Schlagwort-Archive: Wintersemester 2010/11 (Heft 24)

Arno Luik – Verfechter der vierten Gewalt?

Sein Ton gilt als hart, seine Fragen als scharf und respektlos. Und doch sahnt Arno Luik einen Preis nach dem anderen ab – zuletzt den Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen. Luik, seit 2000 Autor beim Stern, gerät immer wieder in Konflikte mit seinen Interviewpartnern – vielmehr: Fordert sie heraus. Bei seinem Besuch an der Uni Tübingen konnten sich die Studenten ein eigenes Bild von ihm machen.

Von Christine Deder

„Polemisch“, nennt ihn Martin Walser, der von ihm in einem Interview des linken Stammtisches bezichtigt wurde. „Eine Frechheit“ schimpft Reinhold Messner, der sich durch ihn des Mordes an seinem Bruder angeklagt fühlt. Die Rede ist von Stern-Autor Arno Luik, der in letzter Zeit vor allem durch seine stark meinungsbetonten Artikel über das Bahnprojekt Stuttgart 21 auffiel. Doch nicht alle teilen die Meinung der beiden Betroffenen. Vor allem nicht Luik selbst – Polemik sei höchstens ein „Akt der Notwehr“, seine Interviews „intelligent gemachte Unterhaltung“ und überhaupt sei es seine Aufgabe, „den Mächtigen auf die Finger zu schauen“.

Was steckt hinter dem Phänomen Arno Luik?

Am 29. November 2010 hatten die Studenten der Medienwissenschaft die Möglichkeit, dieser Frage nachzugehen. Im Rahmen des Seminars „Dialogformen in Massenmedien“ bei Prof. Dr. Bernhard Pörksen setzten sie sich intensiv mit den Werken Luiks auseinander, was schließlich im Besuch des Star-Interviewers an der Uni mündete. Doch alles Geheimnisvolle, das Luik umgab, die Frage nach dem Grund seiner besonderen Interviewtechnik, war schnell verpufft. Anekdoten wirkten wie auswendig gelernt, wirklich Neues konnten die bereits vorbereiteten Studenten nicht erfahren.

Mehr Schein als Sein

Spannung versprach dafür die anschließende Fragerunde, vor allem Luiks Antworten waren in gewisser Weise sehr aufschlussreich. Auf die Frage hin, ob er nicht lieber für ein Boulevardblatt schreiben sollte, wich er scherzhaft aus: „Der Stern ist doch in gewissem Maße ein Boulevardblatt.“ Für seine Ablehnung gegenüber „Stuttgart 21“ nannte er beinahe ausschließlich private Gründe. Wer die Artikel aus dem Stern kennt, fragt sich, ob man in so einem Falle überhaupt noch von Objektivität – der obersten Prämisse eines jeden Journalisten – sprechen kann.

Der Charme des Authentischen

Luik betonte in seinem Vortrag immer wieder sein Ziel, den Mächtigen des Landes überraschende Aussagen zu entlocken, die wirklich etwas über ihre Persönlichkeit verraten. Er nennt das den „Charme des Authentischen“. Während der Diskussion kam eine weitere Frage auf: Erschafft Luik mit seinen scharfen, vorwurfsvollen Fragen, durch die sich seine Interviewpartner in die Ecke gedrängt fühlen, nicht viel mehr ein fiktives Konstrukt von einem Menschen als ein tatsächlich authentisches Porträt? Nein, antwortete Luik grinsend, und verzichtete auf jegliche Rechtfertigung – eine Strategie, die sich seine Interviewpartner durchaus einmal von ihm abschauen könnten.

„Dich schickt der Himmel!“

Highfield, Southside, summerbreeze… – Festivals sind für viele junge Leute fester Bestandteil der Sommersaison. Der Haken: Die Kosten! Die Lösung: Arbeit mit Vergnügen verbinden – mit Ferienjobs auf Festivals! „Catering auf Großveranstaltungen“ nannte sich ganz harmlos das Angebot, dank dem es unsere Autorin, eher dem Genre alternatives Blumenkind zuzuordnen, auf eines der größten Metalfestivals Deutschlands verschlug. Was sie als Kaffeefee inmitten bär(t)iger Metalheads erlebte, könnt ihr hier nachlesen…

von Rena Föhr

Kolossal ist das erste, was mir bei seinem Anblick durch den Kopf schießt. Seine Statur: Zwei Meter und zwei Zentner. Sein Mantel: Schwarz. Ledern. Bodenlang. Sein Haar: Wallend. Ein pechschwarzer Vorhang. Und darunter zwei blaue, verschlafene, doch durchaus freundliche Augen. Strahlend-sanft, ja nahezu religiös-verklärt scheint der Blick durch den schwarzen Vorhang. „Dich schickt der Himmel!“, juchzt der Koloss schließlich entzückt. Innerlich seufze ich erleichtert auf, während ich frischen, dampfenden Kaffee in einen Becher fülle. Catering auf Großveranstaltungen – was wie ein allzu normaler Studentenjob anmutet, erhält auf Festivals eine ganz neue Dimension. Aufstehzeit: 5.00 Uhr. Einsatzfeld: Keine schicke Bar, sondern der Zeltplatzdschungel. Arbeitsausrüstung: Nicht etwa Tablett und Block, sondern ein Wanderrucksack, umgebaut zu einem mobilen Kaffeeautomaten. Ein bisschen mulmig war mir ja schon gewesen vor der Aufgabe, riesigen furchteinflößenden Gestalten Kaffee schmackhaft machen. Jedoch, ganz ohne Ironie: Es fängt ja mal gut an!

Also auf zur nächsten potentiellen Kundschaft. Die besteht aus einer Crew von sieben langmähnigen Schweizern. Neben steilem Umsatz bringt mir diese Begegnung auch noch ein ganz besonderes Kompliment ein. „Ja mei, weißt…“ sinniert ein blondgelockter Bär aus dem Nachbarland, „iach find dein Dialekt wirkli so lustiach!“ Danke, gleichfalls! Die netten Gesellen melden sich bald wieder. Doch nicht nur um Nachschub werde ich diesmal gebeten, sondern auch um Umweltbewusstsein – „in dieselben Becher noch mal. Wir sind Naturfreunde!“ Die nächsten Kaffeejunkies wiegen in etwa zehn mal so viel wie mein voll beladener Kaffeerucksack, will heißen, sie sehen mal wieder sehr… äh… massiv aus. „Kannst scho näherkommen, wir sind nur zwei halbnackte Metaller!“, dröhnt es beruhigend aus dem Zelteingang. Mein Lächeln verwandelt sich in ein Prusten, als ich sehe, dass beim Attribut „halbnackt“ auch Eier in Bodenhaltung, die aus der legeren Unterbekleidung herausbaumeln, inklusive sind…

Nicht zu vergessen: Die Gäste aus den neuen Bundesländern. Ein Wohnwagenkomplex aus Thüringen sowie eine Zeltkommune aus dem Dresdner Umland sorgen sich sogar um mein leibliches Wohl! „Sag mal, trinkst du auch genug?“, fragt mich besorgt ein schwarzgekleideter Sachse. „Das ist wischtisch bei dieser Hitze! Wir hädde Energydrinks und africola. Nimm dir was mit, Mädel!“ Sehr international geht es übrigens zu. Neben zahlreichen Holländern (meist ganz klischeedienlich samt Wohnwagen) sind auch ein paar italienische Rocker am Start. Sie wollen Espresso und das einzige, was sie auf Deutsch artikulieren können: (Meine) Telefonnummer. Die kriegen sie nicht, denn ich muss mich nun um zwei erstaunlich zarte Franzosen kümmern, die sich mit café au lait das Früstück versüßen lassen wollen.

Kaffeefeeee!“ schallt es mir auch noch Stunden später lieblich hinterher, als die Sonne und die Temperaturen weit gestiegen sind und ich eher schwerfällig-schweissdurchtränkt über den Acker stapfe. Also, wie jetzt – Love and Peace auf einem Metalfest? Nun ja. Ton und Typen sind natürlich manchmal etwas rau – aber eigentlich nur untereinander. Ich bekomme davon so gut wie nie etwas ab. Ich in meinem bunten Hippiekleidchen bin die Kaffeefee, die der Himmel schickt. Die Prinzessin der dunklen Bären. Und da kommt mir schleichend, aber unabwendbar die Erkenntnis: Metaller sind zuckersüß!

 

Unsere Redakteurin arbeitete auf dem summerbreeze-Festival als mobile Verkäuferin bei der Firma Goldkorn. Diese bietet verschiedene Arten von Festival-Jobs: Man kann auch im Thekenverkauf, als Fahrer/in oder – nach entsprechender Erfahrung – in der Verkaufs-/Produktionsleitung tätig werden. Weitere Informationen gibt es unter www.goldkorn.org.