Eine Periode kommt selten allein

Ich blute aus meiner Vagina. Und benötige dafür meistens 5 Tage, 25 Tampons, 3 Schmerztabletten und ein Ben & Jerry’s. Warum das Thema Menstruation diesen Realtalk braucht und was „seine Tage zu haben“ eigentlich bedeutet, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Erdbeeren mag ich. Sehr sogar. Wie schön, könnte man meinen, dass es in regelmäßigen Abständen eine ganze Woche davon gibt: Die Erdbeerwoche! Nice try, denke ich mir und seufze. Wer auch immer diesen Begriff erfunden hat, hat das, was da einmal im Monat ein paar Tage passiert, sehr blumig beschrieben. Wir – und damit meine ich alle gebärfähigen Frauen¹ auf diesem Planeten – haben unsere Tage, die Periode, menstruieren, bekommen Besuch von der roten Lola, haben unsere Regel oder streichen den Keller rot. Bei der Umschreibung des Schauspiels down under sind der Kreativität wohl keine Grenzen gesetzt. Aber was heißt das eigentlich, seine Tage zu haben? Sagen wir mal so: Eine Periode kommt selten allein. Nachdem man im Voraus² schon von Rückenschmerzen über Bauchkrämpfen bis hin zu stimmungsmäßigen Achterbahnfahrten (mit Looping) alles erlebt hat, ist man direkt erleichtert, wenn sich endlich der kleine rote Fleck in der Unterhose zeigt.

Kein böses Blut

Da – vor allem unter Männern – doch manchmal recht viel Unwissenheit herrscht: Was passiert da eigentlich im Körper der Frau¹? Der weibliche Zyklus umfasst drei Phasen. Im ersten Abschnitt bereitet sich der Körper auf eine eventuelle Schwangerschaft vor, im zweiten findet der Eisprung statt. In der dritten und letzten Phase fällt dem Uterus auf, dass es zu keiner Befruchtung der Eizelle gekommen ist und so wird die Eizelle samt Blut, Scheidensekret und Schleimhautresten ausgeschieden. Auch wenn es einem manchmal so vorkommt, als entleere die Gebärmutter literweise Blut, sind es eher um die 65 Milliliter.

Wer kennt’s? Szenen wie diese spielen sich einmal im Monat auf der Toilette ab.

Eine Regel ohne Regel

Die Periode ist nicht nur bei Männern mit Unwissenheit behaftet, auch viele von uns Frauen¹ haben mit Unsicherheit zu kämpfen. Schaut man in Internet-Foren, finden sich hunderte Sorgen, Zweifel und Ängste um die Periode: Wieso haben alle schon ihre Tage, nur ich nicht? Was für eine Farbe muss das denn haben? Tampons tun mir weh, ist das normal?

Eines haben diese Fragen gemeinsam: Jedes der Mädchen hat irgendwo Angst, dass der eigene Körper auf irgendeine Art und Weise abnormal ist; dass etwas mit ihnen nicht stimmen könnte. Aber: Jede Periode ist so individuell wie das Mädchen selbst, es gibt kein normal oder unnormal, keine Regel, was sein darf und was nicht. Viel zu oft wird nicht darüber gesprochen, schon gar nicht mit dem männlichen Umfeld wie Lehrern, Arbeitgebern, Vätern oder Freunden. Dabei ist das wichtig, um ein Verständnis dafür zu etablieren.

Jede Frau¹ sollte erklären dürfen, dass sie es nicht ins Seminar geschafft hat, weil sie vor lauter Bauchkrämpfen einfach nicht laufen konnte. Dass sie im Sommer manchmal nicht mit ins Freibad kommt, weil sie Angst hat, es könne ein kleiner „Unfall“ passieren. Dass sie nicht wandern geht, weil es keine Toilette gibt und warme Binden einfach super unangenehm riechen.

Ein bisschen mehr Period Positivity, bitte.

Ein bisschen Menstruationsgeschichte / Hoch die Menstruationstassen

Ich denke, wir haben Gesprächsbedarf. Wir brauchen den Wechsel vom Tabu zum To-Do. Das ist nichts Neues – schon vor hundert Jahren war Menstruation oft etwas Schmutziges, über das nicht gesprochen wurde. Noch heute gelten Frauen¹ in manchen Kulturen als unrein, wenn sie ihre Tage haben, und werden eine Periode lang von der Gesellschaft ausgeschlossen. Der griechische Philosoph Pythagoras glaubte zum Beispiel, Frauen¹ menstruierten aus einem Überschuss an Nährstoffen, die sie mit der Nahrung zu sich nähmen und wieder ausscheiden müssten. Im Mittelalter wurde die Periode zwar als Zeichen eines gesunden weiblichen Körpers, jedoch auch als Symbol der Minderwertigkeit der Frau¹ gedeutet. Durch alle Kulturen und Zeiten hinweg gab es unterschiedliche Menstruationsbekleidungen, von Binden aus Gras und Baumwolle im alten Ägypten bis hin zu Gürteln mit gewickelten Leinentüchern und heute stark im Kommen: Menstruationstassen.

Der klassische Tampon, der übrigens 1931 auf den Markt kam und von einem Mann erfunden wurde, ist aber immer noch das am häufigsten verwendete Utensil.

Ein Plädoyer für die Periode

Doch es geht auch unten ohne – die Free Bleeding Bewegung ist der Meinung, dass Frauen¹ das Menstruationsblut frei laufen lassen sollten. Keine Perioden-Ausreden, kein verschämtes Tampon-Kaufen mehr. Wir brauchen tatsächlich mehr Period-Positivity und fängt Frau einmal an, diese Phase ihres Körpers wohlwollender zu betrachten, kann sich einiges ändern. Ist es nicht ein Privileg, eine Periode zu haben? Theoretisch ein Kind empfangen zu können und fruchtbar zu sein?

Die Menstruation erinnert uns daran, wie faszinierend komplex unser Körper auf das abgestimmt ist, was vielleicht einmal dort heranwächst, wo gerade nur blutiger Schleim ist.

Ich persönlich bin doch ganz gerne eine Frau. Und manchmal kommt eben Blut aus meiner Vagina. Das im Schnitt übrigens 6 Jahre meines Lebens, was mich laut der Huffington Post durchschnittlich um die 16. 000 Euro kostet. Darauf erst einmal ein paar Erdbeeren oder wahlweise eine Bloody Mary.

¹ Uns ist bewusst, dass nicht nur Frauen menstruieren und möchten in diesem Artikel auch alle anderen menstruierenden Menschen ansprechen.

² Optional. Symptome und Ausprägung variieren je nach Mensch und Zyklus.

Fotos: Tabea Siegle

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