Schlagwort-Archive: featured

Der einsame Wolf

“Melancholy is nothing negative, it is a positive feeling. It has nothing to do with depressions, it’s a feeling for longing.” – Ville Valo
Der Tübinger Singer/Songwriter ExBird, lässt sich in dieser Melancholie fallen und kreiert mit ihr ein außergewöhnliches musikalisches Kunstwerk – mit Ecken, scharfen Kanten und viel Mut zur Ehrlichkeit, vor allem zu sich selbst. 

Musikalische Selbstreflexion mit ExBird

ExBird ist ein ernster Typ. ExBird ist ein melancholischer Typ. ExBird ist jemand, der einem bei der ersten Begegnung verschlossen und oft grimmig gegenübertritt. Das ändert sich mit der Zeit, wenn man den Studenten mit der dunklen Strandmatte und dem Dreitagebart besser kennen lernt. So verhält es sich auch mit seiner Musik. Es wäre unmöglich, ein Porträt über diesen Musiker zu schreiben, ohne dabei dem Menschen nicht eine ebenso große Aufmerksamkeit zu widmen.

Der Musiker ExBird

ExBird gibt es seit gut eineinhalb Jahren. Bevor er Singer-Songwriter wurde, spielte der Mann, der am liebsten Jeans und einfarbige Shirts trägt, bereits in diversen Bands. Diese reichen von Pop-Rock, bis hin zu einer komplexeren Combo, aus dem progressiveren Metalgenre. Nun hat er sich den sanfteren Klängen verschrieben und knüpft mit seiner Musik an Bands wie Bon Iver, Eels und City and Colour an. Er selbst beschreibt seine Nische als „der Versuch sehr reduzierte Musik zu gestalten, um damit wiederum möglichst viel wiederzugeben, als Wandel von schönem Melodischen, das durch Melancholie zersetzt wird hin zu einem oft bitteren Nachgeschmack, der zur Selbstreflexion anregt.“

Exbird 1

ExBird live

ExBird spielt seit Ende 2013 Shows. Trotz der eher minimalistischen und „nicht-tanzbaren“ Musik kamen immer zahlreichere Angebote von lokalen Clubs und Bars. Seinen ersten Auftritt hatte er am 30.10.13 als Support von Susie Asado (Ukulele-Pop aus Berlin) im Cafe Haag, wo er in diesem Jahr noch weitere Male auf der Bühne stand.

Auch ich habe den Mann, der das Publikum beim Spielen nicht eines Blickes würdigt, erstmals bei dieser Feuertaufe gesehen. In den Monaten darauf trat er in weiteren Locations, wie dem schwarzen Schaf, oder dem hippen Café Galao in Stuttgart auf. Spannend für ihn war anfangs besonders die Ungewissheit darüber, ob seine Musik live überhaupt ankommt. „Wenn Leute zu einem Metalkonzert gehen, wissen Sie, was auf sie zukommt, sie kommen wegen der Musik und einer bestimmten Band. Im Fall von ExBird gehen die Leute was trinken, wollen sich einen schönen Abend machen und sehen mich dann mehr oder weniger zufällig auf der Bühne stehen. Das ist eine völlig neue Erfahrung gewesen.“

“Einsamer Wolf”

ExBird ist live unberechenbar. Seine Auftritte sind geprägt von emotionaler Affektivität, die dem Zuhörer eine äußerst abwechslungsreiche Erfahrung bescheren. Während den ersten Shows stellenweise noch brachial auf seine Gitarre eindreschend, schreiend vor unverfälschter Emotion, scheint ExBird nun an einem Punkt der zunehmenden Selbstkontrolle angekommen zu sein.
Hier spiegelt sich seine Einzigartigkeit wieder. Was ExBird zu einem Erlebnis macht, ist neben der rauen Stimme und der „Einsamer-Wolf“-Erscheinung, der Mensch hinter dem Musiker, der sich seinem Publikum emotional nackt präsentiert.

„Es ist mir wichtig, mich live in der Musik fallen lassen zu können und das authentisch rüberzubringen. Ich hoffe, dass die Leute diese Ehrlichkeit sehen.“

Der Mensch ExBird

Es gibt keinen doppelten Boden bei ExBird, es gibt keine Erzählungen von Saufeskapaden oder dem Flachlegen von Frauen. Es gibt auch keine lupenreinen Love-Songs, die von einer unsterblichen Liebe handeln, die auf ewig hält. Das alles ist ExBird nicht. ExBird ist hauptsächlich Selbstreflexion der unbequemen Art.
ExBird spricht Dinge an, die unangenehm sind. Dinge, mit denen wir uns eigentlich nicht auseinandersetzen wollen – und schon gar nicht, wenn wir abends in eine Bar gehen. Die Angst vor dem allein sein, zu scheitern; warum Menschen sich auseinanderleben und Beziehungen zerbrechen. Seine Musik ist Verarbeitung, Verarbeitung der ehrlichsten und zugleich hässlichsten Sorte. ExBird macht Musik für sich selbst. Um klarzukommen und abzuschließen. Wenn man so will, das einzige Klischee, das er bedient. Wir lauschen ihm und werden uns selbst in seiner düsteren Welt wiederfinden, ob wir es wollen oder nicht.
Dabei ist seine Musik auf instrumentaler Ebene gar nicht so traurig. Eingängig, hell, manchmal perkussiv. Instrumental knüpft ExBird mit seinem Gitarrenspiel durchaus an bewährte Klangbilder an, wie man sie aus dem Singer/Songwriter-Genre kennt.

ExBird selbst geht im Gespräch eher locker mit der Thematik seiner Musik um. „Die Melancholie trägt die Musik zwar, aber andererseits müssen wir ja nicht alle gleich zu heulen anfangen.“ Diese sehr selbstironische und bodenständige Art schafft auch Live eine zunehmend aufgeschlossenere Stimmung. Der Mann kann lustig sein, wenn er es denn will.

ExBirds Entwicklung

Die Entwicklung der Musik von ExBird ist zugleich die Entwicklung eines Menschen, der sich immer wieder mit sich selbst auseinandersetzen will. Umgetrieben von den Ereignissen in seinem Leben und dabei vor allem von den Downs. Die Grenzen zwischen Leben und Musik, zwischen Mensch und Künstler lassen sich hier nicht mehr trennen.
Und so verändert sich auch ExBirds Musik. Immer mehr weg von Hörgewohnheiten und bekannten Schemata zeigt er andererseits auch immer mehr Mut zur Offenheit, zur Zugänglichkeit. Dennoch werden Freunde der massenkompatiblen Musik hier stellenweise anecken. Man muss sich auf Musik einlassen können und sollte keine Abneigung gegen die Auseinandersetzung mit den schmerzhaften Seiten des Lebens haben, wenn man ExBirds Musik entdecken will. So hat man live vor allem die Chance auf ein zutiefst ehrliches musikalisches Erlebnis, dessen Wirkung über den eigentlichen Auftritt weit hinausgeht, sofern man dies zulassen will.

ExBird zum Hören: https://soundcloud.com/exbird
ExBird zum Sehen: https://www.facebook.com/exbirdmusic

„Studierendentheater“ am LTT

Riesiges Angebot an Theateraufführungen im LTT, Theatersport für das Publikum. Was wenn ich die andere Seite des Theaters kennenlernen und den Bühnenolymp erklimmen will? Lohnt sich das überhaupt, wo jeder Student heute über zu wenig Zeit klagt?

Im Interview ist Miriam Rösch, die uns einen Einblick in das LTT-Angebot für Studierende biete

Bitte stellen Sie sich kurz unserem Lesepublikum vor:

Mein Name ist Miriam Rösch ich bin  35 Jahre alt, habe 8 Jahre bei den Wuppertaler Bühnen als Theaterpädagogin für Musik-und Sprechtheater gearbeitet und bin seit dieser Spielzeit neu am Landestheater Tübingen (LTT) und zuständig für die Theaterpädagogik für den Abendspielplan.

Gibt es für Studierende ein Angebot des LTTs – ein Studententheater?

Schon seit einigen Jahren gibt es das sogenannte LTT – Labor, welches sich besonders an Studierende richtet. In diesem „Labor“ untersuchen wir spielerisch das Medium Theater.
Darüber hinaus gibt es seit dieser Spielzeit neu die LTT – Akademie. Einmal im Monat treffen sich hier Menschen (nicht nur Studierende), um sich über das Theater und ihre Wünsche an dieses auszutauschen.

Wie kann ich beim Club für Studierende einsteigen oder mitmachen?

Wir treffen uns immer montags – Startschuss war am 20.10 – gerne können aber auch noch Interessenten dazukommen. Einfach nachfragen.

Was benötige ich für den Einstieg als Voraussetzung?

Nur Neugierde und die Bereitschaft mitzumachen. Erfahrung mit Theaterspielen ist nicht nötig.

Wann habt ihr eure Probenzeiten?

Wir Proben montags von 19 – 22 Uhr auf einer Probebühne im LTT.

Die wöchentlichen Proben werden vermutlich jedoch nicht ausreichen, zumal ja in den Semesterferien wahrscheinlich nicht regelmäßig geprobt werden kann. Es wird bestimmt, in Absprache mit der Gruppe, Probewochenenden geben.

Wenn mir das Theaterspielen im Club für Studierende gar nicht zusagt?

Dann kann man natürlich wieder aussteigen. Die ersten Treffen stehen aus diesem Grund auch unter dem Motto „Kennenlernen“, da kann man reinschnuppern und ausprobieren, ob man genug Spaß hat, um dabei zu bleiben.

Gibt es eine Grenze der Gruppengröße für den Club der Studierenden?

Ich habe keine feste Obergrenze, beim ersten Treffen waren 14 Leute da, was mich sehr gefreut hat. Vielleicht kommen noch ein paar dazu, die Erfahrung zeigt, dass immer mal auch wieder Leute abspringen.

Was passiert mit dem Ende des Projekts?

Geplant ist, am Ende der Spielzeit (und des Sommersemesters) 2-3 Aufführungen im LTT zu haben und im nächsten Wintersemester geht es dann mit neuem Thema wieder los.
Wie wird das Thema für die Theatergruppe festgelegt?

Mein Plan ist es, mit der Gruppe gemeinsam ein Thema zu suchen, was uns alle interessiert. Ob wir dann selbst Texte schreiben oder zu dem Thema Texte finden oder es eine Mischung wird, das kann ich noch gar nicht sagen. Ich gehe nicht als „Regisseurin“ mit einem festen Plan an die Sache ran, sondern möchte mit der Gruppe das Stück entwickeln.

Woher kam die Idee und Entwicklung für einen Club für Studierende?

Tübingen gilt als „Studentenstadt“, ungefähr ein Drittel der Bewohner Tübingens sind Studierende. Da liegt es nahe, auch für diese Bevölkerungsgruppe Angebote zu machen.
Wir haben ja auch Kinder-und Jugendclubs am LTT, sowie Angebote für Erwachsene und Senioren.

Werden bei den Spielerinnen und Spielern im Club der Studierenden auch Fähigkeiten gefördert?

Es geht vorrangig darum, ein Stück zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen.
Dabei werden aber, quasi automatisch, verschiedene Fähigkeiten gefördert: auf Andere zugehen, sich mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzten, sich ausdrücken, vor Anderen sprechen, um nur einige zu nennen.
Ich mache aber nicht für die einzelnen Mitspieler ein „Trainingsprogramm“.

Nur 14 Personen obwohl Tübingen über 20.000 Studierende verfügt.  Der Andrang ist ganz schön wenig, oder?

Das stimmt natürlich, aber nicht jeder Mensch, der sich prinzipiell fürs Theater interessiert, spielt auch gerne selber.
Wir haben ja auch noch andere Angebote für Studierende. Im November findet wieder der „Kulturrausch“ statt: Vom 20. bis zum 23. November bezahlen Studierende nur 6€ für die in diesem Zeitraum laufenden Vorstellungen im LTT. Außerdem gibt es an diesen Tagen ein großes Rahmenprogramm: Stückeinführungen und Nachtgespräche, eine Filmvorführung und eine Party.
Genaues zum Kulturrausch und alles Anderer rund um das LTT kann man uns auch am 18.11 in der Mensa Wilhelmstraße und am 19.11. in der Morgenstelle fragen, wo wir jeweils mit einem Stand vertreten sein werden. Da kann man dann auch die sogenannte Semestercard erwerben, mit der man unschlagbar günstig Karten für unsere Vorstellungen bekommt.

Welche Variante wird verwendet: Klassisches Theater oder auch Improvisationstheater?

Ganz viel wird aus der Improvisation heraus entstehen. Wir werden aber keinen klassischen Theatersport machten.

Deine Erfahrung mit Studierenden und Jugendlichen im Theater?

In Wuppertal habe ich zwar regelmäßig Workshops für Referendare gegeben, aber eine eigene „Studierendengruppe“ hatte ich nicht, das ist für mich auch neu und spannend. Ich freue mich sehr darauf!
In meinen bisherigen Gruppen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so zwischen 14 und 20 Jahren alt.

Für weitere Informationen zum LTT – Akademie, zum Kulturrausch und allen weiteren Angeboten des LTT können sich die Wissensbegierigen und Nachwuchschauspieler informieren unter:
www.landestheater-tuebingen.de zu finden.

Ihr habt Lust auf den Studierendentheaterclub? Einfach Mail an Miriam Rösch:                 roesch@landestheater-tuebingen.de

Durch den Pilz zum Neupapier

Jeder hat sie schon einmal gesehen – die Holzkisten bei den universitären Kopiergeräten. Was hat es eigentlich damit auf sich und wieso haben manche Collegeblöcke eine Pizzaschachtel als Cover? Recycling ist ein geläufiger Begriff, doch was ist mit Prärecylcing?

Durch den Pilz zum Neupapier weiterlesen

Face à Face: Die 5 Besucherspezies der Französischen Filmtage

Vom 29.10 bis zum 5.11 lockten die 31. Französischen Filmtage in Tübingen wieder zahlreiche Besucher in Tübingens Kinosäle. Wie jedes Jahr kann man dort auch dieses Mal ein äußerst breit gefächertes Publikum beobachten. Aber wer geht denn nun zu diesen Filmtagen? Kupferblau hat nachgefragt und unter Anderem vier verschiedene Besucherspezies ausgemacht.

Von Thomas Lotter und Felix Müller

Die Mitarbeiter

Sie brennen für die Filmtage. Und so werden von ihnen selbstverständlich auch außerhalb der Arbeitszeiten die Kinovorstellungen besucht. So auch Lara (23), die schon drei Jahre in Folge die Publikumsdiskussionen mit Regisseuren und Schauspielern dolmetscht:

„Ich habe schon ein paar Filme gesehen, weil ich die Inhaltsangaben für den Katalog schreibe und gucke jetzt halt noch die Filme, die ich übersetze, damit ich weiß, was ich da so erzähle.“

– Was ist dir im Vergleich zu den letzten Jahren besonders aufgefallen?

„Es gibt unglaublich viele Filme und es sind auch mehr Gäste da, von daher sind die Veranstaltungen mit den Diskussionen auch interessanter. Als ich zum Beispiel bei ‚Brooklyn‘ übersetzt habe, war der Film komplett ausverkauft und kam insgesamt supergut an. Die Rapperin KT Gorique (Darstellerin in ‚Brooklyn‘, Anm. d. Red.) hat danach sogar noch im Epple-Haus gerappt.“

Die engagierten Eltern

Sie wollen ihren Kindern schon im frühen Alter die Französische Kultur näherbringen. Wir haben mit der Familie Fernzel gesprochen, die eine Einladung von der Deutsch-Französischen Gesellschaft bekommen hat und mit ihren Kindern in Tübingen waren:

„Wir waren in ‚Tante Hilda‘. Der Film war als Trickfilm bei den Filmtagen ausgeschrieben.“

– Und da haben Sie versucht, Ihren Kindern die französische Filmkultur etwas näher zu bringen?

„Ja, aber dafür sind sie einfach noch etwas zu klein. Das haben sie nicht alles verstanden. Es lag aber nicht nur an der französischen Sprache, sondern auch am Inhalt, der war einfach zu schwer. Mit der Kapitalismuskritik konnten die Kinder dann doch nicht so viel anfangen.“

– Und worauf warten Sie jetzt gerade?

(lacht) „Auf keine Film mehr, wir warten nur darauf, dass wir uns am Buffet ergötzen dürfen.“

Der alteingesessene Fan

Die Französischen Filmtage sind rot im Kalender markiert, das Programm genau studiert. Harald (55):

„Ich war nun schon öfters bei den Filmtagen und kann auch französischen Filmen im Allgemeinen sehr viel abgewinnen. Ich muss aber auch sagen, dass die Veranstalter die Filmtage jedes Jahr noch besser hinbekommen.“

– Dann sprechen Sie bestimmt auch gut Französisch?

„Das leider nicht (lacht). Aber meistens versteht man dann doch das Wichtigste. Es gibt ja auch Untertitel!“

Die Franzosen

Sie sind sehr angetan von dem breiten Angebot der Filmtage und nutzen dieses ausgiebig. Dabei freuen sie sich darüber, ein Stück Heimat in Deutschland zu haben. So auch Sylviane (49):

– Welche Filme haben Sie gesehen?

„Ich habe bis jetzt 9 Filme gesehen, die mir alle sehr gefallen haben.“

– Welcher war ihr Lieblingsfilm?

„ ‚Qui vive‘ von Marianne Tardieu. Darin geht es um die Jugendlichen in der banlieue (ärmlicher Vorort, Anm. d. Red.). Interessant war, dass die Produktion so billig war, nur ungefähr 6000€. Es ist erstaunlich, was sie daraus gemacht haben.“

– Sie scheinen ja eine begeisterte Besucherin der Filmtage zu sein. Woher kommt das?

„Die Atmosphäre ist ganz toll, aber die Filme sind einfach das Wichtigste. Ich bin Französin, wohne aber hier in Tübingen und für mich ist es natürlich wunderbar, Filme auf Französisch zu sehen. Sonst kann ich das nur im Fernsehen. Ich habe auch das Gefühl, dass dieses Jahr noch mehr Regisseure und Schauspieler zu Gast sind.“

– Haben sie auch die Möglichkeit der Diskussionen genutzt?

„Ja, ich bin danach immer da geblieben. Das waren immer interessante Gespräche. Bis auf die beim Film „Au fil d’Arianne“ von Robert Guédiguian. Da war ein Schauspieler da und es war ein bisschen enttäuschend, dass es keine Fragen vom Publikum gab. Aber ich fand den Film nun auch nicht so gut, dass ich eine Frage stellen wollte.“ (lacht)

Die Studierenden

Das Festival findet in Ihrer Studentenstadt statt. Also wieso nicht mal schauen, was da so los ist? Diese Einstellung vermittelten Philipp (25) und Daniela (25):

– Was schaut ihr euch an?

„ ‚Le grand homme‘, der hat etwas mit Afghanistan zu tun, Krieg und so. Aber das ist jetzt der erste Film von den Filmtagen, den wir gucken.“

– Habt ihr irgendeine besondere Verbindung zu Frankreich, oder seid ihr einfach nur hier um reinzuschnuppern?

„Nein, also wirklich eher zum Reinschnuppern. Jetzt, wo man mit so einem schönen Filmfest die Möglichkeit vor Ort hat. Wir mögen französische Filme jetzt auch nicht mehr als andere“

– Wart ihr in den letzten Jahren auch schon mal hier?

„Da haben wir es leider immer verpasst, aber dieses Jahr haben wir es uns fest vorgenommen, dabei zu sein.“

Die orange Übermacht

Trikot angezogen und rein in den „Dschungel“: Am Sonntag begrüßten die WALTER Tigers die Mannschaft ratiopharm ulm zum Lokalderby in der eigenen Halle. Ein Bericht über ein Spiel zwischen altbekannten Rivalen.

Beim Betreten der Paul-Horn-Arena sticht vor allem eines ins Auge – die Farbe Orange. Die Teamfarben von ratiopharm ulm zieren die Shirts von über 700 Ulmer Fans, die den Weg nach Tübingen gefunden haben, um ihre Mannschaft in einem der wichtigsten deutschen Derbys am 8. Spieltag der Saison zu unterstützen. Schon vor Spielbeginn ist die Stimmung aufgeheizt, die Fans der WALTER Tigers und die der Ulmer beginnen ein stimmliches Kräftemessen.

Beide Mannschaften starten mit ähnlich starker Konzentration und großem Engagement in das erste Viertel. Branislav Ratkovica und Anatoly Kashirov sind aktive Spielgestalter auf der Seite der Tigers und führen diese mit 22:16 zur Führung nach der ersten Runde. Die Situation ist vor allem für den jungen Till Jönke ungewohnt, er hat zur aktuellen Saison wortwörtlich die Seiten gewechselt und ist deswegen von Anfang an mit viel Elan dabei, um sich als „der Neue“ bei den Tübingern zu beweisen.

IMG_7465

Vom Tiger zum Kätzchen

Im zweiten Viertel holen die Ulmer auf und gehen mit der Führung in die Halbzeitpause. Energisch starten sie in die zweite Spielhälfte. Während die Ulmer an Selbstbewusstsein und Punkten gewinnen, entwickeln sich die Tiger zu Kätzchen. Sie verlieren die Kontrolle über den immer größer werdenden Rückstand, teilweise liegt die Punktedifferenz bei 20 Zählern. Der Ball scheint den Korb weder aus der Distanz, noch als Freiwurf treffen zu wollen. Die Gesänge der Fans in gelb werden leiser, die Gäste sehen ihren Sieg bereits kommen und stimmen Feiergesänge an. Mit den letzten Minuten schwindet sichtbar auch die Kraft beider Mannschaften.

Mit 92:83 entscheiden die Ulmer das Spiel letztendlich für sich und sichern sich somit den 9. Platz (von 18) in der Tabelle. Die Erfolgsgeschichte der Ulmer in Tübingen wird mit dem siebten Derbysieg in Folge fortgesetzt. Top-Scorer ist auf der Gästeseite Tim Ohlbrecht (20 Punkte), die Tübinger haben ihren Erfolg unter anderem Branislav Ratkovica zu verdanken. Die Statistik bietet Erklärungen zum Ergebnis: Die Ulmer treffen 11 von 17 (65%) versuchten 3-Punkte-Würfen, die Tübinger hingegen vergeben neun Freiwürfe und zahlreiche Distanzwürfe. Somit sind die WALTER Tigers nun auf dem letzten Tabellenplatz zu finden.

Weitere Gegner auf Augenhöhe

Trotz der Niederlage gibt sich Tigers-Spieler Augustine Rubit beim anschließenden Fantalk optimistisch. Die bisherigen Spiele sind zwar größtenteils verloren worden, dennoch sieht er Chancen für seine Tübinger. Die Saison ist noch jung und die Niederlagen seien meist knapp gewesen. Zudem waren die bisherigen Gegner allesamt Topteams – es kommen also noch Mannschaften, denen man auf Augenhöhe begegnen könne. Diese Chancen müssen aber dringend genutzt werden, damit die Tigers in der Tabelle aufsteigen und auch die Fans mal wieder etwas zu feiern haben. Am Besten im eigenen „Dschungel“.

Fotos von Christopher Kübler

Jazz à Trois

“Jazz français” im Liquid. Im Rahmen der französischen Filmtage in Tübingen fanden am vergangenen Montag das Jazz-Trio Kuhn, Kistner und Binder ihren Weg in die Bar Liquid. Es wurde eine gelungene Kombination aus guter Musik, gemütlichem Ambiente und grünlichen Cocktails.

Das Liquid in der Schmiedtorstraße ist eine dieser Bars, in die man sein Date einlädt – aufgrund der Atmosphäre. Oder in die man sich von seinen Eltern bei einem ihrer Besuche einladen lässt – aufgrund der Preise.

Hohe Decken und schummriges Licht. Altes dunkles Fachwerk neben nagelneuen glänzenden Edelstahlgeländern und schwarzen Ledersofas. Dieser alt-neben-neu-Schick eben. Sehr gute und ausgefallene Cocktails wie der Gin Basil Smash, serviert von einer freundlichen Bedienung. Dass ist das Liquid an einem normalen Abend.

header1

Der Abend des 3. November 2014 war kein gewöhnlicher Montagabend. In seiner Funktion als Festivalbar der französischen Filmtage bot das Liquid dem Jazz-Trio Kuhn, Kistner und Binder die Möglichkeit sich und ihr Können dem Tübinger Publikum zu präsentieren. Und das taten Sie: Der Schlagzeuger Lars Binder, Kontrabassist Steffen Kistner und Sandi Kuhn, Saxophonist und Preisträger des Jazzpreises Baden-Württemberg 2013. Die drei konnten ihre Zuhörer überzeugen.

Ein Blick in die oft glücklich verträumten Gesichter des Publikums war ausreichend um zu dieser Einschätzung zu gelangen.

Es war also keine Überraschung, als sich die Bar im Laufe des Abends zusehends füllte. Was wiederrum überraschend war, als die überwiegend älteren Gäste gegen Ende der Veranstaltung wie Erstsemester in der Einführungsveranstaltung sogar auf den Treppen Platz genommen hatten. Ungewöhnlich!

Der geneigte Leser wird sich nun vielleicht fragen, wie aber der Bezug zu den stattfindenden Filmtagen zustande kommt? Das Französische des Abends waren die Lieder, welche das Trio interpretierte. So wurden Melodien von Édith Piaf und anderen Chansons als Grundlage genommen, variiert und hier und da ein Schlagzeug-, Kontrabass- oder Saxophonsolo eingebaut. Mal ruhig und entspannt, mal energisch und verspielt. Aber nie aufdringlich oder belanglos. Rundum gelungen.

Für diejenigen, die keine Möglichkeit hatten an diesem Abend teilzunehmen und nun Lust bekommen haben, hier noch eine gute Nachricht: Jeden ersten Montag im Monat findet im Liquid „The art of the Trio“ statt. Der Kontrabassist Axel Kühn lädt sich hierzu immer zwei unterschiedliche Musiker ein, mit denen er an diesem einen Abend musiziert. Live-Musik in entspannter Atmosphäre mit fruchtigen Drinks: Der Stoff aus dem gute Dates gemacht werden.