu ihnen zu gehören.

Fotos: Cedric Kirchhöfer

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