Tu-es-day: Ein soziales Experiment

Wusstest du, dass 80% der Kommunikation non-verbal ist? Und, dass wir die Emotionen sowie den Charakter eines Menschen über Körperhaltung, Mimik und Gestik registrieren können? Die ´Tu-es-day´ Themenwochen haben begonnen und damit startet der erste Artikel mit einem kleinen sozialen Experiment.

Um was gehts?

Ich bin über mehrere Tage verteilt in der Stadt rumgelaufen und bin anders als üblich nicht jedes Mal derjenigen Person ausgewichen, die mir entgegenkam. Zunächst einmal war mir das selbst unangenehm. Ich schaute den Personen nicht in das Gesicht und lief mit einer unsicheren Haltung. Das hatte die Folge, dass ich oft im letzten Augenblick doch der Person aus dem Weg gehen musste. Mit der Zeit habe ich versucht meine Körperhaltung und mein Auftreten zu ändern. Ich bin mit aufrechter Haltung und zügigem Schritt auf die Personen zugelaufen.  Meistens noch mit meinen Kopfhörern in meinen Ohren und den Blick zielstrebig nach vorne gerichtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass um einiges mehr Menschen zur Seite wichen.

Was konnte man beobachten?

Als mir aufgefallen ist, was für eine Rolle mein eigenes Auftreten dabei spielt, habe ich zeitgleich auch darauf geachtet, wie die gegenüberliegende Person auf mich zuläuft. Ebenfalls notiert habe ich, was das für einen Einfluss auf meine Gedanken und Handlung hat.

Es war immer wieder der Fall, dass die Menschen, welche ein starkes und sicheres Auftreten hatten, weniger bereitwillig aus dem Weg gingen. Solche präsenten Personen konnte man schon von Weitem sehen. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Kleidung ebenfalls ein ausschlaggebender Punkt für mich war. Menschen in Anzügen oder Arbeitskleidung, sowohl als auch auffällige modische Kleidung schienen von der Ausstrahlung her dominanter. Als wären sie weniger beeinflussbar durch meine Körpersprache.

Wer weicht als erstes aus?

Menschen hingegen, welche eher auf den Boden schauten oder eine ruhigere, zurückhaltende Ausstrahlung hatten, wichen mir aus. Sie schienen sich nicht weiter mit der Situation konfrontieren zu wollen und sind meistens ohne Augenkontakt an mir vorbeigelaufen.

Ähnlich diejenigen auf der Straße, welche telefonierten. Sie schauten in fast allen Fällen zur Seite oder ebenfalls auf den Boden, als seien sie in Gedanken versunken. Fast schon automatisch gingen sie auf die Seite, ohne weiter darüber nachzudenken, da sie mit etwas anderem beschäftigt waren.

Die Hemmschwelle sich bei Menschen, welche telefonieren oder unsicherer in der Gangart wirkten, in den Weg zu stellen, war um einiges höher. Das unbehagliche Gefühl war da, zu nah in die Privatsphäre eines Menschen einzutreten. Rempelte man sich an der Schulter an, entschuldigte man sich gegenseitig. Es gab aber auch Momente, in denen die Person einfach weiterlief und mich ignorierte. 

Amüsant war, dass man in solchen Momenten schon von vornherein die Vermutung aufstellen konnte, wie die Person reagieren würde und größtenteils stimmte meine Vorahnung mit der Reaktion überein. Wie stark und schnell Bewegungen oder Gesten ausgeführt werden, können sich auf die Charaktereigenschaften zurückführen. Kommunikation läuft dabei immer auf verschiedenen Ebenen nebeneinander ab und nicht nur als einziges Signal. Es ist aber generell schwierig zu sagen, ob es an dem Gemütszustand oder an der allgemeinen Grundstimmung der Person lag, deshalb werde ich hier nicht pauschal in Gruppen teilen.

Tu-es-doch-selbst

Das Beobachten von non-verbaler Kommunikation kann einem viele neue Perspektiven aufzeigen.  Man gerät dadurch vielleicht selbst in neue soziale Situationen, aus denen man lernen kann. Wenn du wissen willst, wie andere Menschen auf dein eigenes Auftreten reagieren oder welche Kenntnisse du selbst mitnehmen kannst, dann probiere es diesen Sommer doch einmal selbst aus.

Fotos: Laura Breitung

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