Die digitalen Französischen Filmtage

Auch dieses Jahr fanden die Französischen Filmtage in Tübingen wieder statt. Vom 28. Oktober bis zum 4. November konnte man sich die unterschiedlichsten frankophonen Filme verschiedener Genres anschauen. Ob “Vorhang auf” oder “Laptop an”: Die Filme konnte man sowohl im Kino, als auch online erleben. 

Wer die Französischen Filmtage bereits miterlebt hat, weiß, wie dieses Festival normalerweise abläuft. Vor dem Kinosaal herrscht ausgelassene Stimmung, hier und dort hört man den Schampus knallen. Hat man seinen Platz vor der Leinwand dann eingenommen, wird der jeweilige Film kurz vorgestellt und dann darf man den französischen Film mit deutschen Untertiteln genießen. Aufgrund der aktuellen Situation gab es eine zusätzliche Option, bei der die Französischen Filmtage auch als Online-Event stattfanden. Egal, ob noch etwas weniger bekannte oder starbesetzte Filme: Mit einer guten Internetverbindung konnte man sie mit Freunden oder alleine, zeit- und ortsungebunden genießen.

Größere Reichweite durch Online-Format

Auf der Online-Plattform der 37. Französischen Filmtage konnte man sich registrieren und einen der Filme des breitgefächerten Angebots mit einer einfachen Bezahlung per Kreditkarte buchen. Innerhalb des Zeitraums der Filmtage stand dieser einem dann für insgesamt 30 Stunden zur Verfügung, sodass man bei Wiederholungsbedarf gern noch einmal reinschauen konnte. 

Auch dieses Jahr wurden den Zuschauenden wieder spannende Perspektiven eröffnet. Einer der Schwerpunkte war beispielsweise die Sicht auf das frankophone Afrika. Des Weiteren wurde ebenfalls das Kriegsende vor 75 Jahren anhand einiger Filme thematisiert. Die Kategorie „Heldinnen“, in der Frauen für außergewöhnliche Verdienste ihren Platz auf der Laptopleinwand einnahmen, rückte ebenfalls in den thematischen Fokus der Filmtage. Trotz der ungewöhnlichen Situation sollte es nicht an dem üblichen Programm des Festivals mangeln. So wurden Diskussionen im virtuellen Raum weitergetragen, Interviews mit Regisseuren geführt sowie für Musikeinlagen gesorgt. Auch sonst wurde man mit unterhaltsamen Übertragungen von dem Festival-Team durch die Filmtage geleitet. 

Das offizielle Logo der 37. Französischen Filmtage 2020.

Facettenreiche Filmauswahl 

Einer der gezeigten Filme war die Komödie « L’Aventure des Marguerite » (deutsch: Das Abenteuer von Margot und Marguerite) von dem Regisseur Pierre Coré. Der Film, der im Juli 2020 in Frankreich erschien, handelt von den zwei identisch aussehenden Mädchen Marguerite und Margot (Lila Gueneau Lefas). Eigentlich sind beide zwei ganz normale 12-jährige Mädchen, die dieselben Probleme haben wie andere Gleichaltrige auch. Jedoch leben beide in unterschiedlichen Epochen. Margot lebt im Jahr 2018, während Marguerite aus dem Jahr 1942 kommt. Trotzdem scheint beide etwas zu verbinden: Margot sehnt sich nach ihrem Vater, der nach Australien ausgewandert ist und hat Schwierigkeiten, mit dem neuen Mann ihrer Mutter klar zu kommen. Marguerite hat seit Wochen nichts mehr von ihrem Vater gehört, der im Krieg verschwunden ist. Durch eine Zeitreise in einer magischen Truhe befindet sich Margot plötzlich im Zweiten Weltkrieg, während Marguerite sich in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts wiederfindet. Es beginnt eine Suche nach dem Vater der jeweils anderen und zusammen mit den beiden mutigen Mädchen beginnt man eine Reise durch die Zeiten sowie deren persönliche Geschichte. Der humorvolle Ton des Films lenkt jedoch nicht von ernsteren Themen ab, wie der Besetzung Frankreichs während des Zweiten Weltkrieges, der Rolle der Frau in wandelnden Zeiten sowie das Finden der eigenen Identität als Teenager.

Auch in Krisenzeiten haben die Französischen Filmtage einen Weg gefunden, sich erfolgreich zu präsentieren.

Dieser Film sowie viele andere erhalten durch die Französischen Filmtage eine wichtige Plattform, die auch zu der Etablierung in der internationalen Filmszene beiträgt. Viele Festivals jeglicher Art mussten dieses Jahr einiges ertragen und es ist noch ungewiss, wann man sich das nächste Mal in einem vollen Kinosaal befinden wird. Dennoch ist es wichtig, dass diese momentane Situation so kreative Ausweichmöglichkeiten erschafft. Mit Bravour wurden diese Tage gemeistert und es gibt Hoffnung, dass sich der kulturelle Bereich nicht unterkriegen lässt. Die Trailer zu den gezeigten Filmen kann man sich noch immer auf der Seite der Französischen Filmtage anschauen und vielleicht auch künftig in dem ein oder anderen Kino zu sehen bekommen.

Fotos: © Französische Filmtage Tübingen | Stuttgart

Allgemeiner Link zu den Film-Trailern
Link zum Film-Trailer « L’Aventure des Marguerite »

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