Die Kupferblau Schmöker-Ecke: Black Lives Matter

Manchmal kann eine Pandemie alles verändern. Bars und Kneipen sind plötzlich geschlossen, Konzerte und Partys wurden abgesagt – da bleibt nicht mehr viel an kultureller Inspiration übrig. Oder doch? In unserer neuen Artikelreihe „die Kupferblau-Schmöker-Ecke“ stellen wir euch thematisch abgestimmte Empfehlungen für Bücher, Podcasts und Serien zusammen. Von aktuellen Sachthemen, über True-Crime, bis hin zum interstellaren SciFi-Abenteuer – hier ist für alle etwas dabei.  Zum Schmökern bieten wir euch heute etwas zum Nachdenken zum Thema “Black Lives Matter”.

Film der Woche: “The Hate U Give”

In einer Zeit, in der die Welt das Schicksal von George Floyd betrauert. In einer Zeit, in der sich in den USA täglich Tausende versammeln für Demonstrationen zum Thema „Black Lives Matter“. In dieser stürmischen Zeit macht sich jeder Gedanken. Passend geht es diese Woche in dem  Film „The Hate U give“ um Polizeigewalt gegen Schwarze.

Von klein an wird der dunkelhäutigen Protagonistin Starr von ihrem Vater beigebracht, wie sie sich in einer Polizeikontrolle verhalten soll. Eines Tages gelangt sie mit ihrem guten Freund Khalil in eine solche. Khalil wird wegen einer Bürste in der Hand erschossen. Ab da versteht Starr die Welt nicht mehr. Ihre zwei verschiedenen Leben drohen zu kollidieren: Das Leben in ihrem Viertel verbunden mit dem Sterben ihres Freundes. Und dann noch das Leben in ihrer Privatschule, für weiße Privilegierte.

Doch der nächste Schock lässt nicht lange auf sich warten, der Officer der Khalil erschossen hat, soll rechtlich nicht verfolgt werden. Starr beginnt an der Gerechtigkeit zu zweifeln und begibt sich in den Kampf ihres Lebens. Durch die gesamte Story zieht sich eine unglaubliche Parallele zur aktuellen Situation. Packend und mitfühlend wird das Spannungsfeld Polizeigewalt und Schwarze in den USA aufgezogen.

Hörbuch der Woche: “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.”

Dass Rassismus immer noch ein großes Thema in unserer Gesellschaft ist, verdeutlichen die aktuell stattfindenden weltweiten Proteste. Wir berichteten bereits über den Tropfen, der das Fass in den USA erneut zum Überlaufen brachte und Menschen auf der ganzen Welt auf die Straße trieb um erneut für Gleichberechtigung einzustehen und gegen Rassismus zu demonstrieren.

Rassismus: Ein Thema, über das kaum gesprochen wird. Die meisten Weißen Menschen wollen nicht rassistisch sein, deshalb schweigen sie über das Thema und gehen der Thematik aus dem Weg. People of Color auf der anderen Seite, tun sich schwer über Rassismus zu sprechen, da die Konfrontation damit meist schmerzhaft und verletzend ist. Doch wenn man nicht darüber spricht und sich nicht darüber informiert, wie soll Rassismus jemals überwunden werden?

Ein Denkanstoß, den Alice Hasters in ihrem 2019 im hanserblau-Verlag erschienenen Buch aufgreift. Die gebürtige Kölnerin spricht darin über ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland und wie dieser von Rassismus geprägt ist. Sie erklärt geduldig, dass Fragen wie „Darf ich deine Haare anfassen?“ oder „Bekommst du auch Sonnenbrand?“ zwar meistens nicht böse gemeint, aber dennoch rassistisch sind.

„Wir wissen nicht, wie eine gleichberechtigte Welt aussieht.“

Hasters betrachtet alltägliche Situationen und schildert historische Kontexte. Gibt einen Überblick darüber, warum Rassismus überhaupt existiert und regt Menschen dazu an ihr eignes Verhalten zu überdenken und zu reflektieren. Eindringlich, aber in keiner Weise verurteilend, klärt sie auf und weist darauf hin, dass Unwissenheit keine Entschuldigung für rassistisches Handeln ist. Denn dafür gibt es keine Entschuldigung.

Auf Spotify findet ihr die 6 Std. und 39 Min. umfassende, ungekürzte Hörbuchfassung, die von der Autorin selbst gelesen wird.

Wer das Buch von Alice Hasters gelesen und an Hintergrundinfos interessiert ist oder auch einfach nur einen Eindruck von ihrer Person bekommen möchte, für den ist der Podcast „Alles gesagt?“ von der Zeit interessant. Dem Podcast, in dem beeindruckende Persönlichkeiten endlos lang befragt werden – so lange, bis sie selbst das Gespräch beenden. Über sechs Stunden spricht Alice Hasters mit Christoph Amend und Jochen Wegner (Chefredakteure von Zeitmagazin und Zeitonline) sehr persönlich über die Entstehung ihres Buches, die Reaktionen von Freunden und Familie und vor allem das Verhältnis zu ihrem Vater – und was das Buch damit zu tun hat. Kontrovers geht die Diskussion aber auch zu, etwa bei der Frage, ob man Begriffe wie People of Color oder BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) in den Headlines großer Tageszeitungen verwenden sollte. Hasters verfolgt  das Motto, die Begriffe in möglichst vielen Medien zu verwenden, auch auf die Gefahr hin, den ein oder anderen (meist weißen, männlichen) Leser zu verlieren. Eine interessante Debatte, das Hören lohnenswert!

Link zum Hörbuch.

Foto: Buchcover “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.” von Alice Hasters/ Buchhandel Hanser

Buch der Woche: “Ghost Boys”

„Ghost boys“ erzählt die Geschichte von dem 12-jährigen Jerome, der beim Spielen mit einer Plastikpistole von einem Polizisten erschossen wird. Als Geist erlebt er, wie seine Familie und seine Umgebung mit den rassistisch konnotierten Umständen seines Todes umgehen.

Dabei wird er von einem weiteren Jungen aus der Vergangenheit namens Emmett Till begleitet. Emmett ist aus ähnlichen Gründen wie Jerome umgekommen und hilft ihm zu verstehen, was ihm passiert ist. Zusammen gehen sie auf eine Zeitreise, indem sie weitere „Ghost boys“ kennenlernen, die damals wie heute aufgrund ihrer Hautfarbe umgebracht wurden. Noch dazu lernt er Sarah, die Tochter des Polizisten, der für seinen Tod verantwortlich ist, kennen. Sie ist in der Lage ihn als Geist zu sehen und gemeinsam hadern sie damit ob ihr Vater seinen Job gemacht oder aus anderen Motiven gehandelt hat.

“Only the living can make the world better. Live and make it better.” Jerome, Ghost Boys

Obwohl das Buch in das Genre Kinderbücher fällt, ist es für jeden empfehlenswert zu lesen. Neben dem geschichtlichen Bezug von Sklaverei bis zu den Jim Crow Laws, werden auch heutige, rassistische Strukturen aufgedeckt, die in vielerlei Hinsicht, zu denen damals gleichgeblieben sind. Viele der Figuren wie z.B. Emmett Till bzw. andere Jungen, denen Jerome begegnet, waren reale Personen, die auf brutalste Weise ermordet wurden. Dieses Verwischen von Fiktion und Realität und der Erzählperspektive aus den Augen von Jerome, sind für den Leser sehr schockierend und zugleich äußerst bewegend. Gerade in dieser Zeit bietet ein solches Buch die Chance auch als nicht direkt Betroffener, über seine eigene Umgebung und sein Verhalten nachzudenken.

Foto: Buchcover “Ghost Boys” von Jewell Parker Rhodes/ Little, Brown and Company

Text:
Filmempfehlung von Tara Ulrich
Hörbuchempfehlung von Judith Hüwelmeier & Heike Beirle
Buchempfehlung von Anna-Karina Ulbert

Ein Gedanke zu „Die Kupferblau Schmöker-Ecke: Black Lives Matter“

  1. Keine Frage es gibt schwarzen Rassismus. Mich würde nur interessieren wie sieht es um andere Fremdenfeindlichkeit aus. Rassismus gegen schwarze. Klar hier ist alles eindeutig. Doch was ist mit Fremdenfeindlichkeit gegen weiße von weißen. Ich komme aus einem anderen Land und ich habe wegen meiner Herkunft vieles erlebt. Menschen aus meinem Land scheinen Vogelfrei zu sein und es interessiert keinen. In der Schule während des Unterrichts wurde ich wiederholt von Schülern wegen meiner Herkunft beleidigt. Die Lehrerin hat es nicht interessiert. Im Gegenteil es wird auch gefördert, den auch Lehrer machen das gleiche. Gleiches auf dem Arbeitsplatz. Wenn etwas geklaut wurde oder etwas falsch lief war ich immer die erste Adresse obwohl ich es nicht war. So lebt es sich nicht besonders schön wenn ich wegen meiner Herkunft täglich Nachteile in Kauf nehmen muss.

    Vielleicht ist nicht nur Rassismus gegen schwarze ein Problem dieser Gesellschaft ein Problem sondern generelle Fremdenfeindlichkeit.

    Wobei ich eher aktuell den Eindruck habe es gibt Bevölkerungsgruppen gegen die Fremdenfeindlichkeit begrüßt und erlaubt wird und welche gegen die diese geächtet wird.

    Vielleicht sollte endlich mal das ganze Bild betrachtet werden und nicht nur einzelne Leckerbissen, für die sich das Publikum interessiert.

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