„Glücklich! Du bist glücklich!“ – Das Jugendtheater Tonne zeigt “Morph”

Auf einem Planeten namens Morph, mehrere Lichtjahre von unserer Erde entfernt, spielt das diesjährige Stück des Jugendtheaters der Tonne Reutlingen. Das Stück, das von den Jugendlichen selbst entwickelt und geschrieben wurde, handelt von Überwachung und Zusammenhalt. Die Kupferblau hat am Donnerstag, dem 10. November die Premiere  besucht und berichtet. 

Auch wenn die Morphianer*innen uns sehr ähnlich sehen, ihre Lebensweise scheint uns völlig fremd. Ein ähnliches Sozialkonstrukt finden wir bei uns auf der Erde höchstens bei Ameisen, oder wenn man bei den Säugetieren bleiben möchte, bei Nacktmullen. In verschiedene Klassen unterteilt (nein, nicht Klassen wie bei Marx), leistet jede*r Morphianer*in seinen eigenen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft.  Doch Panik macht sich auf Morph breit, als die Morphianer*innen erfahren, dass die Bewohner des Nachbarplaneten auf dem Weg nach Morph sind, um Schutz vor einem lebensauslöschenden  Meteoriteneinschlag zu suchen. Der König von Morph befielt daraufhin einen Schutzwall zu bauen, aber sein Gefolge ist nur teilweise von der Idee begeistert.

Die Morphianer*innen auf der Bühne. © Beate Armbruster.

Fantasiereiche Umsetzung

Das Rahmenthema Überwachung kennen die Jugendlichen bereits seit April. In regelmäßigen Proben und Workshops unter der Spielleitung von Jana Riedel sammelten sie dann immer wieder Ideen und Impulse, um in den Intensivproben während ihrer Herbstferien alles zusammenzusetzen.

Die Umsetzung gestaltet sich vielfältig, so werden Kurzvideos als dramaturgisches Mittel eingesetzt und hierfür auf eine Leinwand projiziert, die gleichzeitig das hintere Ende des Spielraumes darstellt. Bei der Umsetzung wurden die Jugendlichen von Kerstin Risse von Medien und mehr e.V. unterstützt. Auch Klanggestaltung spielt im Stück eine große Rolle: Gemeinsam mit Michael Schneider, die musikalische Leitung der Tonne Reutlingen, lernten die Jugendlichen beispielsweise eine Choreinlage ein oder arbeiteten die musikalische Untermalung einiger Szenen aus. Die ein oder andere gut einstudierte Tanzchoreografie darf dann natürlich auch nicht fehlen. Das schlichte und eindrucksvolle Bühnenbild, bestehend aus einer kleinen Kuppel, einem weißen Boden und einer weißen Wand, haben sie ebenfalls selbst entwickelt.

Mia Batalović als Morphianerin. © Beate Armbruster.

Ein Blick auf die Gesellschaft und das Individuum

Das Thema Überwachung wird während des gesamten Stücks immer wieder aufgenommen und steht dabei in starker Wechselwirkung mit dem zweiten Thema des Stücks: dem Zusammenhalt. Regelmäßig werden die Gedanken der Morphianer*innen als Monolog in Hinblick auf ihre Position in der Gesellschaft und den damit zusammenhängenden Gefühlen beleuchtet. Über der fiktiven Gesellschaft von Morph steht ein großes „Wir“ als Selbstverständnis, was damit einher geht, dass dem Individuum im öffentlichen Raum wenig Platz für die eigenen Gefühle zur Verfügung gestellt wird. Mit den Monologen bekommt das Publikum daher einen großen Einblick in die Köpfe der Charaktere, die voller Gedanken sind, welche sie nicht aussprechen möchten oder können. Erzählt wird dabei von großer Angst und Wut gegen das bestehende System und von Bedürfnissen, die im Kollektiv der Gesellschaft zu kurz kommen.

Die Aufführungen laufen noch bis zum 20. November. Der Eintritt ist frei, jedoch ist eine Reservierung auf der Homepage des Theaters Reutlingen erforderlich.

 

Bildrechte: Beate Armbruster.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert