Politischer Jahresrückblick

Das Jahr 2021 begann hoffnungsfroh und endet in enttäuschter Corona-Müdigkeit. Doch immerhin konnten wir in diesem Jahr die Uni wenigstens ein paar Mal von innen sehen. Wir konnten uns mit Familienmitgliedern oder Freund*innen wegen der Maßnahmen zerstreiten (Querdenker im eigenen Umfeld – was tun?) – oder alternativ wegen der zahlreichen Wahlen, die stattfanden (wobei über der Bundestagswahl vermutlich mehr Freundschaften zerbrachen als über der Wahl des Tübinger Studierendenrats). In politischer Hinsicht war es ein aufregendes Jahr. In diesem Artikel wird euch ein Rückblick auf die Höhepunkte präsentiert.

Landtagswahl

BAföG, ÖPNV, LGBT, und was sonst noch wichtig für Studierende ist… Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sprach die Kupferblau mit den Kandidat*innen des Wahlkreises Tübingen, und berichtete hier darüber, was diese im Parlament für Studierende erreichen wollen.

Die Grünen konnten die Wahl mit 32,6% der Stimmen für sich gewinnen. Die CDU verzeichnete mit 24,1% ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis; schaffte es aber mit großen Vorsprung auf Platz zwei. Ebenfalls in den Landtag zogen die SPD, FDP und AfD ein. Obwohl eine Ampelkoalition auf Landesebene möglich gewesen wäre, entschieden sich CDU und die Grünen dafür, ihre Koalition fortzuführen.

Wir haben den Koalitionsvertrag der beiden Parteien gelesen und hier besprochen, welche Forderungen es auch hinein geschafft haben. Während studentische Mitbestimmung eher unter den Tisch fiel und die Forschung vor allem innovativer werden soll, wurden ein “Sofort-Programm Klimaschutz” und einige Maßnahmen zur Gleichstellung beschlossen. Wie wirkungsvoll diese sind, wird in den kommenden Jahren zu beurteilen sein.

StuRa

Obwohl Anfang 2021 zum ersten Mal der neu gewählte Studierendenrat tagte, fanden Mitte des Jahres schon wieder StuRa-Wahlen statt (Der Grund: Die StuRa-Wahlen 2020 wurden wegen der Corona-Pandemie verschoben, und statt im Sommer im Dezember 2020 statt). Bei der diesjährigen Wahl hat die Kupferblau die Hochschulgruppen zur Präsenzlehre und zu den Aufgaben des StuRa befragt, und euch Steckbriefe zusammengestellt. Außerdem haben wir über zahlreiche Sitzungen des Studierendenrats berichtet – hier könnt ihr einen Einblick von innen erhalten.

Stadtbahn

Ein jahrelanger Streit wurde am 26. September vorerst beigelegt: In einem Bürger*innenentscheid stimmten 57,39 Prozent der Beteiligten gegen den Bau der Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn. Mehrere Bürger*inneninitiativen hatten zuvor in erbitterten Debatten versucht, die Bevölkerung von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Was genau sich hinter dem Projekt verbirgt und welche Argumente ausgetauscht wurden, könnt ihr hier nachlesen.

So hätte eine Straßenbahn durch Tübingen aussehen können.

Bundestagswahl

Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl gab es sehr viel mehr zu besprechen als nur die Frage, welche Partei man am besten wählen sollte. Einige Wochen lang waren führende Politiker*innen und die Vor- und Nachteile der Grünen, Linken oder FDP das erhitzte Gesprächsthema auf jeder studentischen Party. Der Bundestag betrifft uns auf persönlicher Ebene. Wir fragen uns, wann es vor unser eigenen Haustür nach legalem Grün riechen wird. Oder ob der Umgang mit den neuen Minister*innen eigentlich sexistisch ist. Die Kupferblau hat die Bundestagswahl für euch sogar aus der Perspektive einer Wahlhelferin beleuchtet.

Queere Woche in Tübingen

Die queere Woche in Tübingen wurde am 22. Oktober von einem Auftritt Maren Kroymanns eingeleitet, und am 30. Oktober mit einer Christopher Street Day Parade gekrönt. 2500 Teilnehmer*innen gingen auf die Straße, um die Vielfalt von Geschlechtern, Sexualitäten und Lebenskonzepten zu zelebrieren. Organisiert wurde das farbenfrohe Fest von dem neu gegründeten “CSD Tübingen e.V.”, und gefördert von der AIDS-Hilfe Tübingen-Reutlingen und der Universitätsstadt Tübingen. Gerade vor dem Hintergrund der in Polen zunehmenden Queerfeindlichkeit gewann ein solcher Demozug, der sich Räume nimmt, die LGBT-Menschen so lange verwehrt blieben, an Bedeutung. Doch obwohl der CSD das Highlight der queeren Woche war, war er lange nicht die einzige Veranstaltung: In Tübingen fand ein reger Austausch statt, beispielsweise über die Verankerung queerer Rechte in der kommunalen Politik.

Das Jahr 2021 bot auch Momente des Zusammenhalts – beispielsweise die Christopher Street Day Parade im Oktober.

Rückkehr zur Präsenzuni

Ein Kribbeln im Bauch – für viele von uns fühlt es sich an wie der erste Schultag. Für die Erst-, Zweit und Drittsemester ist es das ja auch wirklich irgendwie. Sie erleben zum ersten Mal Präsenzuni. Studierende aus den höheren Semestern kehren nach anderthalb Jahren – geprägt von Zoom-Seminaren und Vorlesungen im Schlafanzug – an die Uni zurück. Doch die Schrecken der digitalen Lehre haben ihre Spuren hinterlassen und viele von uns hinterfragen die Art und Weise, wie wir lehren und lernen möchten.

Nun sind wir mit erneuten harten Maßnahmen konfrontiert – und mit der Frage, ob die Präsenzlehre im Jahr 2022 fortgesetzt werden wird, und wie viel Studierende in der Politik und in der Gesellschaft zählen.

Wir werden euch auch wieder im nächsten Jahr auf dem Laufenden halten und über alles Wichtige rund um Tübingen und das Studierendenleben  berichten. Aktuell, relevant und abwechslungsreich sind wir immer nur einen Klick von euch entfernt. 

Ihr seid einfach die besten Leser*innen – es ist eine Freude für euch zu schreiben.
Eure Kupferblau

Foto für Beitragsbild: Thomas Dinges; Collage: Klarissa Kollatsch

Foto Stadtbahn: JA zur StadtBahn!

Foto CSD: Hagen Wagner und Jonas Holsten

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