The Bullet Journal Method

Arbeiten gehen, Freunde treffen, Uniseminare wahrnehmen, Arztbesuche ausmachen, … Unser Alltag ist geprägt von Terminen. Während es manchen Menschen in den Genen zu liegen scheint, ihren Alltag zu strukturieren, fällt es anderen Menschen deutlich schwerer, den Überblick zu bewahren. Vor ein paar Jahren entwickelte Ryder Caroll ein Planungskonzept, um Menschen das Organisieren ihres Alltages zu erleichtern. Dieser Artikel ist all jenen gewidmet, die mit dem Thema Zeitmanagement auf Kriegsfuß stehen – es ist nie zu spät, es doch noch zu lernen.

Die Idee der Bullet Journal Methode könnte simpler nicht sein: Alles, was es dafür braucht, ist ein leeres Notizbuch und einen Stift. Sie geht auf den Gründer Ryder Caroll zurück. Da er immer schon Schwierigkeiten hatte, sich auf eine Sache zu konzentrieren, gewöhnte er sich an, seine Gedanken in einem Notizbuch festzuhalten. Als er in den 1990er-Jahren in die USA ans College ging, beschloss er, Ordnung in seine Notizbücher zu bringen, um seine Gedanken noch etwas mehr zu strukturieren. Das war die Geburtsstunde der Bullet Journal Methode. Über die Jahre etablierte sich ein System, mit dem Ryder Carroll den Überblick über seine Termine wahrte. Als er 2007 einer Freundin mit ihrer Hochzeit half, war diese begeistert von seiner Methode. Sie legte ihm nahe, an die Öffentlichkeit zu gehen und er gründete die Webseite bulletjournal.com, die innerhalb kurzer Zeit auf sämtlichen Kanälen verlinkt wurde. Das dort veröffentlichte Tutorial-Video hat mittlerweile bereits über 2,6 Mio Aufrufe erzielt.  

Wie funktioniert die Methode?

Das Bullet Journal, kurz BuJo, beinhaltet keine vorgedruckten Kalenderblätter, sondern wird nach Bedarf erweitert. Die Idee ist, sich mindestens einmal am Tag mit seiner Zeitplanung zu beschäftigen, um so keine Termine und Aufgaben mehr zu verpassen. Mithilfe sogenannter Logs werden die Jahre, Monate und Tage dargestellt.

  • Die Daily Log

In der Daily Log werden die Termine und Aufgaben mithilfe kleiner Punkte (bullets) notiert – daher hat die Methode auch ihren Namen. Alles, was am Ende des Tages noch nicht erledigt ist, wird mit einem Pfeilsymbol markiert und auf die Seite des nächsten Tages übertragen. Mithilfe verschiedener Zeichen, wie zum Beispiel Punkten, Kreisen und Spiegelstrichen, können Aufgaben, Termine und Notizen auf einen Blick voneinander unterschieden werden.

  • Die Monthly Log

In der Monthly Log, die am Monatsanfang erstellt wird, kann der*die Nutzer*in alle Termine und Aufgaben eintragen, die bereits bekannt sind. So ist auf einen Blick zu sehen, was im kommenden Monat anstehen wird. Einzelne Bullets können auch um ganze Monate verschoben werden, wenn die Erledigung nicht sofort erfolgen muss. Im Bullet Journal Slang ist dann von migration die Rede.

  • Die Future Log

In der Futur Log werden alle ausstehenden Monate des Jahres aufgeführt. Auch hier kann individuell entschieden werden, wie weit in die Zukunft die Futur Log reichen soll. Auf diese Weise ist es auch möglich, langfristige Termine zu notieren und besser planen zu können. Eine weitere Möglichkeit ist das Festlegen einer Seite, auf der listenartig die Termine eingetragen werden können, die über die gestaltete Futur Log hinausreichen. Auf diese Weise werden die Termine nicht vergessen und es kommt zu keiner Überschneidung.

Flexibilität und Individualität sind Stichworte, die in Bezug auf das BuJo genannt werden können. Durch die exakte Anpassung an die eigenen Bedürfnisse ist jedes Bujo auf seine Weise einzigartig

Die Bullet Journal-Community

Auch das Internet ist längst auf die Methode aufmerksam geworden. Nachdem der Ball erst einmal ins Rollen gekommen war, erweiterte sich die Community rasend schnell und hat sich mittlerweile auf sämtlichen Plattformen etabliert. Auf Instagram gibt es ganze Accounts, auf denen nur Bilder selbst gestalteter Bullet Journals veröffentlicht werden. Auf Youtube können Videos angeschaut werden, in denen sich Personen dabei filmen, wie sie die Layouts des zu planenden Monats erstellen. Unter dem Hashtag #BuJo können die Kunstwerke betrachtet werden. Der Begriff Kunstwerk ist hierbei nicht zufällig gewählt. Obwohl die Idee von Ryder Carroll eher einem sehr cleanen und schnörkellosen Konzept unterliegt und der Fokus auf die Effizienz der Zeitplanung liegt, hat sich die Bullet Journal Community in eine sehr kreative Richtung bewegt. In der Regel unterliegt der zu planende Monat einem Thema, das dann das Design der Seiten bestimmt. Eine Coverseite kündigt an, welcher Monat auf den folgenden Seiten geplant werden soll. Die Monats- und Wochenübersicht wird gleich für den ganzen Monat erstellt. Unter dem Hashtag #bulletjournaling posten die User*innen auf Instagram ihre frisch gestalteten Seiten. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Vor allem das sogenannte Handlettering ist sehr groß im Kurs. Obwohl sich Ryder Carroll nicht von dieser Entwicklung distanziert, äußert er Bedenken daran, da es impliziert, dass eine gewisse Kreativität und Zeitinvestition in Bezug auf die Bullet Journal Methode von Nöten ist, um sie richtig anzuwenden: „A lot of people are like, “I am not an artist,” or “I don’t have the time for that,” so I try to show them what they’re seeing is a very dressed up version of a methodology that’s actually very practical and minimal.“

Wie geht’s?

Um sich in die Methode hineinzufinden, bietet es sich an, erst einmal mit der Grundidee Ryder Carrolls zu starten. Diese beinhaltet eine Futurlog am Anfang des Buches, danach folgt die Monthly Log des Monats, der zu planen ist. Die Daily Logs werden immer am Vorabend oder am Morgen des abzuarbeitenden Tages erstellt. Wer mag, kann auch eine Weekly Log für die bevorstehende Woche anfertigen. Da die Monthly Log aber bereits eine sehr gute Übersicht darstellt, ist es nicht unbedingt notwendig. Mit der Zeit wird die Planung immer leichter von der Hand gehen, da mithilfe des BuJo Termine, Aufgaben und wichtige Notizen an einem Ort festgehalten werden. Die Angst, etwas Wichtiges zu vergessen, schwindet mit jedem Monat, der erfolgreich mithilfe der Bullet Journal Methode geplant wurde. Neben den gängigen Logs gibt es unendliche viele weitere Layout-Ideen, die notiert werden können. Vor allem Lebensgewohnheiten, die sich etablieren oder abgewöhnt werden sollen, können mit dem BuJo sehr gut getrackt werden, wie zum Beispiel mithilfe des sogenannte Habbit Tracker. Auch der Finanztracker ist ein beliebtes Layout aus der Community.

Ein Leben ohne Bujo…

…ist für mich mittlerweile unvorstellbar. Seit ich diese Methode für mich entdeckt habe, ist mein Leben deutlich organisierter. Ich habe weniger Angst, etwas Wichtiges zu vergessen und tue mir leichter damit, in einer sehr stressigen Phase – wie z.B. der kommenden Klausurenphase – die Übersicht über die Termine und Aufgaben zu behalten. Es braucht zwar etwas anfängliches Durchhaltevermögen, die Bullet Journal Methode konsequent anzuwenden, doch sobald sich eine Routine im Erstellen der Seiten eingestellt hat, macht sich die Wirkung der Bullet Journal Methode in sämtlichen Bereichen des Lebens bemerkbar – durch das Gefühl von Kontrolle und Leichtigkeit.

 

Fotos: Julia Gonser, Sinem Tuncer

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