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Das Uniliga Urgestein und die jungen Wilden

Bevor sich die Fußballwelt samstags um Abstiegskampf, Aufstieg und Meisterschaft in den deutschen Profiligen dreht, kämpfen Tübinger Hobbyfußballer in der Uniliga Semester für Semester um die traditionelle Uniligameisterschaft.

Alexander Leyh, Organisator der Uniliga, sitzt am Spielfeldrand und erzählt von seiner Anfangszeit in Tübingen: Von 1987, von diesem Fußballturnier, durch das er hier Anschluss fand – bis plötzlich ein Spieler nach einem Kopfballduell am Boden liegen bleibt. Die Nummer 89 des Turnierfavoriten Rote Kapelle Besenrein bedeckt mit den Händen sein Gesicht, schreit vor Schmerzen. Alexander Leyh verstummt. Die sorgenvolle Miene weicht, als dem Spieler langsam aufgeholfen wird und er nach ein paar wankenden Schritten im vollen Tempo die gegnerische Abwehrreihe anläuft. Fairness und Verantwortung füreinander sind wichtige Grundzüge des Unicups, an die sich alle Teams halten. „Wir wollen einfach Fußball pur“, kommentiert das Uniliga Urgestein den Zwischenfall und das Spiel ist wieder in vollem Gange.

Das Spieltempo variiert zwischen Kreisliga und Champions League.

Fairness, Verantwortung und Fußball pur

Das Fußballturnier, das im Rahmen des Hochschulsports ausgerichtet wird, hat eine lange Tradition, die bis in die 1980er Jahre zurückgeht. Die zwei Turnierrunden finden parallel zum Semester statt. Nach der Gruppenphase, die in den ersten Monaten stattfindet, wird eine K.O. Phase ausgespielt. Im Sommer geschieht das auf den Sportplätzen am Sportinstitut, im Winter in den Hallen an der Wilhelm-, sowie Alberstraße. Anmelden kann sich jeder, der einen Torwart und sechs Feldspieler zusammentrommelt.

Die Teams sind bunt durchmischt. „Zum einen gibt es Dauerbrenner wie Terra Rossa, die aus der Fachschaft Geografie hervorgeht und seit den 80ern dabei ist“, sagt der Organisator. Die lange Tradition zeigt sich im Altersschnitt der Mannschaft, der gelegentlich 50+ beträgt und sich im Sommer in der Fitness der Mannschaft widerspiegelt. Der zweite Dauerbrenner ist das „Kommando Horst Hrubesch“. Mitte der 90er fanden sich mehrere Bewohner der Wagenburg und verschiedener Wohnprojekte zusammen. Bis heute gehören beide Teams zum Kreis der Favoriten. Neben den Altmeistern gibt es natürlich aktuelle Studierende, die aus Fachschaften oder Kumpels verschiedener Tübinger Bolzplätze bestehen. „Meist bestehen die Mannschaften mehrere Jahre, man lernt sich kennen und schätzen“, beschreibt Alexander Leyh das Teilnehmerfeld.

Leyh, 54, verhilft der Position des Liberos zu einer Renaissance.

Mittlerweile ist das Turnier im vollen Gange. Das „World Soccer Team“, eine Mannschaft die aus Geflüchteten, Erasmus- und Tübinger Studierenden zusammengesetzt ist, steht „l’equipe“ gegenüber. Beide Teams spielen in ihrer Freizeit mit- und gegeneinander. Wenn Not am Mann ist, springt man gerne beim anderen Team ein. Auf ein hartes Tackling folgt keine Streiterei. Man hilft dem anderen auf, ein kurzes Shakehands und das Spiel folgt wieder seinem hohen Tempo. Für Alexander Daniel Klenk, der über mehrere Semester mit vielen Teams teilgenommen hat, stehen der Unicup und sein Organisator für mehr als nur ein Fußballturnier:

„Der Unicup und Alex Leyh verkörpern die gute Fußballseele des Hochschulsports und seltene gewordene Tugenden wie Fairplay, Teamgeist und Freude am Kicken.“

„Wir sind ein Low-Budget-Projekt“, scherzt Leyh, der den Unicup ehrenamtlich und ohne externe Sponsoren organisiert. Professionelle Unparteiische gebe es in der Uniliga nicht. Die Teilnehmer des Turniers, die gerade eine Spielpause haben, fungieren als Schiedsrichter. Dadurch übernehme jeder Teilnehmer Verantwortung und man zeige bei strittigen Entscheidungen auch mal etwas mehr Toleranz.

„Ehrenamtseinsatz, Fairplay, Teamgeist und Freude am Kicken“

Nach vier Stunden, zwölf Partien und unzähligen Toren verlassen auch die letzten Teams die Halle. Man verabschiedet sich, bedankt sich für das Organisieren und wünscht sich frohe Feiertage. Einige Teams werden erst wieder in der Endrunde im Januar und Februar 2018 aufeinandertreffen. Auf die Frage, warum man so ein zeitaufwendiges Turnier in seiner Freizeit organisiert, antwortet Alex: „Wegen der durchwegs positiven Rückmeldungen, den jungen und alten Teams, des Miteinanders, Mitorganisierens und natürlich des Mitspielens“.

Die diesjährige Endrunde inklusive Siegerehrung findet am 3. Februar ab 11:30 in der Sporthalle Alberstraße statt.

Informationen über die Anmeldung und Termine findet ihr unter: http://bit.ly/2yNfLQp

Fotos: Thomas Dinges

 

Interview Knut Kircher: Über Videobeweis, Familie und Uni Tübingen (2)

Knut Kircher hat viele Aspekte des Lebens gesehen: Der gebürtige Tübinger war lange Zeit in drei verschiedenen Lebenswelten unterwegs. Am bekanntesten ist er wohl für seine frühere Tätigkeit als Bundesligaschiedsrichter. Interview Knut Kircher: Über Videobeweis, Familie und Uni Tübingen (2) weiterlesen

Interview Knut Kircher: Von Tübingen in die Bundesliga (1)

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Endlich!

Das letzte Heimspiel der Saison ist in aller Regel für Teams, für die es um nichts mehr geht, eine gute Chance, für einen versöhnlichen Saisonabschluss vor den eigenen Fans zu sorgen. Für die Walter Tigers ging es im Vorfeld des Sieges gegen Braunschweig sogar um mehr, es ging gegen die historisch schlechteste Heimbilanz. Endlich! weiterlesen

Ein entspanntes Trainingsspiel

Tübingen durch, Bamberg in Top-Form: am gestrigen 30. Spieltag der easycredit BBL durften die Gäste in der Paul Horn Arena ein munteres Match mit einem deutlichen 75:87-Auswärtssieg erleben. Für Tübingen geht es dabei nur noch um die goldene Ananas, Bamberg macht einen großen Schritt Richtung Platz 2.

Dass den Walter Tigers seit dem Heimsieg gegen Vechta eigentlich nichts mehr passieren kann, ist seit Wochen bekannt, wurde auch mehrfach so geschrieben und selbst von kritischen Fans abgesegnet. Zu deutlich war bisher der Klassenunterschied zwischen den Aufsteigern aus Niedersachsen und dem Rest der Liga. Doch erst seit Mittwochabend können auch die pessimistischsten Rechenschieber zur Seite gelegt werden, denn durch den deutlichen Heimsieg der Braunschweiger über Vechta, kann die Liga auch fest mit Erstliga-Basketball in Tübingen planen. Zumindest, wenn weiterhin Gäste wie Brose Bamberg die Universitätsstadt am Neckar besuchen.

Die Gäste aus Bayern begannen wie erwartet couragiert und konzentriert. Schnell wurden die Weichen auf Sieg geschalten und die Führung nach 18 Sekunden durch einen Freiwurf von Vladimir Veremeenko hatte auch letztlich bis Spielende bestand. Bamberg wirkte dabei noch nicht mal sonderlich gefordert, die guten Quoten aus Dreiern und Rebounds konnten selbst 17 Ballverlusten kaum gefährlich werden. Dabei darf nicht verschwiegen werden, dass Bambergs Superstar Nikos Zisis aufgrund der Geburt seines dritten Kindes gar nicht erst auf dem Tübinger Parkett erschienen ist.

Trainingsspiel-Charakter von Beginn an

Die Partie plätscherte daher zunächst ein wenig vor sich hin, bis es nach Ende der ersten zehn Minuten unglaubliche 21:33 für die Gäste hieß. Sieht man leider viel zu selten 21 Punkte der Raubkatzen in einem Viertel, sind 33 der Bamberger natürlich umso mehr ein Beweis der absoluten Dominanz. Eine Dominanz, die bis zur Halbzeit noch auf ein 40:56 ausgebaut werden sollte und Tübingen bereits in Halbzeit Eins die Chance gab, die Rotation deutlich zu erweitern und Spielern wie Kolo und Marin zu mehr Einsatzzeiten zu verhelfen.

So ging auch die zweite Halbzeit den erwarteten Gang, auch wenn Bamberg das Tempo immer wieder schleifen ließ und Tübingen ran kommen konnte. Daher gingen zwar nominell beide Viertel der zweiten Halbzeit an die Hausherren (22:19 und 13:12) und der Abstand schrumpf zeitweise auf nur noch zehn Punkte, doch die Dominanz, die Bamberg dabei an den Tag legte, ließ nur wenig Hoffnung bei den Tübinger Anhängern aufkeimen.

Letzte Chance Braunschweig

Für die Walter Tigers geht es neben der goldenen Ananas nur noch um das Schicksal einer historisch schlechten Heimbilanz gegen Braunschweig. Dieses letzte Duell der Saison auf Tübinger Parkett findet am 29. April nur wenige Tage vor Saisonabschluss gegen den Erzrivalen und unangefochtenen Tabellenführer Ulm statt. Für einen versöhnlichen Abschluss mit den Fans bietet sich hier die einzig verbliebene Chance.

Fotos: Christopher Kübler