Unsere Bibliotheken

Nach Monaten des arktisch kalten Entzugs trauen wir uns langsam wieder an die wohlig vertrauten Unigebäude heran. Was vor geraumer Zeit noch undenkbar schien, wird jetzt Wirklichkeit: Studierende der Uni Tübingen dürfen wieder in Bibliotheken lernen! Was es dabei zu beachten gilt, wollen wir euch heute darstellen und anhand eines Erfahrungsberichts ausmalen.

Gedanken vor dem Eintritt

Fahrradständer. Fünf Stufen. Graue Fassade. Schwarze Fensterfront. Blauer Türrahmen. Fast schon nostalgisch stehe ich da und sauge alles in mich auf. Jedes Detail des Brechtbaus. Irgendwie fühlt es sich gar nicht real an, heute vor diesem Gebäude zu stehen. Noch unwirklicher ist aber der Gedanke an das, was ich gleich tun werde: Ich werde den Brechtbau betreten. Was wird mich erwarten? Werden viele Leute da sein? Werde ich wieder lernen können wie vor Corona?

Ich bleibe noch einen Augenblick stehen. Ein vorfreudiges Lächeln schleicht sich in mein Gesicht. Dann schlendere ich auf die Tür zu – und laufe prompt dagegen. Das hat sich schonmal nicht verändert in den letzten Jahren: Ich weiß immer noch nicht, ob ich jetzt drücken oder ziehen muss. Nun fällt mir ein Plakat auf, welches an der Tür hängt: Es erinnert mich daran, eine Maske zu tragen, Abstand zu halten, die Hygieneregeln einzuhalten. Ich weiß, dass ich die Maske nicht die ganze Zeit aufhaben muss – obwohl davon nichts auf dem Plakat steht. Aber meine Freunde haben mir gesagt, dass ich sie ausziehen darf, sobald ich mich an einen Arbeitsplatz gesetzt habe. Dass das nirgendwo steht, ärgert mich ein bisschen.

Doch mein Ärger verschwindet, sobald ich die trockene Brechtbauluft einatme. Der Geruch nach Lernen umhüllt mich, dringt durch meine Maske, polt all meine Gehirnzellen auf Produktivsein. Ich werfe einen Blick in die Cafeteria, wo es weder Kaffee noch Kekse gibt – und mache mich dann auf die Suche nach meinen Kommilitonen. Dabei stelle ich fest, dass die Getränke- und Snackautomaten außerhalb der Cafeteria weitestgehend gefüllt sind. Erneut überwallt mich eine Welle von Nostalgie, als ich die Treppen nach oben steige und sich vor mir die Liegewiese ausbreitet. Hier sitzen nicht wenige Studierende, in Gruppen und alleine, die meisten vertieft in Laptops, Bücher und Karteikarten. Unglaublich: Der Brechtbau lernt wieder!

Ein Ort, den viele von uns sehr vermisst haben: Der Brechtbau!


Vor dem Eingang zur Bibliothek sitzt ein Angestellter und wacht – wie üblich – mit Argusaugen über das Drehkreuz. Zwischen den Regalen wandeln Suchende umher, ziehen Bücher hervor, vergraben ihre Nasen in Buchstaben. Die Normalität haut mich fast um. Denn obwohl man die Masken ja eigentlich tragen müsste, solange man nicht an seinem Arbeitsplatz ist, fehlen sie doch in einigen Gesichtern. Ich schiebe das auf die mangelnde Transparenz der Vorschriften, die mir schon am Eingang aufgefallen ist.

Der Flow kehrt zurück

Dann entdecke ich meine Freunde. Sonst lernten wir immer im Aquarium, aber das ist jetzt nicht möglich. Eine Bibliothekarin sortiert dort Bücher, heißt es. Jedenfalls ist das Aquarium nicht zugänglich. Das ist schade, aber verkraftbar. Denn es gibt noch einen Unterschied zu früher: Es sind weniger Lernende hier. Auf der Liegewiese liegt eine untypische, aber nicht unangenehme Ruhe. Das ermöglicht uns ein konzentriertes, aber trotzdem kommunikatives Arbeiten. Schneller, als ich gedacht hätte, rutsche ich in den Lernflow, den ich vermisst habe. Hier stören mich keine Staubflusen auf dem Schreibtisch, kein Kassenzettel schaut unter dem Laptop hervor, keine Briefe schreien nach meiner Aufmerksamkeit. Für den Moment gibt es nur mich, meine Freunde und den Lernstoff.

Die Zeit verrinnt. Es wird langsam spät, und ich stelle fest: Ich sitze hier wieder in einer Blase. Damals wie heute konnte ich zum Lernen in den Brechtbau kommen, nahm Abstand zu der Außenwelt und fokussierte mich auf die Uni. Das funktioniert immer noch – vielleicht sogar besser denn je. Nach drei, vier Stunden ist es dann aber genug und wir schlagen die Hefte zu. Es ist gar nicht nötig, sich für den nächsten Tag erneut zu verabreden. Uns allen ist klar: Ab heute treffen wir uns wieder hier zum Lernen. Apropos treffen: Auf dem Weg nach draußen begegnen wir einigen Studierenden aus anderen Fachrichtungen. Studierende, mit denen man sich sonst auch immer unterhalten hat, man kennt sich aus der Schulzeit, von der Kupferblau, aus dem Chor oder dem Unisport. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich diese Leute auch vermisst habe. Ein weiteres Mal bin ich unglaublich glücklich, wieder hier sein zu können.

Beim obligatorischen After-Learning-Meal bei Tasty – immer noch nicht billig, immer noch verdammt lecker – lasse ich den Tag an mir Revue passieren: Masken muss man beim Herumlaufen tragen, am Arbeitsplatz darf man sie absetzen. Das Aquarium ist nicht nutzbar. Irgendwie kommt mir das wie die einzige Einschränkung vor. Ansonsten kann man im Brechtbau nach wie vor lernen, lachen und sich treffen. So gut wie eh und je.

Auf einen Blick – Was ihr über die Bibliotheken wissen solltet.

Für alle hier aufgeführten Bibliotheken gilt:

  • Das Gebäude darf nur mit einem Mund-Nase-Schutz betreten werden.
  • Während man sich im Gebäude bewegt, muss der Mund-Nase-Schutz aufbehalten werden, am Sitzplatz darf dieser abgenommen werden.
  • Es ist stets ein Mindestabstand von 2 Metern zu anderen Personen einzuhalten.

Universitätsbibliothek Wilhelmstraße (Tal)

  • Die Bibliothek ist aktuell an Werktagen von 8:30 – 13:00 Uhr, von 13:30 – 18:30 Uhr sowie von 19:00 – 22:00 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10:00 – 18:00 Uhr.
  • Es muss ein Slot gebucht werden unter https://www.supersaas.de/schedule/tuebib/ub-tuebingen
  • Am Eingang muss der Studierendenausweis vorgelegt werden.

PCB-Bibliothek auf der Morgenstelle

Fachbibliothek Mathematik/Physik auf der Morgenstelle

  • Die Bibliothek ist an Werktagen von 9:00 – 17:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt insgesamt 15 Arbeitsplätze, man kann sich nicht vorher anmelden.

Bibliothek im Juristischen Seminar

Bibliothek des Theologicums

Bibliothek des Seminars für Alte Geschichte

  • Die Bibliothek ist an Werktagen von 8:00 – 18:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt nur eine begrenzte Zahl an Arbeitsplätzen, man kann sich nicht vorher anmelden.

Bibliothek der Institute für Erziehungswissenschaft

  • Die Bibliothek ist an Werktagen von 9:00 – 12:00 Uhr sowie von 13:00 – 16:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt nur eine begrenzte Zahl an Arbeitsplätzen; Buchung unter https://www.supersaas.de/schedule/tuebib/ife-tuebingen
  • Am Eingang müssen die Buchungsbestätigung sowie der Studierendenausweis vorgelegt werden.

Bibliothek im Institut für Politikwissenschaft

  • Die Bibliothek ist an Werktagen von 9:00 – 17:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt insgesamt 14 Arbeitsplätze, man kann sich nicht vorher anmelden. 
  • Bei der Bibliotheksaufsicht muss beim ersten Besuch eine Einverständniserklärung unterschrieben sowie Kontaktdaten hinterlegt werden.

Fachbereichsbibliothek Informatik

  • Die Bibliothek ist an Werktagen von 9:00 – 17:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt insgesamt 9 Arbeitsplätze – Studierende der Informatik müssen sich nicht vorher anmelden, Studierende anderer Fachbereiche müssen per E-Mail mit der Bibliotheksleitung einen Zugangstermin vereinbaren.

Bereichsbibliothek Schloss Nord

Medizinbibliothek

Brechtbau-Bibliothek

  • Die Bibliothek ist täglich (auch sonntags) von 9:00 – 17:45 Uhr geöffnet.
  • Es gibt eine begrenzte Zahl an Arbeitsplätzen, man kann sich nicht vorher anmelden.

Hegelbau-Bibliotheken

  • Die Bibliothek ist unter der Woche von 8:00 – 22:00 Uhr geöffnet.
  • Es gibt eine begrenzte Zahl an Arbeitsplätzen, man kann sich nicht vorher anmelden.

 

 

Text: Clara Eiche und Julia Kurrat
Fotos: Clara Eiche und Julia Kurrat

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