Last Call for CineLatino II: “Cholitas – starke Frauen auf hohen Gipfeln”

Die letzten Tage des hybriden Tübinger Filmfestivals CineLatino sind angebrochen – zumindest für dieses Jahr. Wir blicken zurück auf zwei der vielen Highlights der diesjährigen Festivalwoche – und freuen uns auf die Nächste.

Meine Kollegin Anne und ich begeben uns am Anfang der Festivalwoche in eines der Tübinger Kinos. Nach über einem Jahr das Kino zu betreten, Popcorn und Cola in der Hand, ist eine ganz eigene Sensation für sich – auch, wenn die Maske aufbleiben soll. Es ist ein fast schon nostalgisches Gefühl als der Raum sich verdunkelt.

Untertitel leuchten auf. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich auch diese Erfahrung heute zum ersten Mal machen werde. Zum Glück sind sie auf Englisch und schon bald fallen sie mir fast nicht mehr auf. Wir schauen “Cholitas”, einen Dokumentarfilm voller Emotionen, Kraft, Empowerment und Feminismus. Es ist gut, denke ich danach. Eine deutsche Synchronstimme hätte diesen Film womöglich zu stark verfremdet. 

Es ist ein Film über fünf Frauen, die genau das gemacht haben, was sie nie durften. Etwas, von dem ihnen immer gesagt wurde, dass Frauen das nicht können. Gemeinsam machten sie sich 2019 daran, den höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua in Argentinien, zu besteigen.

Die Cholitas auf dem Weg zum Gipfel des Aconcagua.

20 Tage für den höchsten Berg in Argentinien

Die fünf Frauen, nach den indigenen Frauen in Bolivien und Peru auch “Cholitas” genannt, kämpften lange für das, was unerreichbar schien und schafften durch die Unterstützung einer Filmcrew und zweier Wander-Guides das Unmögliche: den Aconcagua in 20 Tagen zu besteigen. Eine Wanderung, die nicht zu unterschätzen ist. So liegt der Gipfel auf 6961m Höhe über NN. Auf dem Weg von Camp zu Camp begleitet das Kinopublikum die fünf Frauen, die mit ihren bunten Trachten und Rucksäcken ausgestattet sind. Doch der Dokumentarfilm zeigt noch so viel mehr: Er zeigt eine Reise von fünf Frauen mit einer unheimlichen symbolischen Kraft. Frauen, die sich gedacht haben, warum sollten wir das nicht auch können?

Eine innere Reise voller Mut

Es sind Frauen wie Dora, Cecilia, Liita, Elena und Lidia. Freundinnen, die noch nie zuvor in einem Flugzeug saßen, die nichts anderes waren als Ehefrauen, Mütter, Hausfrauen – wartend auf einen Moment, der ihnen etwas mehr Raum schenken wird. Jetzt sind es Frauen, die das Unmögliche überwältigt haben, für sich allein. Unter Schneestürmen, Wind, Kälte und Sonne begleitet man sie auf 6961m Höhe. Es sind 6961m, die die Liebe zeigen, die in den Frauen steckt. Und es sind 6961m, die zeigen, dass jede einzelne der Freundinnen wertvoll ist und ihren Platz voll und ganz einnehmen darf. Von der symbolischen Kraft, die diese Aktion den Frauen in Bolivien gab, ganz zu schweigen.

„Es ist nicht wichtig, ob wir alle den Gipfel erreichen. Es ist wichtig, dass wir es alle versucht haben, und das gibt uns Kraft und macht uns stark.“

Filmzitat aus “Cholitas”

Onlineprogramm noch bis 17. Juni

Dank der hybriden Planung des Festivals gibt es ein umfassendes Onlineangebot. Die Filme wurden jeweils einen Tag, nachdem sie im Kino liefen, für eine Woche online zur Verfügung gestellt. Die Website funktioniert dabei wie ein eigenes kleines Amazon-Prime: Für eine Leihgebühr von jeweils 6€ können diese Woche noch Filme ausgeliehen werden. Die letzten laufen am 17.Juni (also morgen) ab. Wer die Zeit findet, sollte unbedingt noch das Onlineangebot nutzen. Es lohnt sich – nicht nur für alle Bergsteige-Fans. 

Das Onlineprogramm des CineLatino findet ihr hier: https://onlinecinelatino.filmtage-tuebingen.de/

Dies ist ein Tandem-Artikel. Den zweiten Filmeindruck vom CineLatino findet ihr hier.

Beitragsfoto und Illustration: CineLatino/Filmtage Tübingen

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