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durchgeblättert: Die Hausfrau und der Vollblutdichter

In jedem zweiten Haus in der Altstadt scheint schon mal ein berühmter Schriftsteller gewohnt zu haben. Doch wie genau war ihr Leben in Tübingen? Eine Übersicht in fünf Teilen. Teil 2: Mörike und Wildermuth – Der eine träumt, die andere wäscht sich durch Tübingen.

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„Wer hat denn da geknallt?“

Der Urknall und die Gottesfrage: Ein Thema, das in den Naturwissenschaften aber auch in der Theologie viel diskutiert und umstritten ist. Professor Dr. Thomas Schimmel aus Karlsruhe brachte aus physikalischer Sicht Licht ins unendliche Dunkel.

Nicht nur für Physiker, Philosophen und Theologen, sondern auch für Laien ein vielversprechender Abend. Der angesehene und reich prämierte Physiker vom Karlsruher Institut der Technologie (KIT) Thomas Schimmel füllte vergangenen Donnerstag den größten Saal des Kupferbaus. Gleich zu Beginn wurde klar: Physik muss nicht trocken und langweilig sein. Mit einigen Anekdoten, Gedankenexperimenten und Metaphern ließ Schimmel den Zahlennebel seiner Kollegen hinter sich.

„Woher kommt das Universum?“

So wie das menschliche Leben ganz klein und unscheinbar beginne, so sei auch das Universum entstanden: Am Anfang war ein winziger Punkt, in dem alle Masse und Energie versammelt gewesen und dann plötzlich explodiert ist. Das Resultat ist das Universum und unsere heutige Welt. Aus dieser Zeit, so Schimmel, stammt die kosmische Hintergrundstrahlung, die 2003 von John Mather und George Smoot (Nobelpreis 2006) nachgewiesen wurde. Daran anknüpfend fragt Schimmel: „Wer hat denn da geknallt?“, oder anders ausgedrückt: „Woher kommt das Universum?“. Aus eigener Erfahrung schildert Schimmel, dass er und seine Kollegen zwar immer wieder neue Naturgesetze entdecken beziehungsweise erkennen würden, doch seien diese schon davor vorhanden gewesen – auch ohne Wissen der Menschen. Die Naturwissenschaft entdecke, schaffe aber keine Gesetze.

Reise in den unendlichen Kosmos

Betrachte man das Universum und seine Naturkonstanten, die unser Leben erst ermöglicht hätten ganz genau, so beschleicht einen schnell der Verdacht, dass dies nicht nur Zufall sein könne. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Feinjustierung der Konstanten sei so präzise, wie wenn ein Scharfschütze von der Erde auf ein Ein-Cent-Stück zielen müsste, das sich am anderen Ende des Universums befinde. „Ein ganzes Universum extra für uns? Wow! – Manche werden bereits rot“, sagt Schimmel und das Publikum hängt an seinen Lippen.

Von der Mikro- zur Makroebene oder besser gesagt bis an die Grenzen des Universums: Schimmel zeigt Schnappschüsse des Jupiters mit seinen braunen Gaswolken; die Sonne in Infrarotaufnahme; eine Galaxie in Form eines Pferdes. Alles in allem „wunderschöne Lichteffekte“ und er fügt noch hinzu: „Es hat schon etwas von Science-Fiction. Es ist aber nicht Fiction, sondern Science.“

Vom Staunen zum Glauben

Den letzten Teil seines Vortages wendet Schimmel ins Existenzielle. Alle diese faszinierenden und großartigen Eindrücke münden in eine nüchterne Erkenntnis: „Wir ahnen nur mit unseren Methoden, was hinter dem Schleier stecken mag – und staunen. Wir sehen doch nur die Schatten an der Wand und verstehen lediglich schemenhaft.“

Und so seien es nicht die Menschen, welche die Frage nach dem Woher des Universums und nach dem eigenen Sein endgültig beantworteten, sondern Gott. Konkret sei dies in Jesus Christus geschehen. Professor Schimmel schließt sein intelligentes und plausibles Plädoyer mit den Worten des Begründers der Quantenphysik Max Planck: „Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander.“