Das Coronahandbuch für Studierende – Lockerungen

Hurra, die Welt geht unter! So fühlt es sich zumindest manchmal an. Da könnte man beinahe seine eigentliche Lebensaufgabe vergessen: Student*in sein. Doch geht das überhaupt, während da draußen ein Virus herumgeht und alle zuhause in Jogginghose in Online-Vorlesungen sitzen? Wir von der Kupferblau haben es uns zur Aufgabe gemacht, euch aus dem Isolationstief zu holen. Das Coronahandbuch für Studierende präsentiert euch heute: Die Corona Lockerungen und wie wir damit umgehen.

Ob ihr es glaubt oder nicht: Die Hälfte des Corona-Semesters ist schon vorbei! Und was für ein halbes Semester das war! Statt Mensa-Essen, häuslichen Niederlassungen in der UB und Knie-unter-die-Nase-klemmen in engen Hörsälen gab es Online Seminare, Kontaktverbote und digitalen Uni-Sport. Jetzt, nachdem die Lage sich etwas zu entspannen scheint, werden die strengen Regeln nach und nach gelockert. Was sagen eure Mitstudierenden zu diesen Lockerungen? Ein paar Meinungen haben wir im folgenden Artikel für euch zusammengestellt.

Das hat uns gefehlt

Zunächst hat uns als Redaktion interessiert, wo Corona die größten Einschränkungen im Alltag geboten hat. Die Antworten fielen überraschend undifferenziert aus: Den meisten fehlte nicht Prinz Carl, nicht der Cafeteria-Kaffee und auch nicht die stickige Luft in den Seminarräumen. Nein, wir alle vermissen unsere Freunde. Wir vermissen das gemeinsame Herumhängen, das kurze Schwatzen zwischen Vorlesung und Tutorium und das einvernehmliche Augenverdrehen, wenn…nun ja, wenn es eben angebracht ist.

Darüber hinaus vermissen wir nicht nur unsere Freunde. An Ostern die Familie zu besuchen war dieses Jahr nicht drin. Die Ferien bei den Großeltern zu verbringen war auch eher schwierig. Generell war die eingeschränkte Reisefreiheit eine große Hürde für viele. Da wurden Hotels storniert, Flüge gestrichen und Städtetrips abgesagt. Abgesagt wurden auch Konzerte und Festivals, nicht zu sprechen von der Zwangspause von Kinos und Sportanlagen. Kurz gesagt: Unser ganzes kulturelles Leben wurde aus den Angeln gehoben. Auch das bedeutete eine große Einschränkung.

Zu guter Letzt muss man an dieser Stelle auch all die Studierenden erwähnen, die dieses Semester bei ihren Eltern verbracht haben. Die keinen Grund sahen, in ihrer Studienstadt zu bleiben und in diesen unsicheren Zeiten Sicherheit bei den Eltern gesucht haben. Plötzlich wieder bei den Eltern zu wohnen hat schöne Seiten – man spart Geld, die Wäsche wird gewaschen und man hat jemanden, der sich um einen sorgt – kann aber auch sehr anstrengend sein. Obwohl die Wenigsten von uns noch in der Pubertät sind, es kracht eben manchmal mit Mama und Papa. Da muss abgespült und geputzt werden, und Mittagessen bitte zusammen statt jeder für sich. Ohne Zweifel ist man dankbar für die Zeit und die Fürsorge der Eltern, aber trotzdem. Das Studierendenleben hat man sich wahrlich anders vorgestellt. Irgendwie…unabhängiger.

Aber wem erzählen wir das? Die größten Einschränkungen, die Student*innen genannt haben, wurden aufgezählt – und es wäre ein Wunder, wenn du, liebe*r Leser*in dich nicht mit mindestens einer identifizieren kannst. Es bedarf dazu keiner weiteren Worte.

Lockerungen – und jetzt?

Worum es nun gehen soll, das ist der Wendepunkt, dem wir in der Corona-Krise derzeit begegnen. Nachdem wir uns halbwegs an die Situation gewöhnt haben, Live-Uni-Sport und Brot-Back-Trends ausprobiert haben, kommen Lockerungen auf uns zu. Und mit diesen Lockerungen auch Unsicherheiten. Welche das sind, wollen wir euch darlegen.

Was wir durch Corona gelernt haben? Brot backen wie Oma!

Was darf man nun wieder? Wie viele können sich wo treffen? Was kann man unternehmen? Antworten auf diese Fragen bietet die Website des SWR, die den neusten Stand der Corona-Gesetze unter der Rubrik „Aktuelles“ zur Verfügung stellt: Verschiedene Institutionen werden in diesen Tagen öffnen: Kneipen, Bars und Sportanlagen, darunter In- und Outdoorhallen für Fitness und Yoga, darüber hinaus Kletterhallen, Schwimmbäder und Wellnessbereiche. Alles unter entsprechenden Auflagen natürlich! Außerdem dürfen sich bis zu 20 Personen im Privaten treffen, private Feiern in öffentlichen Räumen heißen maximal 99 Gäste willkommen – die Bediensteten nicht eingeschlossen. Hochzeiten, Geburtstage und Beerdigungen sind also wieder denkbar. 10 Leute dürfen in der Öffentlichkeit zusammen unterwegs sein. Und nicht nur das: Flohmärkte, kleine Sportevents und Messen sollen bald schon denkbar sein. 100 Zuschauer dürfen sich auch wieder vor der Kinoleinwand versammeln. Zu guter Letzt sind und werden Reisen sehr viel leichter. Reisebusse fahren, Hotels öffnen und auch Campingplätze heißen bald schon wieder Besucher willkommen.

Was bedeutet das für uns und euch? Nachdem wir schon wissen wollten, wo Corona euch am meisten eingeschränkt hat, fragen wir uns nun, welche Lockerungen euch nun helfen. Und auch hier fielen die Meinungen recht ähnlich aus: Man freut sich über die Reisefreiheit, denn viele haben Freunde, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe wohnen. Der Sommer steht bevor, und einige schmieden tatsächlich schon Pläne für kleinere Urlaubstrips. Nichts großes, denn das Damoklesschwert der zweiten Welle scheint über aller Zukunft zu schweben. Niemand will enttäuscht werden. Und es muss auch nicht gleich die große Reise sein: Eine Idee kursiert in den Köpfen der Studierenden: Man vermisst Freunde und Verwandte, man vermisst aber auch das Reisen – was läge da näher, als beides zu verbinden? Es werden kleinere Ausflüge zu Onkels und Tanten geplant, hier ein Bootstrip, da ein Museumsbesuch…Oldies, but Goldies!

Und wie finanzieren die durchschnittlichen Studierenden ihre Ferien und Wochenenden? Ganz klar: Mit Jobs in Bars, Bäckereien und Eisdielen. Das ist schon in den letzten Wochen mehr geworden, und es zeichnet sich ab, dass sich unser studentisches Einkommen stabilisieren könnte. Ja, wir stehen mit Masken hinter den Zimtschnecken, und wir verstehen die nuschelnden Kunden noch weniger als sonst, aber egal – ein Stück Normalität ist wiederhergestellt!

Frei auf Abstand 

Last but not least – unsere Freunde! Unnötig zu erwähnen, wie sehr jede*r von uns die sozialen Kontakte vermisst hat. Und jetzt, endlich, kann man sich wieder treffen. Es munkelt, dass das Shooters schon geöffnet hat, und jetzt, wo der Sommer bevorsteht, freuen sich viele auf Bootstouren auf dem Neckar, Picknick im Bota oder auch ganz klassisch mit den Lieblingsmenschen aus der Clique kochen und Wein trinken. Hat das Social Distancing jetzt ein Ende?

Wie eine Pflanze zum Licht hingezogen wird, so sehr brauchen wir unsere Freunde, unsere Hobbies und vieles mehr.

Das ist eine Frage, die wir uns alle stellen. Berechtigterweise. Denn, obwohl wir uns alle über besagte Punkte freuen, es werden auch Zweifel laut. Sind die Lockerungen vielleicht doch zu viel? Geht das alles zu schnell? Man traut dem Braten noch nicht ganz. Die Angst vor einer zweiten Welle ist groß, sehr groß. Sicher, die Freude über die Lockerungen ist riesig, aber ebenso wenig wollen wir die wenigen Freiheiten und Routinen einbüßen, die sich bis jetzt so gut etabliert haben. Wir haben einige von euch vor die Wahl gestellt: Lieber diesen Sommer ganz aufs Freibad verzichten, oder im Juli wieder einen Shut-Down bevorstehen? Ein großer Teil entschied sich für die erste Möglichkeit.

Auch bei Stichworten wie Demo oder Massenveranstaltung wandern die Augenbrauen ganz weit nach oben. Ist das wirklich klug? Sind wir schon so weit? Die Skepsis ist deutlich zu spüren. Nicht wenige geben zu, dass sie die Lockerungen als Privilegien sehen werden, die sie auch als solche nutzen werden: Maßvoll und besonnen. Großveranstaltungen wollen die meisten weiterhin meiden. Statt Reisen ins Ausland werden Trips und Ausflüge innerhalb Deutschlands geplant. Klar, man darf jetzt mehr. Aber sollen wir dieses Dürfen auch wirklich machen?

Es ist doch so: Durch das Dürfen haben wir die Freiheit: Die Freiheit der Wahl. Damit leider auch die Qual der Wahl. Wir müssen selbst entscheiden, ob uns diese Party, diese Demo oder diese Reise das Risiko wert ist. Handeln wir verantwortungsvoll, wenn wir angeschlagen Tante und Onkel besuchen? Müssen wir zweimal am Tag einkaufen gehen, oder können wir die Supermarktbesuche weiterhin gering halten? Ist Netflix und Chillen nicht nur klüger, sondern auch gemütlicher als Kino? Und – nebenbei bemerkt – auch günstiger? Ein Abend bei Freunden ist doch eigentlich kommunikativer als eine Nacht im Club – warum also nicht doch lieber in kleiner Runde zusammen kochen?

Das sind Fragen und Überlegungen, denen wir uns in Zukunft stellen müssen. Ob eine zweite Welle bevorsteht oder nicht, das liegt nur zum Teil bei der Regierung und ihren Entscheidungen. Das liegt auch bei uns. Möglicherweise sogar hauptsächlich bei uns. Wir sind es, die jedes Mal aufs Neue eine Wahl treffen müssen.

Deswegen soll am Ende dieses Artikels auch ein Appell stehen: Corona hat uns erst eingeschränkt. Dann haben wir uns daran gewöhnt. Jetzt gibt es Lockerungen, die uns den alten Alltag wieder näherbringen können – sie können ihn aber auch auf lange Sicht erneut in unerreichbare Ferne schieben. Denkt daran, wenn ihr eure Entscheidungen trefft. Handelt weiterhin besonnen. Lockerungen sind kein Freifahrtsschein. Sie sind ein Privileg. Nutzt es klug und weise. Und wenn ihr es nutzt, dann nutzt es in vollen Zügen, genießt es mit allen Sinnen und sammelt möglichst viele Erinnerungen!

Fotos: Clara Eiche, Sinem Tuncer (Titelbild)

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