Die letzte Liegestütze war eine zu viel… sagt mein Muskelkater.

In den Semesterferien die Füße hochlegen? Nicht mit der Kupferblau! Wir wollen über uns hinauswachsen! Deshalb haben wir uns spannende Herausforderungen ausgedacht, die wir euch jede Woche an unserem Motivation-Monday präsentieren!
Challenge 1: Jeden Tag Sport – ob das geht? Was die Challenge aus unserer Redakteurin gemacht hat, die sich sonst hauptberuflich als Couch-Potato bezeichnet, könnt ihr hier lesen.

Aller Anfang ist schwer…

Mein Wecker klingelt um halb neun – und wird sofort gesnoozed. Ich weiß, was diese Woche auf mich zukommt: Seminare, Prüfungsvorbereitung und nebenher auch noch jeden Tag Sport machen. Motivation sieht anders aus. Warum hatte ich mich noch gleich dazu bereit erklärt? Naja, ist jetzt egal, denkt sich mein Sturkopf, das wird jetzt durchgezogen. Und eigentlich bin ich ja auch nicht sooo unsportlich. Pamela-Reif-Workouts machen mir nach dem Lockdown sogar fast Spaß und Yoga gehört auch schon länger zu meiner Routine. Ein bisschen mehr davon zu machen, wird schon nicht so schwierig sein.

Man lernt erst bei den Planks, wie lang eine Minute sein kann…

Weit gefehlt. ‚Ein bisschen mehr davon‘ war mir natürlich zu langweilig. Die Challenge sollte ja auch nicht zu einfach sein. Das bedeutete in meinem Fall, dass ich jeden Tag eine andere Sportart ausprobieren wollte. ‚Damit ich nicht immer dieselben Muskelgruppen benutze‘, sagte ich mir. Als hätte ich irgendwie Ahnung vom Thema.

Jedenfalls war am Montag erst einmal Yoga dran. Das war ich gewohnt, aber am Ende waren die vierzig Minuten doch überraschend anstrengend, und gegen Abend spürte ich bereits meine Beine. Bis zum nächsten Morgen hatte sich dies zu einem mittelstarken Muskelkater entwickelt, aber der war schnell vergessen, als es um die nächste – und für mich wirklich spannende – Challenge ging: das Fitnessstudio. Freunde von mir schwören darauf, aber ich habe bis dato einen großen Bogen darum gemacht. Jetzt bot es sich jedoch an, es einmal auszuprobieren. Das Studio war an einem Dienstagmittag während der Prüfungsphase zum Glück recht leer, und ich hatte zwei Freunde dabei, die mir die verschiedenen Geräte erklärten – was ich sehr nötig hatte. Mit seinen drei Stockwerken war das Studio größer als erwartet, und hinter jeder Tür warteten neue mysteriöse Foltergerätschaften auf mich: seltsame Stahlmonster mit klebrigen Schaumstoff-Zungen und Kabeln überall, kalte Arme aus Metall, und über allem der Geruch von Gummiboden und der Beat von Hip-Hop-Mucke. Ich fühlte mich wie ein gestrandeter Fisch in dieser Umgebung, doch meine Begleiter waren zum Glück geduldig mit mir. Die Brustpressemaschine wurde mir erklärt, der Butterfly, die Kabelkreuzung und einige andere, deren Namen ich schon wieder verdrängt habe.

… und der Tag danach ist schlimmer.

Beine standen nicht auf unserem Plan, was mich in dem Moment ein bisschen enttäuschte. Am nächsten Tag war ich aber froh darüber, als ich aufstand und merkte, dass meine Arme leider nicht mehr funktionierten. Tja, dat war’s jetzt wohl, dachte ich mir, als ich unter größten Schmerzen mein Müsli Löffelchen für Löffelchen verspeiste. Für Mittwoch war Joggen angesetzt, das konnte ich knicken. Kleinlaut wollte ich meinen Mitbewohnern beichten, dass meine Challenge vielleicht doch etwas kurz ausfallen würde. Ich hatte schon das schlaue Wort ‚Übertraining‘ auf der Zunge, das ich gestern gelernt hatte, doch die anderen wollten nichts davon hören. Schließlich gab ich mich geschlagen und kam dann doch mit, aber ich bestand auf die kleine Runde ums Freibad.

Nie in meinem Leben war joggen so schrecklich gewesen. Ich bin von Natur aus keine krasse Läuferin, aber der Tag war ein ganz anderes Kaliber. Trotzdem will ich meinen Erfolg nicht kleinreden: ich habe es tatsächlich geschafft und bekam sogar noch einen Shot von der WG spendiert! So sehr Alkohol direkt vor oder nach dem Sport auch verpönt ist – mir hat’s den Abend gerettet. Naja, der Shot und Pferdesalbe. Pferdesalbe ist toll. Ich würde drin baden, wenn ich könnte. (#notsponsored)

Irgendwann wird es leichter.

Am nächsten Tag war auch mein Muskelkater nicht mehr so schlimm und ich konnte wie geplant an meiner Ballettstunde teilnehmen, auf die ich mich schon die ganze Woche gefreut hatte. Worauf ich nicht vorbereitet war, war der Umstand, dass der Lehrer ein paar hundert Kilometer entfernt in Hamburg saß und den Unterricht über Zoom abhielt. Das heißt: Zehn Tänzer*innen standen an ihren Stangen, während Orkans Stimme aus den Lautsprechern schallte und uns die Schritte ansagte. Eine witzige Stunde, die am Ende wohl eher mental als körperlich anstrengend war.

Nun war ich schon fast am Wochenende angekommen, das ich mir nach den Strapazen von Dienstag freigesprochen hatte. Und passend dazu war auch meine freitagabendliche Aktivität: Flunkyball. Ja ja, sicher verdrehen einige von euch jetzt schmunzelnd die Augen. Aber Flunkyball ist eine anerkannte Sportart und ich verbitte mir jegliche Anschuldigungen von Faulheit! Obwohl ich schon sagen muss, dass ich dabei nicht so sehr ins Schwitzen gekommen bin wie an den anderen Tagen…

Und am Ende wächst man doch über sich hinaus

Im Großen und Ganzen habe ich allem voran gelernt, dass jeden Tag Sport machen eine wirklich, wirklich dumme Idee war. Das mache ich so schnell nicht wieder. Aber: Es hat mich neugierig gemacht. Vielleicht muss ich nicht jeden Tag eine neue Sportart ausprobieren, aber in größeren Abständen wäre das wohl gar nicht so verkehrt. Wer weiß, vielleicht melde ich mich ja doch noch im Fit- … doch nein, wir wollen hier ja nicht übermütig werden.

Fotos: Isabel H. Jarama

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