Morgen, morgen, nur nicht heute…

... sagen alle faulen Leute?! Oder sagt das schlichtweg der Mensch? Das Phänomen des Aufschiebens – oder wie es im Fachjargon heißt: des Prokrastinierens – scheint etwas zu sein, womit sehr viele Menschen zu kämpfen haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie normalerweise sehr strukturiert, anpackend und fokussiert sind. Mit der Deadline schleicht sich uns, in hartnäckiger Zuverlässigkeit, auch die Aufschieberitis an. Und ihre Gestalt ist vielfältig… Wir haben in unserer Redaktion nachgefragt, wie die Kupferblau eigentlich prokrastiniert und ob es Tricks gibt, davon wegzukommen – die Kupferblau knows how…

Was ist Prokrastination eigentlich?

Wenn die Zeit zum Feind wird…

Das Wort ‘prokrastinieren’ leitet sich aus dem Lateinischen ‘procrastinare’ ab, das übersetzt werden kann mit: [auf den nächsten Tag] verschieben. Die Übersetzung impliziert also bereits die Handlung, die Prokrastination mit sich bringt: Die Dinge, die eigentlich höchste Priorität haben sollten, werden auf die nächsten Tage verschoben. Während es bei den einen nur ein kurzzeitiges Problem ist, das sich mit steigendem Druck erledigt, verlieren sich andere in einem Teufelskreis des Aufschiebens, aus dem sie ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen. Die Folgen sind unerledigte Aufgaben, nicht eingehaltene Deadlines und ein zunehmender Druck auf die betroffenen Personen. Wer sich einmal in seiner*ihrer Umgebung umhört, wird feststellen, dass viele dieses Phänomen kennen. Die Art des Prokrastinierens kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen. Wir haben unsere Redaktion befragt, wie die Kupferblau denn eigentlich prokrastiniert.

Priorität Haushalt

Kochen statt Arbeiten.

Wenn es einen Klassiker unter den Prokrastinationsarten gibt, wäre das wahrscheinlich der Haushalt. Aber wem ist es zu verdenken, immerhin bietet sich hier eine Spielwiese voller Möglichkeiten an, was zuerst erledigt werden könnte: Der Abwasch muss getan werden, der Müll nach draußen gebracht, der Boden mal wieder gewischt und die Abzugshaube dringend einmal wieder gründlich gereinigt werden. Wenn die Küche dann wieder blitzeblank ist, schreit sie förmlich danach, nun auch benutzt zu werden. Und eine ausgewogene, gesunde Ernährung steigert schließlich auch das Konzentrationsvermögen, was wiederum perfekt für die nächste Lerneinheit ist. Also ran an die Vorratsschränke, nun wird gezaubert: Es wird Brot und Kuchen gebacken, Mittagessen zubereitet und Snacks für die nächste Lernpause vorbereitet. Da die Küche nun wieder sehr dreckig ist, muss diese natürlich noch einmal geputzt werden, damit sich die Mitbewohner*innen nicht ärgern und fertig ist die Dauerschleife des Prokrastinierens…

Erstmal chillen!

Ihr habt euch in dem Absatz eben nicht wiedergefunden, weil es euch zu aktiv ist? Dann seid beruhigt, denn es gibt auch das Team Chillen. Bevor die Lernsession starten kann,  muss erstmal eine Runde entspannt werden. Nochmal schnell die Kissen aufklopfen und erst einmal einen ausgiebgien Mittagschlaf halten. Alternativ kann auch die neueste Netflixserie angeworfen werden, um für eine, höchstens zwei! Folgen zu entspannen. Nach der fünften Folge ertappt ihr euch dabei, dass ihr immer noch auf dem Bett liegt und die Bücher unberührt auf dem Schreibtisch ruhen. Oh Mist, jetzt aber schnell ran an den Schreibtisch! Nur noch kurz das Handy checken, ob irgendwelche wichtigen Nachrichten reingekommen sind. Eine Nachricht auf Instagram ein süßes Katzenvideo… Dank der Swipe-Up-Funktion bleibt es nicht bei einem Video und so vergeht eine weitere Stunde, in der noch nichts von der To-Do-Liste erledigt wurde. Lohnt es sich jetzt überhaupt noch, mit etwas Neuem anzufangen? Der Tag ist doch ohnehin schon gelaufen, oder? Also geht der Griff lieber zum neuesten Fantasy-Roman im Regal, als zur Sekundärliteratur auf dem Schreibtisch. Kurz vor dem Schlafengehen kommt dann unangenehm penetrant das schlechte Gewissen auf. Vielleicht doch noch schnell einen der Texte lesen, die für die Hausarbeit benötigt werden? Alternativ könnte aber auch die nächste Drei ???-Folge angehört werden. Die Qual der Wahl…

Kreativität fördert die Konzentration

Aktiv sein oder chillen ist beides nichts für euch? Dann seid ihr vielleicht eher der kreative Typ Mensch. Sei es das neue Strickprojekt für den Pullover, den ihr schon längere Zeit ins Auge gefasst habt, oder die nächsten Geburtstagsgeschenke, die dringend geplant und gesucht werden müssen (auch wenn sie erst in einem halben Jahr fällig sind). Auch das Erstellen von Memes und Stickern ist ein spaßiger Zeitvertreib und bringt den Liebsten einen Lacher aufs Handy damit ist das Karmakonto auch gleich wieder aufgefüllt, win-win. 

Während der Lernphase wird so manches Projekt zu Ende gebracht.

Nicht verzagen, Google fragen

Ebenfalls ein beliebtes Mittel des Prokrastinierens: Googlen. Denn die Google-Falle hält so einiges für uns bereit. Was sind die abgefahrensten Studiengänge Deutschlands? Wenn ich jetzt auf Jobsuche wäre, welches Stellenangebot würde mich ansprechen? Wenn ich morgen spontan Urlaub und ein gefülltes Konto hätte, wohin würde ich reisen? Wer sich einmal in der Welt des Internets verloren hat, kommt so schnell nicht mehr heraus. Welche Musikalben wurden in den letzten Wochen veröffentlicht? Welche Schnäppchen könnten auf Ebay geshoppt werden? In welche Wohnung auf WG-Gesucht würde ich sofort einziehen, wenn ich jetzt auf Wohnungssuche wäre? Die Liste der Möglichkeiten ist endlos und die Zeitfalle entsprechend tief.

Socializing on fleek

Ablenkung auf vier Beinen

Ein weiterer Klassiker unter den Prokrastinationsarten ist und bleibt die Ablenkung. Und wer könnte uns besser ablenken, als unsere Liebsten? Ein Anruf der Oma, eine Sprachnachricht der besten Freundin oder einfach nur der Mitbewohner, der sich gerade in der Küche sein Mittagessen zubereitet schon schnappt die Falle zu. Das Phänomen des Verquatschens tritt ein. Und das paradoxe dabei: Nicht selten drehen sich die Gespräche sogar um das Thema der Prokrastination. Und wenn ihr es geschafft habt, allen sozialen Zeitfallen aus dem Weg zu gehen und schon ganz stolz auf euch seid, kommt eure Katze um die Ecke und verlangt eine ausgiebige Streicheleinheit. Wer könnte da Nein sagen…?

Austricksen vom Allerfeinsten

Die wohl höchste Form des Prokrastinierens ist die der Selbsttäuschung. In diesem Fall befassen sich die Betroffenen bereits mit der Thematik des Lernens und Prokrastinierens, allerdings nur in der Theorie, sodass die abzuarbeitenden Punkte am Ende dennoch unerledigt bleiben. Das können zum Beispiel Videos zum Thema Produktivität, zur Psychologie des Prokrastinierens oder Tipps für bessere Konzentration sein. Oder es werden Texte gelesen, die zwar zum Studienfach gehören, jedoch nichts mit der zu erledigenden Aufgabe zu tun haben. Diese Art des Prokrastinierens ist besonders tückisch, da es sich durch seine thematische Nähe zum Lernen sehr produktiv anfühlt, jedoch nichts zur Bewältigung der Aufgaben beiträgt.

Flucht aus dem Hamsterrad

Ruhe bewahren und Fokus behalten im Kampf gegen die Prokrastination

Wir haben unsere Redaktion auch dazu befragt, welche Methoden sie anwenden, um sich aus dem Hamsterrad der Aufschieberitis zu befreien. Dabei wurde unter anderem die Pomodoro-Methode vorgestellt: Dabei wird die Lerneinheit in zeitliche Abschnitte von 25min eingeteilt. Es folgt eine Pause von 5 Minuten, ehe wieder für 25 Minuten gearbeitet wird. Diese Abfolge kann bis zu 4 Mal wiederholt werden, bevor eine längere Pause gemacht werden sollte. Die zeitlichen Einteilungen können individuell angepasst werden. Wichtig ist nur, dass die einzelnen Lerneinheiten nicht zu lange andauern, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Diese Methode erleichtert vor allem den Beginn einer Lernphase, wenn der Berg der zu bewältigenden Aufgaben unüberwindbar scheint. Die Aufgaben werden step by step erledigt, ohne dass sich ein Gefühl der vollkommenen Überforderung einstellen kann. Hierbei kann auch sehr behilflich sein, sich eine detaillierte To-Do-Liste zu schreiben, die  nach und nach abgehakt wird.
Ein weiterer Tipp aus unserer Redaktion: Nicht von zu Hause aus lernen. Die Versuchung, etwas anderes zuerst zu erledigen ist in den eigenen vier Wänden deutlich größer, als außerhalb der Wohnung. In der UB fehlt nicht nur die Versuchung des Haushalts oder der magische Sog des eigenen Bettes, es herrscht zudem eine sehr konzentrierte Atmosphäre, die sich auf die eigenen Stimmung überträgt. 
Ebenfalls ein Tipp, der sich immer wieder bewährt: Handy ausschalten. Jede Nachricht, jeder Newsaltert, sogar die Anfrage für ein Update reißen uns aus unserem Arbeitsflow heraus. Ist das Handy erstmal entsperrt, ist die Verlockung nur allzu groß, gleich noch ein paar andere Dinge zu erledigen, bevor wir es wieder aus der Hand legen. Unsere klare Empfehlung lautet demnach: Handy auf stumm schalten, bzw. den Flugmodus aktivieren und dann am besten außerhalb der Sichtweite ablegen. 

Übung macht den*die Meister*in

Lasst euch nicht entmutigen, sollte es nicht auf Anhieb klappen. Wie so vieles im Leben ist auch die Abgewöhnung des Prokrastinierens eine Übungsfrage, die mit jeder Lernphase besser wird.

Wohlfühlorte eignen sich ideal für einen Moment der Selbstreflexion

Unser Tipp, wenn ihr das nächste Mal Gefahr lauft, in den Proktastinationsmodus zu fallen: Schnappt euch ein Notizbuch und setz euch an einen Ort, an dem ihr noch nicht gewesen seid. Reflektiert, warum ihr prokrastiniert und schon habt ihr aus dem Prokrastinieren Produktivität geschaffen. Und eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Ihr seid nicht allein damit! 
Dieser Artikel hätte beispielsweise schon letzten Sonntag erscheinen sollen… 😉

Auf einen Blick:
Die Prokrastinationsmethoden der Kupferblau

Für die bessere Übersicht hier noch einmal alle Arten der Prokrastination unserer Redakteur*innen:

  • Für die Kupferblau schreiben
  • Im Bett “lernen”
  • Schlafen
  • Kochen
  • Kuchen backen
  • Haushalt: Staubsaugen, Abspülen, Küchengrundreinigung
  • Bücher lesen
  • Netflix schauen
  • Mit den Mitbewohner*innen verquatschen
  • Telefonieren
  • Drei ??? durchhören
  • Stricken
  • Brot backen 
  • Videos zur Psychologie des Proktastinierens anschauen
  • Katzenvideos auf Insta anschauen
  • Musik hören
  • WG-Gesucht-Anzeigen nach der schönsten Wohnung durchforsten
  • Das nächste Urlaubsziel raussuchen
  • Geschenkideen für die Liebsten suchen
  • Memes und Sticker für Whatsapp erstellen
  • Produktivitätsvideos ansehen
  • Ebay-Kleinanzeigen durchstöbern
  • Whatsapp-Nachrichten beantworten
  • Literatur passend zum Studium lesen, aber nicht die eigentlichen Texte
  • Nach alternativen Studiengängen suchen
  • Jobangebote googlen
  • Sport machen





Titelbild:
pixabay.com: xaviandrew 
Weitere Fotos:
Alina Maurer
Sophie Noel
Jasmin Tran
Julia Gonser
Daniel Böckle
Lars Krause

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