Präsenzlehre – eine (Zwischen-)Bilanz

Das Jahr ist noch nicht sehr alt, die Themen sind noch immer dieselben: Das böse C-Wort und damit auch die immer kreativeren Lehrmethoden an der Universität. Nach drei Semestern im „Homestudying“ gibt es seit diesem Semester endlich wieder Präsenzlehre. Oder doch nicht?
Ein Kommentar unseres Redakteurs

Das Thema ist irgendwie schon ziemlich ausgelutscht. Seit drei Semestern wird in Politik, Gesellschaft und an der Uni die Rückkehr der Normalität herbeigesehnt und herbeibeschworen. Das griechische Alphabet scheint davon jedoch nicht sehr beeindruckt zu sein. Am Ende der Semesterferien kam dann der erste Lichtblick: Es dürfen Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden. Kurze Zeit darauf dann auch das ausgeklügelte System: Die Lehrenden würfeln aus, wen sie kontrollieren und wen nicht. Genial. Kurz vor der ersten Veranstaltung dann die Änderung der Coronaregeln. Die lang geplanten Veranstaltungen müssen in andere Räume verlegt werden, wenn sie überhaupt noch in Präsenz stattfinden dürfen. Auch das scheint wahllos ausgewürfelt zu sein. Es wirkt, als hätte die Universität Flaschendrehen gespielt: Wenn der Dekan deines Studiengangs zufälligerweise ausgewählt wurde, dann darfst du den weiten Weg zur Uni auf dich nehmen. Dort kannst du dann einmal pro Stunde bei weit aufgerissenen Fenstern frieren, statt mit einer warmen Tasse Kaffee in deinem Bett zu sitzen und dabei auf einem Sozialen Netzwerk deiner Wahl die Vorlesung zu ignorieren.

Was beim Ausrufen der Präsenzlehre auch nicht bedacht wurde: Seit drei Semestern war es für Studierende nicht notwendig nach Tübingen zu ziehen. Der Wohnungsmarkt in Tübingen war schon vor Corona hart, aber jetzt ist er um einiges härter. Die Studierenden, die während Corona wieder zu den Eltern gezogen sind und drei Kohorten Erstsemester suchen verzweifelt Wohnmöglichkeiten in Universitätsnähe. Vielleicht sind ja die Professorinnen und Professoren bereit, einige ihrer Protegés bei sich aufzunehmen, damit sie endlich wieder in leere Gesichter statt auf graue Kacheln starren dürfen.

Ein Hin und Her

Die wenigsten Studiengänge haben ausschließlich Präsenzveranstaltungen. Viele haben noch immer nur Onlineveranstaltungen, oft sogar asynchron. Immerhin ein paar Studiengänge haben es geschafft, ein gut funktionierendes Hybridsystem auf die Beine zu stellen. Die meisten Studierenden wechseln allerdings zwischen Online- und Präsenzveranstaltungen. Da wäre es doch geradezu genial, viele ruhige Arbeitsplätze zu haben, an denen man in der Nähe der vereinzelten Präsenzveranstaltungen die vorige oder nachfolgende Onlineveranstaltung besuchen könnte. Das kann man? In der Mensa in der Shedhalle? Nein!  Also doch, man hätte gekonnt, wenn man es gewusst hätte. Leider folgt wohl nicht jeder dem Studierendenwerk und der Universität Tübingen auf Instagram. Immerhin haben es alle mitbekommen, als das Ende dieses Angebots in einer Mail der Hochschulkommunikation Mitte Dezember wieder eingestampft wurde. Es wurde nicht gut angenommen. Schade! (Anm. d. Red.: Es gibt noch „Zoom“ Arbeitsplätze in der Universitätsbibliothek)

Ein Instagram-Post der Universität Tübingen

Eine gute Sache hat dieses ganze Verwirrspiel der Universität: Das Programm BeTaBalance vom Hochschulsport gibt es jetzt für alle automatisch dazu, die keinen Arbeitsplatz gefunden haben und von Online- zu Präsenzveranstaltungen sprinten müssen.


Spaß bei Seite:
Liebe Universität, es ist in diesen Zeiten für uns alle schwierig zu planen, aber wir Studierenden (und auch die Beschäftigten der Universität) wären sehr dankbar für ein bisschen mehr Struktur und Transparenz.

 

 

Titelbild: Unsplash.com
Foto: Instagram – Universität Tübingen

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