Ein Schritt zurück in die Normalität

Seit nun fast zwei Monaten sind Restaurants aufgrund der derzeitigen Lage geschlossen. Während Lieferservice womöglich den Boom des Jahrhunderts erlebt haben, mussten Restaurants, die nicht mal schnell auf Abholservice und Co. umstellen konnten, um ihre Existenz bangen. Jetzt können Gaststätten ab Montag, den 18. Mai wieder unter bestimmten Auflagen öffnen. Wir haben euch eine kleine Auswahl zusammengestellt und erzählen, wie es den Lokalen in der Zwangspause ergangen ist.

Es ist mittlerweile fast schon abnormale Normalität geworden, dass Restaurants und Cafés entweder komplett geschlossen, oder auf einen Abholservice und/oder Lieferservice umgestellt haben. Was waren das noch für Tage, als man ganz spontan in irgendein Lokal sitzen und den Abend genießen konnte! Wie Frodo sich am Ende seiner Reise am Schicksalsberg nicht mehr an den Geschmack des Wassers erinnern konnte, wissen viele von uns gerade nicht mehr, wie ein Bier in seinem natürlichen Habitat (dem Lieblingslokal) eigentlich aussieht.

Durch stagnierende Corona-Zahlen sah sich die Landesregierung endlich in der Lage, wieder an Öffnungen auch in der Gastronomie zu denken. Ab heute, dem 18. Mai dürfen Restaurantbesitzer unter gewissen Bestimmungen ihr Lokal wieder öffnen. Das freut jetzt natürlich alle, die endlich mal wieder mit dem Freund oder der Freundin ein ganz normales Date haben, oder auch befreundete Familien, die wieder mehr miteinander unternehmen können, als nur im öffentlichen Raum abzuhängen. Doch wen es wohl am meisten freut, dass diese Lockerungen nun endlich vollzogen werden, sind die Gastronomen. Mit dieser Freude einher kommt aber die Ungewissheit für die kommenden Wochen, da die Betriebe einmal mehr auf die Gäste angewiesen sind – und auf Hilfe seitens des Staats.

„Hälfte der Sitzplätze macht höchstens die Hälfte des Umsatzes“

Denn um die Vorlagen einzuhalten, können die Lokale nur noch rund die Hälfte der Sitzplätze anbieten. Größere Gruppen sind vorerst auch nicht möglich – mehr als zwei Haushalte und mehr als vier Erwachsene dürfen nicht zusammensitzen. Die Abstandsregel von 1,5 Metern gilt natürlich weiterhin und die Oberflächen müssen regelmäßig desinfiziert werden.

Zusätzlich werden die Gäste gebeten, auf den Laufwegen im Lokal eine Maske zu tragen. Und natürlich ganz wichtig (und es ist schon wieder traurig, dass man das immer noch sagen muss): Wer innerhalb der letzten zwei Wochen Kontakt zu einer an Sars-CoV-2 erkrankten Person gehabt hat, oder selbst Symptome aufweist, GEHT BITTE NICHT IN DIE LOKALE!!!

Für alle, die das nicht ausschließt, haben wir ein paar Lokale befragt, die am Montag wieder öffnen können, wie der jeweilige Ablauf sein wird und wie es ihnen die letzten Monate ergangen ist. Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wollen euch eher einen Querschnitt bieten. Erkundigt euch bei euren Lieblingslokalen vor Ort oder am besten Online.

Bar & Café Ristorante Unckel

Fangen wir an mit dem Ristorante Unckel. Das unter Studierenden sehr beliebte Lokal musste schließen und hat logischerweise finanzielle Einbußen verzeichnet. Jetzt zu öffnen, ist natürlich schön, aber das Hauptklientel, die Studierenden, sind größtenteils noch nicht zurück in Tübingen. Auch die oftmals bewirteten größeren Gruppen können bis auf weiteres nicht wie bekannt vorbeischauen.

Nichtsdestotrotz freut sich das Team auf die Gäste und hat für den ersten Monat Pizza und Pasta ordentlich vergünstigt. Dazu können die Speisen auch mitgenommen werden, womit sich der schwäbische Student ja schon mal das „Getränkle“ sparen kann. Die Hygienevorschriften könnt ihr auf deren Facebookseite auch nochmal checken. Startschuss ist hier um 12:00 Uhr.

Das beliebte Ristorante Unckel in Uninähe in der Wilhelmstraße 17.

Saints & Scholars

Das Saints & Scholars hat eine schwere Zeit hinter sich, die schon Anfang Februar mit starken Umsatzeinbrüchen begann. Peter Wolf vom Saints & Scholars hofft auf weitere Hilfen vom Staat und betont auch das Schicksal anderer Gaststätten, die zu kleine Flächen haben, um wirtschaftlich arbeiten zu können oder sogar schon insolvent sind. „Die Hilfen sollten kommen, solange es die Betriebe noch gibt“, schreibt er uns per Mail.

Zudem müsse man am Anfang schauen, ob es nach der Öffnung nicht zu mehr Unkosten kommt, denn die „Hälfte der Sitzplätze macht höchstens die Hälfte des Umsatzes“. Je nach Nachfrage wird man hier sonst auch daran denken müssen, die Öffnungszeiten anzupassen oder wieder ganz zu schließen.

Das Saints & Scholars hat vorerst wieder zu den normalen Zeiten geöffnet, die Küche wird von 12-21 offen sein. Auf der Website wird jedwede Änderung auch mitgeteilt, also schaut doch noch einmal vor eurem Besuch dort vorbei. Allein schon, weil der genaue Ablauf des Betriebs noch einmal genau erklärt wird, wäre das sowieso eine gute Idee.

Der Irish Pub Saints & Scholars in der Wilhelmstraße 44.

Gasthaus Bären

Hier hat man die Zeit genutzt, einmal alles aufzufrischen. Jetzt freut man sich auf die Gäste, die ab Montag wieder in das Lokal kommen dürfen. 9-12 Tische werden durch den notwendigen Sicherheitsabstand noch für die Gäste bereitstehen, dadurch gilt allerdings Reservierungspflicht. Bei der Speise- und Getränkeauswahl bleibt alles wie gehabt, wer also Lust auf schwäbische Tapas in der gewohnt hippen Atmosphäre hat – um 12:00 Uhr öffnen sich die Pforten.

Das Gasthaus Bären mit seinen beliebten schwäbischen Tapas in der Schmiedtorstraße 3 in der Altstadt.

Neckarmüller

Der Neckarmüller musste, wie viele andere Gaststätten, den Betrieb komplett einstellen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die letzten Wochen hat man genutzt um bei der Wiedereröffnung alle Auflagen zu erfüllen und den Ablauf so reibungslos wie möglich gestalten zu können. Dieser wird aber anders sein als zuvor, denn der Einlass wird geregelt und Gäste müssen sich registrieren. Diese Daten werden dann 4 Wochen aufbewahrt, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können. Verschwörungstheoretiker fallen also vorerst als Kunden weg (ein Grund mehr hinzugehen). Ist diese kleine Hürde überstanden, wird man hier zu den gewohnten Öffnungszeiten mit der gewohnten Auswahl versorgt – Speisen und Getränke werden auf einen Beistelltisch gestellt, um den Abstand zu halten. Los gehen wird es am Montag um 10:00 Uhr.

An einem der zentralsten Orte Tübingens, der Neckarbrücke, befindet sich der Neckarmüller.

Die Lokale sind wie noch nie zuvor auf die Gäste angewiesen

Die Nachricht, dass die Gaststätten öffnen dürfen hat uns alle gefreut. Ein Stück Normalität kommt damit wieder zurück. Das Leitthema diese Woche ist der Optimismus. Mit diesem Artikel wollen wir den allerdings nicht nur unseren Lesern bringen, sondern euch auch dazu animieren, eben diesen Optimismus den Leuten zu bringen, die in den lokalen Betrieben arbeiten und davon leben müssen. Natürlich sind weiterhin viele andere nicht in der Lage zu öffnen, doch vielleicht könnt ihr euch erkunden, ob es da auch nicht noch Möglichkeiten zur Unterstützung gibt. Damit meinen wir nicht nur Restaurants, sondern auch die Kinos, Theater und andere Geschäfte, die nicht öffnen können.

Kauft Gutscheine, holt euch was To-Go oder schaut auf den Internetseiten vorbei. Wenn dann noch der Staat weitere Förderungen bietet, gibt es die Hoffnung, dass Tübingen am Ende dieser Pandemie nicht eine Stadt voller toter Läden ist, sondern wiederbelebt wie eh und je. Ganz ohne Abstandsregelungen und Mundschutz. Das wär’s doch.

Fotos: Urs Winterhalder, Johanna Grün

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.