Das Coronahandbuch für Studierende – Präsenzprüfungen

Hurra, die Welt geht unter! So fühlt es sich zumindest manchmal an. Da könnte man beinahe seine eigentliche Lebensaufgabe vergessen: Student*in sein. Doch geht das überhaupt, während da draußen ein Virus herumgeht und alle zuhause in Jogginghose in Online-Vorlesungen sitzen? Wir von der Kupferblau haben es uns zur Aufgabe gemacht, euch aus dem Isolationstief zu holen. Das Coronahandbuch für Studierende präsentiert euch heute:  Präsenzklausuren in 2020 und wie sie ablaufen.

Klausuren in 2020 be like: Handys weg, Mundschutz raus

Um eines vorwegzunehmen: Corona hat einiges verändert, doch eines bleibt bei mir wahrscheinlich immer gleich: Die Prokrastination – vor allem, wenn es ums Lernen geht.

Als Corona im März langsam, aber sicher auch Deutschland unsicher machte, habe ich meine Lernunterlagen gleich in die hinterste Ecke geschoben. Dass meine Klausur, die Anfang April stattfinden sollte, verschoben wird, habe ich damals schon gehofft und erwartet. Die Zeit ging ins Land und die Wochen vergingen. Dank social distancing wusste ich erst einmal gar nicht, was ich plötzlich mit meiner vielen freien Zeit anfangen sollte. Aber Lernen? Fehlanzeige! Ich räumte mehr als einmal die komplette Wohnung auf, probierte neue Hobbys aus und versuchte meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Meine Gedanken an die verschobene Klausur waren genauso weit weg wie meine Lernunterlagen, die in der letzten Ecke meines Zimmers langsam verstaubten.

Unverhofft kommt oft

Als ich an einem lauen Sommerabend nach einer entspannten Onlinevorlesung mein E-Mail-Postfach öffnete, fiel mir fast meine Müslischüssel in den Berg aus Kissen, in dem ich mich während des Zoom-Meetings vergraben hatte. Da war doch tatsächlich eine Mail, die mich aufforderte, mich zu einem Ersatztermin für die eigentlich im April stattfindende Klausur anzumelden.

Corona war noch im vollen Gange und jetzt wieder eine Präsenzklausur? Auf ein paar kurze Sätze zur Klausur allgemein, folgte in der E-Mail ein riesiger Absatz zu Maßnahmen, die damit verbunden waren: Jeder wird einzeln in den Raum gebracht, Mundschutz, Abstand halten, Desinfektion. Alles, was man eben so erwartet.

Die zwei vorgeschlagenen Termine waren entweder in zwei Wochen oder Ende Juli. Für mich eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Nur wenig Zeit zum Lernen haben oder aber eine zusätzliche Klausur in der späteren, richtigen Klausurenphase. Ich nahm all meinen Mut (und auch Leichtsinn) zusammen und meldete mich für den ersten Termin an.

Stifte? Papier? Studierendenausweis? Alles egal. Hauptsache die Maske darf nicht fehlen!

Wie soll ich das bloß überstehen?

Ich bin ein typischer Bib-Lerner, der zwischendurch seine Kaffeepausen mit Freunden braucht und sich am besten von morgens bis abends nur auf eine Sache konzentriert: die Klausur. Doch nun stand ich vor verschlossenen Türen der Bibliothek, meine Freunde konnte ich auch nicht sehen und noch dazu war ich mitten im Semester und deshalb täglich mit anderen Vorlesungen und Seminaren beschäftigt. Aber wie sagt man so schön: wer nicht wagt, der nicht gewinnt? Ich versuchte mich so gut es ging, in eine normale Klausurenphase hineinzuversetzen, nahm mir die Tipps fürs Home Office zu Herzen und los ging es.

Tief durchatmen… (sofern das mit Maske möglich ist)

Die Tage und Wochen vergingen wie im Flug und plötzlich war er da: Der Tag der Klausur. Wir sollten uns schon etwa dreißig Minuten vor Beginn vor dem Gebäude – natürlich unter Wahrung des Mindestabstands – einfinden, da jeder von uns persönlich zu seinem Platz gebracht werden sollte. Glücklicherweise waren wir nur zu siebt, weshalb die Organisation kein logistisches Meisterwerk war. Bewaffnet mit Mundschutz und Desinfektionsmittel betrat jeder von uns einzeln den Raum. Der Raum, wo sonst gut vierzig Leute Platz fanden, war nun mit sechs Tische ausgestattet, alle mit einem Abstand von zwei Metern. Eine Person gehörte der Risikogruppe an, weshalb sie in einem separaten Raum platziert wurde. Wir restlichen sechs saßen jeder an einem Tisch, wartend, wie es weiterging. Anscheinend war ich aufgeregt und atmete etwas schneller (und vermutlich auch feuchter), weshalb ich durch meine beschlagene Brille nur ahnen konnte, dass es gleich losgehen sollte. Mein Dozent, der mein Leid wohl sah, überbrachte dann die rettende Botschaft: während der Klausur muss keine Maske getragen werden. Nach ein paar Sekunden konnte ich endlich wieder sehen und blickte in die erleichterten Gesichter der anderen.  

Abgesehen davon, dass wir eine sehr kleine Gruppe waren, alle Fenster auf Durchzug standen und es im Raum schallte, da er bis auf sechs Tische mit Stühlen leer war, war eigentlich alles wie immer. Neben meiner Cola und der obligatorischen Nervennahrung lag noch meine Maske auf dem Tisch – denn diese musste aufgesetzt werden, wenn man sich im Raum bewegt, um beispielsweise einen kurzen Abstecher zur Toilette zu machen. Außerdem wurde man bei jedem Räuspern kurz skeptisch vom Dozenten angeguckt – aber ich kann euch beruhigen, denn abgesehen davon war alles genauso wie bei jeder anderen Klausur auch. Nachdem ich fertig war, setzte ich meinen Mundschutz wieder auf, legte meine Klausur auf einen dafür vorgesehenen Tisch und verabschiedete mich. So schnell wie der Tag kam, so schnell war er dann auch schon vorüber.

Keine Panik: zumindest bei Präsenzklausuren ist -fast- alles wie immer.

Die nächste Klausur wird kommen…

Die Klausurenphase wird dieses Semester wohl für alle etwas anders werden. In kleinen Kursen, wie meinem, können vermutlich Präsenzklausuren stattfinden. Abgesehen von Abstandsregelungen und den sonstigen Maßnahmen, die ich gerade beschrieben habe, ändert sich dementsprechend nicht besonders viel. Jedoch habe ich auch große Vorlesungen, in denen meine Professoren entschieden haben, die Klausur online stattfinden zu lassen. Ob diese genauso problemlos ablaufen werden, bleibt abzuwarten…

Meiner Meinung nach können wir uns trotzdem glücklich schätzen, dass die Universität versucht, es so angenehm wie möglich für uns zu gestalten. Ich und auch andere Studierende haben die Erfahrung gemacht, dass die Dozenten sehr offen und verständnisvoll sind, sollte es aufgrund der aktuellen Situation zu jeglichen Problemen kommen. Da nun sogar die Bibliothek wieder geöffnet ist und auch der obligatorische Pausenkaffee vom Willis wieder möglich ist, kommt dahingehend zusätzlich ein Stück Normalität zurück und die Klausurenphase wird nicht ganz so außergewöhnlich wie anfangs vielleicht befürchtet. Außergewöhnlich für mich bleibt jedoch eines wahrscheinlich für immer: Meine Fähigkeit, trotz viel Freizeit mit gleichzeitigem Kontaktverbot, die Prokrastination ins unermessliche zu treiben. Naja, dann fange ich halt nächstes Semester endlich mal früher mit dem Lernen an…

Fotos: Julia Kurrat

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