Was, wenn diese Märchen wahr werden? – Eine Kupferblaue Rezension

„Once Upon a Time“: Die US-amerikanische Fantasy-Serie stellt all unsere Erwartungen an moderne Märchen auf den Kopf und setzt sie dennoch wunderschön zusammen. Sie ist ein Puzzle, zu dessen Lösung das Publikum von Anfang an eingeladen wird. Die von 2011 bis 2018 von ABC Studios produzierte Serie mit insgesamt sieben Staffeln ist ein Must-Watch für alle Märchenliebhaber*innen mit einer offenen Einstellung – und perfekt geeignet für die Klausurprokrastination.

Emma Swan, gespielt von der aus „How I met your Mother“ bekannten Schauspielerin und Regisseurin Jennifer Morrison, ist eine Kautionsagentin. Doch als an ihrem 28. Geburtstag ihr vor zehn Jahren zur geschlossenen Adoption aufgegebener Sohn an die Haustür klopft, ändert sich ihr Leben auf einmal komplett.

Der zehnjährige Henry, der zu jeder Zeit sein Märchenbuch bei sich trägt, ist der Grund, weshalb Emma das erste Mal einen Fuß in die verwunschene Parallelwelt der Kleinstadt Storybrooke setzt – eine Stadt, in der seit 28 Jahren die Zeit stehen geblieben ist und in der niemand die Stadtgrenze überschreiten kann, ohne, dass etwas Schreckliches geschieht. Es ist ein Ort, in dem Henry ausgerechnet der Adoptivsohn der Bürgermeisterin Regina ist, oder, wie Henry sie nennt, die Evil Queen.

Als Henry seiner Mutter Emma erzählt, dass all die klassischen Märchen wahr sind und Emma die Einzige ist, die diesen Fluch beenden kann, schüttelt diese nur lachend den Kopf. Während sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird und das erste Mal in ihrem Leben versucht Mutter zu sein, entfaltet sich eine ganz neue Geschichte, während eine alte noch voll und ganz präsent ist: 

Es war einmal eine böse Königin, die Prinz Charmings (Josh Dallas) und Snow Whites (Ginnifer Goodwin) Hochzeit unterbrach, die beide die wahre Liebe symbolisieren. Die von Lana Parilla hervorragend gespielte Evil Queen, die man aus deutschen Märchen auch als die böse Stiefmutter von Schneewittchen kennt, verbannt aus Rache mit einem Fluch alle aus dem magischen Wald in die Mitte der „echten“ Welt – und zwar nach Storybrooke in Connecticut. Es ist eine Welt, in der es kein märchenhaftes Happy End gibt, eine Welt, in der außer ihr niemand mehr weiß, wer er oder sie einmal war, eine Welt ohne Magie.

Ein Puzzle voller neuer Farben

Doch die von Adam Horowitz und Edward Kitsis produzierte Serie zeigt mehr als nur verirrte Märchencharakter in unserer Welt. „Once Upon A Time“ offenbart dem Publikum sowohl Einblicke in eine Märchenwelt voller Magie als auch in unsere gesellschaftliche Gegenwart, in der die Zeit nach 28 Jahren gerade erst wieder angefangen hat, zu schlagen. Eine Zeit, in der das Publikum erst einmal selbst herausfinden muss, wer welcher Charakter ist. Vor allem aber schafft die Erfolgsserie etwas, das den klassischen Märchen nicht gelungen ist: sie gibt den Charakteren Farbe.

„Once Upon A Time“ kreiert eine Welt, in der Böse nicht böse geboren wurden. Eine Welt, in der Rumpelstilzchen (Robert Carlyle) lieben kann und in der Snow White nicht einfach nur eine hilflose Prinzessin ist und in einem Glassarg auf ihren Prinz Charming wartet. Es ist eine Serie, in der das Publikum jeden bekannten Märchencharakter neu erfahren darf und die uns Einblicke in das tiefe Innere des Märchenwalds ermöglicht. Die Serie spannt Hintergrundstränge, um Märchen buchstäblich und metaphorisch in Farbe erscheinen zu lassen. All das immer unter dem Motto:

Evil isn´t born, it´s made! (Auf Deutsch: Das Böse wird nicht geboren, es ist gemacht!)

Gemeinsam mit Emma werden wir Zuschauer*innen eingeladen, das Puzzle einer nicht so perfekten Welt wieder zusammenzusetzen. Eine Welt, in der alles in Henrys Märchenbuch wahr ist und in der niemand davon weiß – so scheint es zumindest. Es ist eine Welt voller Liebe, Familie und Schmerz und die uns noch heute voll und ganz in ihren Bann ziehen kann.

Die Serie ist ein Remake, das sich an keine Regeln hält und unserer Kindheitsmärchen trotzdem perfekt wieder zum Leben erwachen lässt. Mit einem verhältnismäßig niedrigen Produktionsbudget sind sieben zauberhafte Staffeln entstanden, die sich für einen Serienmarathon durchaus lohnen – nicht nur in der Prokrastinationsphase vor den Klausuren.

„Once Upon A Time” erreicht auf dem Kupferblau-Score für Tübinger Studierende glänzende 8,5 von 10 maximalen Punkten und ist erhältlich auf Amazon Prime. Viel Spaß beim Anschauen!

Beitragsbild: Fathromi Ramdlon/pixabay.com

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