“Wenn du Hunger hast, trink ein Glas Wasser” – Eine Woche Intervallfasten

In den Semesterferien die Füße hochlegen? Nicht mit der Kupferblau! Wir wollen über uns hinauswachsen! Deshalb haben wir uns spannende Herausforderungen ausgedacht, die wir euch jede Woche an unserem Motivation-Monday präsentieren!

Challenge 10: Stundenlang auf Nahrung verzichten, damit sich der Körper selbst reparieren kann. Dies ist das Prinzip von Intervallfasten. Der menschliche Stoffwechsel ist seit Urzeiten auf Fastenphasen eingestellt. Da den meisten von uns heutzutage ständig Nahrung zur Verfügung steht, haben wir uns einen anderen Rhythmus angewöhnt. Für unsere Challenge-Wochen darf ich eine Woche lang 16 Stunden des Tages auf Essen verzichten.

Im ersten Semester hat mir eine Freundin ein Buch über das Intervallfasten geliehen. Wir waren beide begeistert von den vielversprechenden Vorteilen und haben das Konzept direkt ausprobiert. Da es in der Steinzeit keine prall gefüllten Kühlschränke gab und man sich morgens erst mal sein Frühstück jagen oder sammeln musste, ist unser Körper theoretisch sowieso auf gelegentliche Fastenphasen programmiert.

Abnehmen statt Diabetes: Vorteile des Fastens

Wenn wir ein paar Stunden auf Nahrung verzichten, startet der Körper einen Prozess namens Autophagie. Eine Art Recyclingprozess, bei dem sich unsere Zellen säubern und kaputte Zellen repariert werden. Dadurch soll sich der Zucker- und Fettstoffwechsel verbessern, entzündungshemmende Stoffe ausgeschüttet und gezielt das ungesunde Bauchfett abgebaut werden. Beim dauerhaften Intervallfasten werden Zivilisationskrankheiten wie Diabetes vermieden und nebenbei auch noch ein paar überflüssige Kilos verloren.

So toll dies auch klingt – es ist gar nicht so leicht, wie es scheint. Ich habe das Projekt damals schnell wieder abgebrochen, weil es nicht in meinen Alltag gepasst hat. Doch dieses Mal will ich es wirklich durchziehen.

Beim Intervallfasten gibt es verschiedene Methoden. Bei manchen wird ganze Tage lang nichts gegessen, manche begrenzen sich auf einige Stunden. Ich entscheide mich für die 16:8-Methode. Das bedeutet: 16 Stunden lang auf Nahrung verzichten und in den folgenden 8 Stunden normal essen. In der Fastenphase darf nur Flüssigkeit aufgenommen werden. Man soll viel Wasser trinken. Ungesüßte Tees sowie Kaffee gegen das Hungergefühl sind auch erlaubt. Andere Getränke wie Milch oder Alkohol haben zu viele Kalorien und sind deshalb tabu.

Fasten vs. Tapas essen

Für die Challenge werde ich jetzt also von 0 auf 100 in das Fasten einsteigen. Eigentlich ist es nicht ratsam, so überstürzt damit anzufangen, sondern sich lieber Schritt für Schritt an die Veränderung zu gewöhnen. Aber dafür ist in einer Woche keine Zeit und vorausschauende Planung ist leider nicht meine Stärke.

Bei der Vorbereitung gibt es einige Dinge zu beachten: Ich bin diesen Winter für ein Erasmus-Semester in Spanien. Das Semester beginnt hier schon Mitte September. Deshalb bin ich schon mitten im Uni-Alltag. Da die Vorlesungen hier in Präsenz stattfinden und ich kaum Pausen zwischendurch habe, überlege ich mir, die erste Mahlzeit des Tages auf nach der Uni zu verschieben.

Die größte Herausforderung nämlich besteht darin, die Challenge auf meinen spanischen Rhythmus anzupassen. Hier wird generell später zu Abend gegessen als in Deutschland. Meist treffen wir uns gegen 21 Uhr und ziehen dann durch die ein oder andere Tapas-Bar. Aber gut, dann werde ich eben diese Woche früher zu Abend essen. Der nächste kritische Punkt: Alkohol – der eigentlich während der Fastenphase verboten ist. Ich möchte nicht darauf verzichten, abends mit meinen neu gewonnenen Freunden ein Bierchen oder einen Wein zu trinken oder durch die Clubs zu ziehen. Also beschließe ich, Alkohol aus meiner Challenge auszuklammern und diese nur aufs Essen zu beschränken.

Ein Tisch voll mit leckeren Tapas – aber nur vor 21 Uhr.

Mit Fasten-App und Kaffee durch die Challenge

Ich starte sonntags mit einem sehr späten Frühstück und installiere mir motiviert eine der zahlreichen Fasten-Apps im Playstore, die anzeigen, wie lange man noch fasten soll und in welcher Stoffwechselphase sich der Körper gerade befindet. Ich cheate direkt in der ersten Nacht, als mir eine Freundin ein paar Kekse anbietet und ich total vergesse, dass ich eigentlich eine Challenge begonnen habe. Naja, ich deklariere diesen Vorfall als Anfänger-Fehler.

Die folgenden Tage habe ich jeweils ab 9 Uhr Uni und benötige in den letzten Vorlesungen des Tages einige Willenskraft und Kaffee, um meinen Hunger zu ignorieren. Manchmal scrolle ich mich währenddessen durch Foodblogs und überlege mir, was ich mir zum Mittagessen gönne. Weil ich nach der Uni immer eine Siesta einlege, schaffe ich es, meine erste Mahlzeit erst um 15 Uhr einzunehmen.

So weit, so gut. Doch dann folgt der große Fehler: Typisch Erasmus-klischeehaft gehen wir spontan mittwochs feiern und ich vergesse nach einigen Drinks erneut meine Challenge. Als wir uns am frühen Morgen ein Tortilla-Sandwich genehmigen, fällt mir erst danach auf, dass ich kläglich gescheitert bin.

Die nächsten Tage verlaufen jedoch wie geschmiert und ich entwickle eine Art Fasten-Rhythmus für mich: Das Frühstück lasse ich ausfallen, esse spät zu Mittag und gegen 21 Uhr noch mal eine große Mahlzeit.

Fazit: Super, aber mir fehlt mein Frühstück

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass der Zeitraum von einer Woche viel zu kurz ist, um irgendwelche aussagekräftigen Schlüsse aus meiner Challenge zu ziehen.

Trotzdem habe ich einige Dinge bemerkt: Ich habe die Mahlzeiten bewusster wahrgenommen und das Essen mehr wertgeschätzt. Außerdem hatte ich weniger Hunger sowie weniger Lust auf süße und ungesunde Lebensmittel. Somit hat das Intervallfasten meinen Alltag bereichert, aber auch eingeschränkt, weil ich mein Leben komplett nach den strengen Fastenzeiten gerichtet habe und beispielsweise keine sportlichen Aktivitäten während des Fastens machen konnte (mein Körper hatte nicht genug Energie).

Für mich bestand ein großer Vorteil darin, dass ich mir eine ganze Mahlzeit am Tag gespart habe, weniger einkaufen und kochen musste und gerade morgens mehr Zeit hatte. Anderseits liebe ich es, zu frühstücken und fand es schade, dass diese Mahlzeit weggefallen ist.

Alles in allem bin ich ziemlich erstaunt, wie schnell sich mein Körper an das Fasten gewöhnt hat. Für mich hat es überraschend gut funktioniert, den ganzen Vormittag nichts zu essen und mich trotz leeren Magens zu konzentrieren. Ich hatte sogar oft das Gefühl, gerade deshalb klarer denken zu können.

Ehrlich gesagt hat mich diese Woche so begeistert, dass ich mit dem Gedanken spiele, das Intervallfasten weiterzuführen.

Fotos: Muriel Brummer

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