Die Kupferblau Schmöker-Ecke: Weihnachtsfilme

Manchmal kann eine Pandemie alles verändern und es bleibt nicht mehr viel an kultureller Inspiration übrig. Oder? Damit ihr gut durch den Advents-Lockdown kommt, stellen wir für euch in unserer Artikelreihe „Die Kupferblau-Schmöker-Ecke“ regelmäßig thematisch abgestimmte Empfehlungen für Bücher, Podcasts und Serien zusammen. Pünktlich zum vierten Advent gibt es diese Woche unsere drei Lieblings-Weihnachtsfilme.

“Klaus” – Von Weihnachtsmännern und Briefträgern

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit stellen sich die Kinder (und auch einige Erwachsene) die gleichen Fragen: Woher kommt eigentlich der Weihnachtsmann? Warum bringt er uns Geschenke, und woher weiß er, wer artig war? Und können seine Rentiere wirklich fliegen?

Wenn man der Netflix-Produktion „Klaus“ Glauben schenken will, ist der Weihnachtsmann ein ganz normaler Mann namens, nun ja, Klaus aus der Kleinstadt Zwietrachting am Polarkreis.

Der 2019 erschienene Animationsfilm ist anfänglich alles andere als eine typische Weihnachtsgeschichte. Sergio Pablos, („Ich – Einfach Unverbesserlich”) erzählt uns nicht die Geschichte von Santa Claus, sondern jene von Jesper (Ralf Schmitz), einem faulen Postboten, welcher als Strafe für seine nachlässige Arbeit in die Stadt Zwietrachting versetzt wird.

Statt einer warmherzigen Begrüßung gerät Jesper bei seiner Ankunft gleich zwischen die Fronten der Bewohner*innen und realisiert schnell, warum die Arbeit an diesem Ort als Strafe angesehen wird. Die Stadt besteht aus zwei verfeindeten Clans, es herrschen Argwohn und Missgunst. Sogar die Kinder sind in den Streit involviert, sie dürfen nicht miteinander spielen, es gibt weder Spielzeug noch eine Schule. Um die furchtbare Stadt verlassen zu dürfen, muss Jesper eine Aufgabe erledigen: innerhalb eines Jahres soll er 6000 Briefe austragen. Für einen ausgebildeten Postboten scheint das erstmal keine große Hürde zu sein. Das Problem ist nur: In Zwietrachting schreibt natürlich niemand Briefe! Die Clans sind zu verfeindet, um überhaupt miteinander zu reden, und vom Festland bekommt auch niemand Post. Für Jesper sieht die Zukunft eisig aus.

Die heimliche Allianz

Die Monate kommen und gehen. Durch einen Zufall erfährt Jesper jedoch etwas, das für ihn die letzte Rettung sein könnte: Es gibt noch einen weiteren Bewohner von Zwietrachting – einen Mann, der zurückgezogen in einer Hütte lebt. Mit letzter Hoffnung auf Briefe macht sich Jesper auf den Weg, den Mann zu treffen, und findet: Klaus (Rufus Beck). Der furchteinflößende Bärtige spricht selten und lacht nie, aber sein ganzes Haus steht voller Kinderspielsachen. Ein Lichtblick für Jespers Geschäft. Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Art formen die Männer eine Art Allianz. Sie beliefern die ersten Kinder mit Geschenken. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht des heimlichen Geschenkebringers und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Zwischendurch werden immer wieder Weihnachtsmythen aufgegriffen und geschickt in die Geschichte eingestrickt, zum Beispiel, wie der Weihnachtsmann durch den Kamin kommt, was es mit dem fliegenden Rentierschlitten auf sich hat und woher das prägnante „Ho, Ho, Ho“ am Weihnachtsabend kommt (kann Klaus etwa doch Lachen?).

Welche Rolle Klaus‘ Vergangenheit hier spielt, ob Alva wirklich nur eine Fischverkäuferin ist, und ob Jesper die 6000 Briefe tatsächlich austragen kann? Seht selbst! Wir können euch den Netflix-Film wärmstens empfehlen.

„Klaus“ ist eine herzerwärmende Geschichte für alle, die schnulzige, klischeebeladene Weihnachtsfilme satthaben. Ganz ohne Zauberei ist der Film dennoch ein bisschen magisch und findet ein untypisches, aber doch wunderschönes Ende. Die prominenten deutschen Synchronstimmen und die farbenfrohe Animation von Sergio Martins (Annie-Award 2020) tragen weiter zum Erfolg des Filmes bei. Alles in allem ist „Klaus“ eine behagliche Erzählung für Jung und Alt, dessen Botschaft nun doch typisch für Weihnachten ist:  Zusammenrücken und aufeinander Acht geben in einer Zeit, in der jede Hoffnung verloren scheint.

Weihnachtszeit ist Filmzeit. Aber es müssen nicht immer die üblichen Verdächtigen sein.

“Die Weihnachtsfahrt” – Santas Slide?

Rot-grüne Dekoration schmückt das Auto, alles glitzert und blinkt, Weihnachtsklassiker laufen in Dauerschleife. Alles ist, wie man es sich an Weihnachten vorstellen würde: frisch glänzend poliert und glücklich. Doch was, wenn nicht? Der 2019 veröffentlichte Film „Die Weihnachtsfahrt“ wirft genau diese Frage auf – ein Bild, das 2020 definitiv auf unsere Bildschirme passt. Weihnachten gestaltet sich für jede*n anders und für viele so, wie sie es sich nie hätten vorstellen können.

“Die Weihnachtsfahrt” ist ein unabhängiger Film, produziert von Stefanie Davis, mit der fröhlichen Georgia (Daryen Ratté) in der Hauptrolle, die auch wie wir dieses Jahr ein etwas anders Weihnachten verbringt. Georgia ist alleine in ihrem Zuhause, ihre Mitbewohner*innen sind bei ihrer Familie, ihr liebevoller Vater am anderen Ende Amerikas. So beschließt sie, an einem Car-Sharing teilzunehmen. Ihre Hoffnung: anderen eine kleine Freude zu bereiten und nebenher etwas extra Geld verdienen. Als „Santas Slide“ begleitet sie in ihrem weihnachtlich dekorierten Auto fremde Menschen zu ihrem Ziel. Vom frisch verlobten Traumpaar bis zu alten glücklichen Eheleuten, die zu ihren Enkeln fahren. Doch Georgia merkt bald, dass das feinpolierte Weihnachtsfest nicht für alle gleich glänzt.

Authentisches Filmerlebnis

Der Filmstil erinnert sehr an eine Dokumentation, die wie eine Talk Show aufgebaut ist. Die Stimmung wirkt authentisch, die Kamera wackelt leicht und als Zuschauer*in begleitet man Georgia auf dem Beifahrersitz. Es ist immer wieder eine neue Überraschung, welcher Gast als Nächstes eintreten wird.

Gemeinsam mit ihr müssen wir erkennen, wie anders Weihnachten doch für jede*n aussieht. Was geschieht, wenn einen der Freund erst verlassen hat oder wenn die Ehe geendet ist? Wie geht man mit der fröhlichen Weihnachtsstimmung um, wenn man nicht glücklich ist und sich einsam fühlt? Der Film wirkt nicht nur echt, sondern ist auch authentisch und relevant. Die Filmemacher werfen Fragen auf, die uns heute auch beschäftigen; Fragen und Emotionen, auf die wir gerade dieses Jahr achten sollten.

“Die Weihnachtsfahrt” ist ein Film, der uns auf das Wichtige an Weihnachten, auf die Liebe, hinweist und uns doch auch daran erinnert, dass es an Weihnachten noch wichtiger ist, aufeinander Acht zu geben. “Die Weihnachtsfahrt” ist für alle empfehlenswert, die sich nicht nur von schönen, kitschigen Weihnachtsromanzen berieseln, sondern auch zum Nachdenken anleiten lassen wollen – und letztlich auch für jene, die sich darauf besinnen möchten, wie wichtig Liebe und Hoffnung doch sind.

Viel Freude beim Anschauen! “Die Weihnachtsfahrt” ist auf Amazon Prime zu finden.

“Last Christmas” – Mehr als nur ein Weihnachtsklassiker

“Last Christmas” ist seit Jahr und Tag ein echter Weihnachtshit-Klassiker. Während die einen Wham dafür verfluchen, singen es andere schon ab September, am besten noch früher, mit Vollgas. Wie man es auch dreht und wendet, das Lied ist zu dieser Jahreszeit in aller Munde.

Dies gilt jedoch nicht für den gleichnamigen Film des nie enttäuschenden Paul Feig (bekannt u.a. aus Brides Maids und Ghostbusters). Dieses Jahr ist aber das perfekte Jahr, um das zu ändern.

Sängerin mit Herz-OP

Da das Coronavirus die Suppe ziemlich versalzen hat, was unsere guten Vorsätze und Ziele für 2020 angeht, ist es beruhigend, eine Protagonistin zu sehen, deren Leben auch nicht wie geplant verläuft.

In dem Film lernen wir die tollpatschige Kate (Emilia Clarke) kennen. Sie möchte Sängerin werden, aber aufgrund einer schweren Herzoperation ist sie nicht mehr die, die sie einmal war. Um Geld zu verdienen, arbeitet sie in einem Weihnachtsgeschäft mit einer Führungskraft, die sich Santa (Michelle Yeoh) nennt.

Eines Tages trifft sie auf Tom (Henry Golding), einen geheimnisvollen, aber romantischen Jungen, der kein Handy hat, weil er die Welt um sich herum genießen will. Tom ist alles, was man von einem Gentleman erwarten kann: Er ist fürsorglich, arbeitet ehrenamtlich, liebt die Natur und zeigt Kate, was im Leben wirklich wichtig ist. Wenn es draußen kalt ist, werden Toms weise Worte euer Herz erwärmen. 

Aber das Leben ist nicht immer nur rosig: Kates Familie ist aus dem ehemaligen Jugoslawien geflohen und beobachtet den herannahenden Brexit mit Sorge. Wir sehen, wie Kate und ihre Schwester Marta (Lydia Leonard) zwischen der modernen westlichen Weltanschauung und der traditionellen Welt ihrer Eltern leben. Die Beziehung zu ihren Eltern ist daher für die beide Schwestern nicht immer einfach.

Die Londoner Carnaby-Street vor Corona – ein Schauplatz von “Last Christmas”.

Daher nähert Kate sich dem mysteriösen Tom. Aber jedes Mal, wenn sie ihn am meisten braucht, verschwindet er. 

Ja, zugegeben, das klingt alles sehr klischeehaft. Aber in einem Jahr, in dem sich alles von einem Tag auf den anderen ändern kann, kann man sich wohl kaum etwas Angenehmeres vorstellen, als einen vorhersehbaren Weihnachtsfilm. Er ist ein Leuchtturm des Vertrauens in Zeiten der Unsicherheit.

Wer sich also in eine Welt hineinversetzen will, in der es noch Liebe auf den ersten Blick gibt, in der die Gemütlichkeit von Weihnachten herrscht, vor allem aber in der Whams “I keep my distance, but you still catch my eye” keine alltägliche Realität, sondern etwas Romantisches ist, sollte diesen Film unbedingt sehen. 

(Und für alle, deren Ohren wegen des “Last Christmas”-Songs bluten: Keine Sorge, das Lied taucht im Film nicht oft auf.)

“Last Christmas” ist online u.a. auf Google Play Filme verfügbar.

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Fotos: Pixabay

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