Life in Plastic, It’s fantastic?

In den Semesterferien die Füße hochlegen? Nicht mit der Kupferblau! Wir wollen über uns hinauswachsen! Deshalb haben wir uns spannende Herausforderungen ausgedacht, die wir euch jede Woche an unserem Motivation-Monday präsentieren!

Challenge 6: „Life in plastic, it’s fantastic“ singt Aqua bereits 1997 in ihrem Hitsong “Barbie Girl”. Dass Plastik gar nicht so „fantastic“ ist, sollte inzwischen jedem klar sein. Aber wie schwer es ist, darauf zu verzichten, das ist mir erst seit meiner „Kein-Plastik“ Challenge klar.

Als ersten Schritt recherchierte ich, in welchen Produkten Plastik drin ist, ohne dass wir es wissen. Auf der schockierenden Liste stehen nicht nur offensichtliche Dinge, sondern auch Kaffeefilter (ja, die aus Papier), Backpapier, Mineralwasser, Zahnpasta, Lippenstifte, Tafelsalz und vieles mehr. Dabei ist nicht von der Verpackung die Rede- das ist nochmal ein anderes Thema- sondern von dem Produkt an sich. Mikroplastik ist inzwischen allgegenwärtig. Laut neuen Studien isst jede*r von uns 5 Gramm Plastik in der Woche. Das entspricht ungefähr dem Gewicht einer Kreditkarte. Klingt eklig- ist aber leider so.

Sogar die Kassenbons an der Supermarktkasse sind mit einer dünnen Schicht Plastik überzogen, da es sich dabei um Thermopapier handelt. Als kleine Rebellion lehne ich seitdem immer Kassenbons ab. Gedruckt und entsorgt werden sie trotzdem.

Da ich weiter Zähne putzen, Haare bürsten und mit dem Internet verbunden sein wollte, habe ich mich dazu entschieden nur den Kauf von neuem Plastik in meine Challenge zu integrieren. Schon dabei wurde mir bewusst, wie omnipräsent das unscheinbare Material in unserer modernen Welt ist.

 

Mein Einkauf im Unverpacktladen

Unverpackter Anfang

Zugegebenermaßen habe ich mir für den Start meiner Challenge eine denkbar schlechte Woche ausgesucht. Es war Monatsende und mein Vermögen beschränkte sich auf einen Kontostand von minus 27 und einem Barvermögen von 35 Euro. Deshalb habe ich am ersten Tag meiner Challenge von Resten gelebt. Das Einzige was ich mir gegönnt habe, waren zwei Brötchen vom Bäcker- die immerhin in einer Papiertüte verpackt waren. Theoretisch habe ich am ersten Tag also schon mal ordentlich vorgelegt.

Als am Dienstag dann endlich mein Konto wieder gedeckt war, bin ich voller Elan und Eifer einkaufen gegangen. Mein erster Stopp war der Marktstand vorm Nonnenhaus. Dort versorgte ich mich mit Gemüse. Danach bin ich weiter in den Unverpacktladen „Speicher“ und war sehr angenehm überrascht. Die Preise waren lang nicht so hoch wie erwartet und die Mitarbeiter*innen sehr freundlich. Außerdem gibt es zwischen Dienstag und Donnerstag von 15-17 Uhr sogar Rabatt für Studierende. Was mir besonders gefallen hat, war, dass die Spaghetti statt durch Plastik, mit einem kleinen weißen Bindfaden zusammengehalten wurden.

Am Tag darauf traf ich mich mit einer Freundin zum Mittagessen. Wir holten uns zusammen was vom Esszimmer und setzen uns damit in den Bota. Da ich mein Besteck selbst mitgebracht, und auf den Deckel, der normalerweise bei einer To-Go Bestellung dabei ist, verzichtet hab, fiel es mir auch hier relativ leicht auf Plastik zu verzichten. Es machte mir sogar Spaß, mir Wege auszudenken, Einweg Plastik zu vermeiden. Statt das Besteck in einer Tüte mitzunehmen, hab ich es in eine SodaStream Flasche gesteckt und so ein wieder verwendbares System entdeckt, da meine normalen Tupperdosen zu klein waren.

Ich muss zugeben, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt der Challenge wie die absolute Überfliegerin vorkam. Plastik,, wer braucht das schon? Ich steh über dem brennenden Berg aus Müll!

Allerdings kommt nach so einem Höhenflug stets ein Tiefer Fall. Und so begann in meinem Fall das große Schummeln.

Das große Schummeln

Auf Plastik zu verzichten, ist schön und gut, wenn man alleine einkaufen geht und sich dann seine Bind-faden-Spaghetti mit der Tomatensoße aus der Glasflasche zubereitet. Allerdings habe ich meine Challenge mitten in der WM gestartet und auch wenn ich kein Fußballfan bin, finde ich es trotzdem schön sich mit Freund*innen zusammen zu setzen, Bier zu trinken und so zu tun als würde man verstehen, wo die Faszination liegt, wenn sich ein paar Männer für 90 Minuten einen Ball zu kicken. Das Problem daran war, dass wir gemeinsam vorher einkaufen waren und es Tiefkühlkroketten und Chips gab. Beides natürlich in Plastik verpackt. In einer sehr dunklen Grauzone ließ ich also den Einkauf von jemand anderem bezahlen und zahlte dann später meinen Anteil zurück. Schulden zurückzahlen ist schließlich nicht Plastik kaufen.

Allerdings muss ich zu meiner Schande gestehen, dass das nicht der einzige Fall war, in dem ich diesen supergenialen Trick angewendet habe. Was anfing als Ausnahme, wurde schnell zur Regel. Sogar nach einer Woche haben mich die Freund*innen, mit denen ich was unternommen habe schon auf meine Scheinheiligkeit aufmerksam gemacht. Plastikverzicht stellte sich dann doch als noch viel schwerer als erwartet heraus.

Ein normaler Einkauf nach der Challenge (Die Aufkleber auf dem Obst enthalten übrigens auch Plastik, genauso wie Tetrapaks)

Das Ende vom Anfang einer Änderung

Mein Fazit der Challenge ist also, dass ich kläglich versagt habe. Zu meiner Verteidigung ist es nach meinem Versuch und meiner Recherche unmöglich komplett auf Plastik zu verzichten, ohne sich auf eine Weise aus der Gesellschaft auszuklinken, die für die meisten nicht in Frage kommt. Es erfordert ein Maß an Arbeit, Dedikation und Geld, das ich als Studentin gerade nicht in der Lage bin aufzubringen.  Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich durch die Challenge mehr darauf achte, weniger Plastik zu konsumieren. Ich kann jeder*m nur empfehlen, den Versuch selbst zu wagen. Auch wenn ihr genauso versagen solltet wie ich- jedes Stück Plastik weniger ist ein Gewinn für uns alle.

Ein Haufen Müll.

Fotos: Ronja Hornik

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