Den Jürgen würgen und die Perle polieren- Ein offenes Gespräch über Masturbation.

Warum ist Masturbation immer noch oft ein Tabuthema und was kann man dafür tun, dass es nicht so bleibt? Wir glauben, offene Gespräche sind der erste Schritt. Deshalb haben wir uns zusammengesetzt und Fragen rund ums Masturbieren beantwortet. Natürlich handelt es sich hierbei um unsere persönliche Meinung, aber Masturbieren ist schließlich auch etwas sehr Persönliches. Also lasst uns die Konversation beginnen und das Schweigen ums Rubbeln beenden.

Wie oft masturbiert ihr?

Ronja: Also ich habe von Kumpels gehört, dass sie normalerweise mindestens einmal pro Tag masturbieren. Ist das bei dir auch so?

Rafael: Also einmal am Tag auf jeden Fall.

Ronja: Einmal morgens, einmal abends oder ist das nicht so klar verteilt bei dir?

Rafael: Also morgens eigentlich nie. Es ist bei mir immer so, dass ich eigentlich erst so richtig aufwache, wenn ich schon in der Uni bin. Davor habe ich kein Bock mir noch einen zu rubbeln. Aber schon 1-2-mal täglich.  

Ronja: Ja bei mir ist es öfter, wenn ich nur zuhause rumhänge. Und wenn ich verkatert bin, dann sowieso.

Rafael: Das ist bei mir gar nicht so. Das ist mir viel zu anstrengend, wenn ich verkatert bin.

Ronja: Wenn ich einen Vibrator benutze, dann muss ich halt auch nicht viel machen.  Ich glaube, das ist 50/50, also Leute, die verkatert Lust darauf haben, und Leute bei denen das gar nicht so ist. Aber bei mir hilft das auch ein bisschen gegen den Kater. Oder ich bilde mir das nur ein. Aber ansonsten masturbiere ich eigentlich nicht jeden Tag. Manchmal sogar eine ganze Woche nicht und dann wieder drei Tage hintereinander öfter.

Rafael: Ok, dass ich eine Woche nicht masturbiert habe, ist bei mir schon ewig nicht mehr passiert. Obwohl, im Urlaub vielleicht. Wenn ich mit meinen Jungs im Urlaub war, habe ich schon mal 10 Tage nicht masturbiert. Das wäre ja auch irgendwie komisch.

Wo masturbiert ihr?

Rafael: ich masturbiere eigentlich immer am Schreibtisch.

Ronja: Ich nicht. Bei mir ist es fast immer im Bett.

Rafael: Ich glaube, das ist aber auch bei den meisten Frauen so. Allein von der Anatomie ist es schwer für Frauen im Sitzen.

Ronja: Ja, ich finde das auch einfach nicht bequem und das ist schon was, bei dem man sich entspannen sollte. Oh, und in der Badewanne find ich es manchmal auch ganz gut.

Rafael: Das habe ich noch nie gemacht. Aber das ist auch komisch als Mann, dann schwimmt das eigene Sperma um einen herum.

Den Bananensaft pressen, sich einen von der Palme wedeln, dem Arbeitslosen die Hand schütteln,… Wenn Mann masturbiert, gibt es viele kreative Synonyme.

Wann masturbiert ihr?

Rafael: Ich bin nicht so einer, der sich vor dem Schlafen einen runterholt, weil mich das eher wach macht. Das ist aber auch beim Sex so bei mir, den habe ich auch lieber nachmittags. Aber eine feste Zeit habe ich nicht. Wann es halt reinpasst und ich Lust habe. Ich richte natürlich nicht mein Tagesablauf danach.

Ronja: Also ich habe auch keine feste Zeit. Bei mir kann es jederzeit passieren, dass ich Lust darauf bekomme. Das ist manchmal fast überraschend und dann denkt man so, dass könnte ich eigentlich auch mal wieder machen.

Wurdet ihr schon mal erwischt?

Ronja: Also ich nicht. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern und ich glaube, sowas würde ich nicht vergessen. Und du?

Rafael: Also es gab ein oder zwei knappe Geschichten, aber ich konnte ihn immer noch rechtzeitig einpacken. Aber ich denke es war den Personen trotzdem klar, was ich gerade gemacht habe. Das ist halt schon offensichtlich.

Ist Masturbation in einer Beziehung okay?

Ronja: Ja. Also ich bin gerade single, aber ich hätte da kein Problem damit.

Rafael: Ja ich auch nicht, aber ich finde man sollte das absprechen, wenn man zusammenwohnt, weil man sich sonst vielleicht außen vorgelassen fühlt. Aber es ist auch noch mal ein Unterschied, ob man räumlich getrennt ist.

Ronja: Ich denke, es ist auch nochmal was anderes, wenn man schon lange zusammenwohnt. 2 oder 3 Jahre ganz ohne masturbieren fände ich auch komisch. Es gehört für mich auch einfach zum Leben dazu. Es ist auch eine andere Art von Kommen als beim Sex. Also zumindest bei mir.

Masturbiert ihr vor eurem Partner?

Ronja: Ist das dann überhaupt noch Masturbation?

Rafael: Eine Freundin von mir meinte, dass das sehr intim und schön sei. Ich stelle mir das eher komisch vor.

Ronja: Mich hat auch mal ein Typ gefragt ob ich das machen will, aber ich fand es auch eher seltsam.

Habt ihr mal No-Fap probiert?

Ronja: Ne, aber theoretisch würde ich es ein Jahr ohne aushalten.

Rafael: Was?! Ein Jahr ist ganz schön lang.

Ronja: Ok, vielleicht habe ich ein bisschen übertrieben. Wenn ich so ein bisschen darüber nachdenke, scheinen mir zwei Wochen realistischer zu sein. Zwei Wochen ohne Sex oder Masturbation würde ich durchhalten. Für meine Mitmenschen wären diese zwei Wochen zwar auch hart, weil ich ziemlich anstrengend werden würde, aber ich würde es schaffen.

Rafael: Ich glaube mein Maximum wären eher 10 Tage.

Redet ihr mir euren Freunden/ Familie/ Geschwistern offen über Masturbation?

Ronja: Mit Freunden schon, mit meiner Familie nicht.  

Rafael: Wenn ich mit meinen Freunden über Masturbation rede, dann ist das immer sehr oberflächlich. Wenn jemand fragt, was man den Tag so gemacht hat, kommt das Thema vielleicht kurz auf, aber das war es dann auch schon wieder. Dafür reden wir relativ viel über Pornos und unsere Lieblingsdarsteller*innen.

Ronja: Empfehlt ihr euch auch gegenseitig Videos?

Rafael: Ja auf jeden Fall.

Ronja: In den Teenagerzeiten, als meine Freundinnen und ich so langsam mit der Selbstbefriedigung angefangen haben, haben wir uns auch gegenseitig Tipps und Tricks gegeben, wie man das am besten macht, wie Vibratoren richtig funktionieren und so weiter.

Begriffe für weibliches Masturbieren sind seltener, doch auch hier gibt es kreative Synonyme, wie “die Perle in der Muschel suchen” oder “sich die Brosche polieren”.

Reden Frauen oder Männer mehr über Masturbation?

Ronja: Ich glaube gleich viel, aber Männer fangen früher an darüber zu reden.

Rafael: Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Die Hemmschwelle ist bei Jungs anfangs doch noch relativ hoch. Außerdem sind Mädels im Teenageralter oft schon körperlich und geistig reifer als die Jungs, deswegen glaube ich, dass Frauen früher anfangen darüber zu reden als Männer. 

Was haltet ihr von der Legende nach 1000 Schuss ist Schluss?

Rafael: Das habe ich noch nie gehört. Was soll das denn heißen?

Ronja: Ich glaube, das bedeutet, dass ein Mann tausend Mal kommen kann im Leben.

Rafael: Das ist Bullshit. Da bin ich schon weit drüber. Wenn ein Junge mit 13 anfängt zu masturbieren und jeden Tag ein- oder zweimal die Palme schüttelt, dann wäre der ja mit 15 schon bei seinem 1000. Schuss.

Masturbierst du während deiner Periode?

Ronja: Das ist immer so ein Kampf mit sich selbst. Man will, aber man will auch nicht. Es ist halt einfach doppelt so viel „Aufräumarbeit“. Und wenn meine Tage schon fast vorbei sind, dann kommt nach der Masturbation oft nochmal so ein Schwall Blut. Aber ich kenne auch viele Frauen, die Masturbation während der Periode geiler finden.  Als Frau hat man sich einfach irgendwann an die Periode gewöhnt.

Benutzt ihr Spielzeuge?

Ronja: Ja. Am liebsten den Satisfyer von Eis.de, der wie ein Pinguin aussieht. Oder Flower Power.

Rafael: Also ich nicht. Bei Frauen ist das aber auch etwas anderes irgendwie.

Ronja: Ja, Männer die Sexspielzeug benutzen, werden gleich schräg angeschaut. Das hat irgendwie ein echt schlechtes Stigma.

Rafael: Ja bei Frauen ist es normal, eine ganze Schublade zu haben. Aber ich persönlich will auch gar nichts benutzen. Das hat mich eigentlich nie so gereizt.

Ronja: Für Frauen wird es mit Spielzeug extrem leichter. Das ist eigentlich Masturbieren für Faule, aber echt geil.

Wieso denkt ihr, dass das Thema so tabuisiert wird?

Ronja: Ich denke, weil es so ein bisschen Kontrollverlust ist. Es hat so ein bisschen etwas Animalisches und ich denke damit wollten Menschen einfach nie assoziiert werden. Schließlich versucht sich der Mensch schon immer sich von Tieren abzugrenzen.

Rafael: Ja, ich glaube genau dieses Animalische ist der Grund dafür. Also ich muss auch sagen, ich habe mich manchmal schon ein bisschen schlecht gefühlt danach, gerade wenn ich mir so einen beschissenen Porno angeschaut habe und danach nur da sitze und mich frage, was ich da eigentlich mache. Aber ich glaub in den nächsten Jahren wird sich das noch ändern, dass Masturbieren überhaupt noch so als Tabuthema gesehen wird. Es ist jetzt schon so, dass es immer mehr in die Popculture aufgenommen wird. Also in Serien Filmen und Musik.

Habt ihr schon negative Folgen der Masturbation erfahren?

Ronja: Ich dachte mal, dass ich eine Blasenentzündung hätte, weil ich zu viel masturbiert hatte. Aber ich war einfach nur ein bisschen wund unten rum. Ansonsten kann ich mir kaum negative Folgen vorstellen.

Rafael: Ja das ist mir auch schon passiert. Reibung führt halt einfach zu wunden Stellen.

Überkommt euch die Lust eher plötzlich oder plant ihr die Masturbation?

Rafael: Manchmal passiert das echt aus dem Nichts. Ich habe oft meine Hand in der Hose, wenn ich einen Film oder so schaue und dann denkt man sich irgendwann „Wenn ich schon mal hier bin…“. Dann wird der Film kurz pausiert und ab geht die Post.

Ronja: Ich glaube das weibliche Pendant zu der Hand in der Hose ist die Hand im BH. So ist das bei mir zumindest. Ich pausier den Film halt nicht, sondern hole meinen Vibrator und mache das so ein bisschen nebenher. Die Lust überfällt einen manchmal so ein bisschen.

Rafael: Das stimmt. Manchmal ist das Ganze aber auch geplant. Essen – Masturbieren – Duschen und so weiter.

Ronja: Ja, gerade mit dem Duschen stimme ich das auch oft ab. Nach dem Duschen fühlt man sich so rein, da will ich dann nicht unbedingt direkt Hand anlegen.

Rafael: Ja genau, man ist dann so sauber und hat die „Schande“ abgewaschen. Wo wir wieder beim Thema Kontrollverlust und animalische Züge wären.

Fotos: Ronja Hornik, Rafael Keroglou

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