Schlagwort-Archive: Studentenleben

K’furt – eine Langzeitstudie

Während in Tübingen Tag für Tag das bunte Treiben herrscht, vergisst der Tübinger oft ein einsames, stilles Völkchen, weit hinter den sieben Bergen. Ein unbeugsames Dorf lebt dort vor sich hin, fernab jeglicher Zivilisation. Einige werden den fernen Ort kennen, den ich meine: Kirchentellinsfurt. Noch nie gehört? Zwei Jahre lang habe ich dort ge- und überlebt. K’furt – eine Langzeitstudie weiterlesen

durchgeblättert: Tübinger Märchen, Tübinger Politik

In jedem zweiten Haus in der Altstadt scheint schon mal ein berühmter Schriftsteller gewohnt zu haben. Doch wie genau war ihr Leben in Tübingen? Eine Übersicht in fünf Teilen. Teil 4: Der dichtende Politiker und das früh verstorbene Genie.

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Das Glas ist halbvoll: Der Bierkeller bleibt!

Es gibt eine Chance für den legendären Bierkeller. Wie es weitergehen könnte, wurde im Rahmen eines offenen Treffens am Mittwochabend gemeinsam erörtert.

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Gute Vorsätze – Schlechte Vorsätze

Weg mit den Glimmstängeln, her mit Gemüse. Weg mit dem Koffein, ab geht’s Joggen! Ein Monat des neuen Jahres ist fast rum und die meisten Vorsätze für 2016 schon wieder vergessen. Was an Silvester im Alkoholrausch noch laut heraus posaunt wurde, ist nun längst schon kleinlaut gebrochen worden. Warum fassen wir trotzdem jedes Jahr neue Vorsätze, um sie dann schließlich wieder nicht einzuhalten? Gute Vorsätze – Schlechte Vorsätze weiterlesen

„Einer muss aufgeben, sonst ist bald wirklich Krieg“

Steckbrief-Kupferblau

In der Ostukraine wird gekämpft. Die eine Seite bilden ukrainische Truppen verbündet mit Freiwilligenmilizen, die andere von Russland unterstützte Milizen und – was Moskau bestreitet – russische Truppen. Die letztgenannte Seite will die Ostukraine vom Rest des Landes abspalten und in die russische Föderation eingliedern; die ukrainische Armee will dies verhindern. Die Kämpfe begannen im Februar letzten Jahres; angesichts der stetigen Eskalationen sprechen (spätestens) seit August 2014 viele von einem Krieg. 

Eine andere persönliche Sicht auf das Geschehen haben die Tübinger Studierenden namens Nikita Timofeev-Zakharov und Vlad Lensky; sie sind in Russland beziehungsweise der Ukraine aufgewachsen.  Im Interview sprechen sie über ihre Ansichten, ihre Verwandten und Freunde aus der Heimat und auch davon, was in den großen Medien ihrer Herkunftsländer zum Thema verbreitet wird.

Kupferblau: Nikita/Vlad, was genau passiert in der Ostukraine?

Nikita Timofeev-Zakharov: Ich sehe dort eine Krise, die sich immer weiter zuspitzt. Wenn nicht eine der beiden Parteien bald aufgibt, wird früher oder später Krieg sein. Und das will niemand.

Vlad Lensky: Laut den ukrainischen Journalisten herrscht dort „ukrainisch-russischer Krieg“. Für mich persönlich ist es – noch – ein Konflikt. Mit meiner Herkunft bin ich da natürlich nicht nur rational.

Kupferblau: Kämpfen russische Soldaten in der Ostukraine, offiziell vom Kreml entsandt?

Nikita T.-Z.: Nein. Es hieß, es gab 3-5 russische Soldaten, die dort gekämpft haben und gestorben sind, mehr nicht. Wären dort mehr, hätte es in dieser Krise insgesamt schon viel, viel mehr Tote gegeben. Dann wären auch die USA schon längst involviert, hätten Truppen geschickt.

Vlad L.: Es kommt auf jeden Fall Hilfe von außen. Anders wären Donezk und Luhansk (die beiden Hochburgen der prorussischen Separatisten in der Ostukraine – d. Red.) schon längst wieder in der Hand der ukrainischen Armee; alleine sind die Separatisten ihr zahlenmäßig klar unterlegen.

Kupferblau: … und wie sieht es mit Waffenlieferungen aus Russland aus?

Nikita T.-Z.: Waffen wurden geschickt, das sagen auch meine Moskauer Verwandten. Präsident Putin bestreitet das ja.

Vlad L.: Russland hat Waffen geschickt, auch Panzer, da bin ich mir sicher. Das wird bestimmt auch bald bewiesen werden.

Kupferblau: Wie ist deine Meinung zur aktuellen ukrainischen Regierung?

Nikita T.-Z.: Ich traue ihr nicht so ganz; sie kam im Chaos an die Macht. Arsenij Jazen-juk (der aktuelle ukrainische Ministerpräsident –Anmerkung d. Red.), das ist für mich ein Nazi, und manch anderer Politiker dort auch. Speziell in der Westukraine gibt es viele Bürger, die grundsätzlich ähnlich denken wie diese Politiker. Manche dieser Menschen haben Angst vor uns Russen; wieder andere sind generell immer gegen uns. Letzteres sehe ich übrigens teilweise auch hier in Deutschland, zumindest in den alten Bundesländern.

Vlad L.: Gut. Aber sie hat es natürlich schwer. Die politische Lage ist kritisch, und das schon seit November 2013, als Janukowytsch (der damalige ukrainische Präsident – Anmerkung d. Red.) das Assoziierungsabkommen mit der EU eingefroren hat. Da kamen ja dann die Aufstände auf dem Maidan (Proteste von Hunderttausenden Ukrainern im Zeitraum November 2013 bis Februar 2014 gegen die damalige ukrainische Regierung; der Maidan ist ein Platz in Kiew – Anmerkung d. Red.). Ich kenne Leute, die da dabei waren.

Kupferblau: Wie siehst du das umstrittene Referendum auf der Krim vom März 2014? Laut offiziellen Angaben stimmten dabei 96,77 % der Bewohner der damals ukrainischen Halbinsel Krim für einen Anschluss an Russland, der kurz darauf vollzogen wurde.

Nikita T.-Z.: Das war legitim, warum auch nicht? Die Krimbewohner wollten zu Russland, ihnen geht es jetzt besser. Die Ostukrainer sehen das übrigens ähnlich. Von ihnen sind einige mittlerweile in Russland, sie sind wegen der Kämpfe dort hin geflohen, haben Asyl beantragt und bekommen – laut den russischen Medien bereits 730.000 Menschen.

Vlad L.: Das Referendum war gefälscht; die Krim wurde annektiert. Manche Ukrainer meinen, Putin hätte das schon jahrelang geplant. Zu den Krimbewohnern: Meine Bekannten in Odessa sagen, es gibt dort eine kleine, aber relativ gefährliche linksradikale Gruppe; die hätten es, so meine Bekannten, den Separatisten früher oder später nach-gemacht. In dem Fall sähe es auf der Krim jetzt genauso aus wie in Donezk und Luhansk. Man könnte also sagen, es war die friedlichere Lösung so – ich bin da noch unentschieden.

Kupferblau: Sprechen wir über das malaysische Verkehrsflugzeug MH17. Es startete am 17. Juli 2014 mit dem Ziel Kuala Lumpur in Amsterdam, wurde bald darauf über dem Luftraum um Donezk von einem Flugobjekt getroffen, wobei sämtliche 298 Insassen starben. Das Flugobjekt war – nach aktuellem Stand der Ermittlungen – eine Boden-Luft-Rakete; als Täter verdächtigen viele die Separatisten. Was wird in den Medien eurer Länder dazu verbreitet?

Nikita T.-Z.: In den Medien in Russland hieß es zunächst, die Rakete kam von der ukrainischen Armee, und später, von den prorussischen Separatisten; diese hätten das Flugzeug für ein militärisches gehalten, eins ihrer Gegner. Somit wäre es ja ein Unfall gewesen – ein schrecklicher natürlich.

Vlad L.: Die Separatisten waren es, tatsächlich, so wird es in den ukrainischen Medien verbreitet und: Die Täter hätten zuvor gewusst, dass es nur ein Verkehrsflugzeug ist. Noch mal zu meinen Bekannten in Odessa: Die meinen, die Separatisten hielten es vielleicht auch für ein Militärflugzeug.

Kupferblau: Noch eine Frage nur an dich, Nikita: Wie siehst du die allgemeine politische Lage in deinem Heimatland?

Nikita T.-Z.: Eine Demokratie im westlichen Sinne hat Russland nicht; es gibt aber Pressefreiheit*, also ist es auch keine Diktatur. Seitdem ich die politischen Entwicklungen verfolge, sehe ich eine Art Übergangszustand. Meines Erachtens dauert der schon seit dem Mauerfall an. 25 Jahre, das ist nicht so viel, wie manch ein Mensch aus der „westlichen Welt“ glauben mag. Die älteren Russen sind größtenteils unzufrieden mit der aktuellen Lage; sie wünschen sich den Kommunismus zurück. Meine russischen Großeltern tun das auch.

* Anmerkung des Redakteurs: Moskau diskutierte im Herbst letzten Jahres über die Verabschiedung eines landesweiten Gesetzes, das ausländische Medienbeteiligungen auf 20 Prozent begrenzen sollte. Unabhängig davon berichtete der „Spiegel“ bereits im Jahre 2006, es habe in Russland in den vergangenen 14 Jahren 42 Journalistenmorde gegeben. Laut Angaben des Blattes lag das Land damit weltweit auf Platz drei der gefährlichsten Staaten für Reporter, nur noch übertroffen vom Irak und von Algerien. Präsident Wladimir Putin, seit 2012 und auch schon von 2000 bis 2008 im Amt, wird beschuldigt, regierungskritische Journalisten gezielt verfolgen und töten zu lassen. Als Symbol für diese Verfolgung gilt der (noch nicht vollständig aufgeklärte) Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober 2006 in Moskau.

– Die Interviews unabhängig voneinander geführt-

„Studierendentheater“ am LTT

Riesiges Angebot an Theateraufführungen im LTT, Theatersport für das Publikum. Was wenn ich die andere Seite des Theaters kennenlernen und den Bühnenolymp erklimmen will? Lohnt sich das überhaupt, wo jeder Student heute über zu wenig Zeit klagt?

Im Interview ist Miriam Rösch, die uns einen Einblick in das LTT-Angebot für Studierende biete

Bitte stellen Sie sich kurz unserem Lesepublikum vor:

Mein Name ist Miriam Rösch ich bin  35 Jahre alt, habe 8 Jahre bei den Wuppertaler Bühnen als Theaterpädagogin für Musik-und Sprechtheater gearbeitet und bin seit dieser Spielzeit neu am Landestheater Tübingen (LTT) und zuständig für die Theaterpädagogik für den Abendspielplan.

Gibt es für Studierende ein Angebot des LTTs – ein Studententheater?

Schon seit einigen Jahren gibt es das sogenannte LTT – Labor, welches sich besonders an Studierende richtet. In diesem „Labor“ untersuchen wir spielerisch das Medium Theater.
Darüber hinaus gibt es seit dieser Spielzeit neu die LTT – Akademie. Einmal im Monat treffen sich hier Menschen (nicht nur Studierende), um sich über das Theater und ihre Wünsche an dieses auszutauschen.

Wie kann ich beim Club für Studierende einsteigen oder mitmachen?

Wir treffen uns immer montags – Startschuss war am 20.10 – gerne können aber auch noch Interessenten dazukommen. Einfach nachfragen.

Was benötige ich für den Einstieg als Voraussetzung?

Nur Neugierde und die Bereitschaft mitzumachen. Erfahrung mit Theaterspielen ist nicht nötig.

Wann habt ihr eure Probenzeiten?

Wir Proben montags von 19 – 22 Uhr auf einer Probebühne im LTT.

Die wöchentlichen Proben werden vermutlich jedoch nicht ausreichen, zumal ja in den Semesterferien wahrscheinlich nicht regelmäßig geprobt werden kann. Es wird bestimmt, in Absprache mit der Gruppe, Probewochenenden geben.

Wenn mir das Theaterspielen im Club für Studierende gar nicht zusagt?

Dann kann man natürlich wieder aussteigen. Die ersten Treffen stehen aus diesem Grund auch unter dem Motto „Kennenlernen“, da kann man reinschnuppern und ausprobieren, ob man genug Spaß hat, um dabei zu bleiben.

Gibt es eine Grenze der Gruppengröße für den Club der Studierenden?

Ich habe keine feste Obergrenze, beim ersten Treffen waren 14 Leute da, was mich sehr gefreut hat. Vielleicht kommen noch ein paar dazu, die Erfahrung zeigt, dass immer mal auch wieder Leute abspringen.

Was passiert mit dem Ende des Projekts?

Geplant ist, am Ende der Spielzeit (und des Sommersemesters) 2-3 Aufführungen im LTT zu haben und im nächsten Wintersemester geht es dann mit neuem Thema wieder los.
Wie wird das Thema für die Theatergruppe festgelegt?

Mein Plan ist es, mit der Gruppe gemeinsam ein Thema zu suchen, was uns alle interessiert. Ob wir dann selbst Texte schreiben oder zu dem Thema Texte finden oder es eine Mischung wird, das kann ich noch gar nicht sagen. Ich gehe nicht als „Regisseurin“ mit einem festen Plan an die Sache ran, sondern möchte mit der Gruppe das Stück entwickeln.

Woher kam die Idee und Entwicklung für einen Club für Studierende?

Tübingen gilt als „Studentenstadt“, ungefähr ein Drittel der Bewohner Tübingens sind Studierende. Da liegt es nahe, auch für diese Bevölkerungsgruppe Angebote zu machen.
Wir haben ja auch Kinder-und Jugendclubs am LTT, sowie Angebote für Erwachsene und Senioren.

Werden bei den Spielerinnen und Spielern im Club der Studierenden auch Fähigkeiten gefördert?

Es geht vorrangig darum, ein Stück zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen.
Dabei werden aber, quasi automatisch, verschiedene Fähigkeiten gefördert: auf Andere zugehen, sich mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzten, sich ausdrücken, vor Anderen sprechen, um nur einige zu nennen.
Ich mache aber nicht für die einzelnen Mitspieler ein „Trainingsprogramm“.

Nur 14 Personen obwohl Tübingen über 20.000 Studierende verfügt.  Der Andrang ist ganz schön wenig, oder?

Das stimmt natürlich, aber nicht jeder Mensch, der sich prinzipiell fürs Theater interessiert, spielt auch gerne selber.
Wir haben ja auch noch andere Angebote für Studierende. Im November findet wieder der „Kulturrausch“ statt: Vom 20. bis zum 23. November bezahlen Studierende nur 6€ für die in diesem Zeitraum laufenden Vorstellungen im LTT. Außerdem gibt es an diesen Tagen ein großes Rahmenprogramm: Stückeinführungen und Nachtgespräche, eine Filmvorführung und eine Party.
Genaues zum Kulturrausch und alles Anderer rund um das LTT kann man uns auch am 18.11 in der Mensa Wilhelmstraße und am 19.11. in der Morgenstelle fragen, wo wir jeweils mit einem Stand vertreten sein werden. Da kann man dann auch die sogenannte Semestercard erwerben, mit der man unschlagbar günstig Karten für unsere Vorstellungen bekommt.

Welche Variante wird verwendet: Klassisches Theater oder auch Improvisationstheater?

Ganz viel wird aus der Improvisation heraus entstehen. Wir werden aber keinen klassischen Theatersport machten.

Deine Erfahrung mit Studierenden und Jugendlichen im Theater?

In Wuppertal habe ich zwar regelmäßig Workshops für Referendare gegeben, aber eine eigene „Studierendengruppe“ hatte ich nicht, das ist für mich auch neu und spannend. Ich freue mich sehr darauf!
In meinen bisherigen Gruppen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so zwischen 14 und 20 Jahren alt.

Für weitere Informationen zum LTT – Akademie, zum Kulturrausch und allen weiteren Angeboten des LTT können sich die Wissensbegierigen und Nachwuchschauspieler informieren unter:
www.landestheater-tuebingen.de zu finden.

Ihr habt Lust auf den Studierendentheaterclub? Einfach Mail an Miriam Rösch:                 roesch@landestheater-tuebingen.de