Schlagwort-Archive: Diskussion

Der liberale Jon Snow

Der Hörsaal 25 des Kupferbaus war voll besetzt, der Livestream hatte über 2.500 Aufrufe: Bei der von der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) Tübingen organisierten Veranstaltung „Christian Lindner meets Uni Tübingen“ sprach der polarisierende Posterboy der FDP am Mittwoch über Bildungspolitik, über andere Bundestagswahlthemen und war danach für alle Publikumsfragen offen.

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StuRa Inside vom 15.05.2017

Der Studierendenrat, kurz StuRa, vertritt die Interessen aller Studierenden an der Uni Tübingen. Wie genau laufen die öffentlichen, zweiwöchigen Sitzungen ab und was wird dort besprochen? Das Wichtigste aus der StuRa-Sitzung vom 15. Mai erfahrt ihr hier. StuRa Inside vom 15.05.2017 weiterlesen

Schöne neue Welt?

Im Silicon Valley wird unsere Zukunft programmiert – das stellt Claus Kleber in seinem Film „Schöne neue Welt“ fest. Am Dienstag war der Moderator im Kino Museum zu Gast, um mit Experten über die technologische Zeitenwende und ihre Folgen zu diskutieren. Über einen Abend zwischen Faszination und Beklemmung.

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Gysi zu Gast in Tübingen

Am Donnerstagabend fand im Festsaal der Neuen Aula die Podiumsdiskussion „Demokratische Legitimation in Europa – wer regiert uns eigentlich?“ statt. Geladen hatte die Freie Fachschaft Jura, die sich über einen ausverkauften Festsaal mit etwa 800 Interessierten freuen und hochkarätige Teilnehmer, wie Gregor Gysi, präsentieren konnte.

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Wird es ein „Grexit“?

Ins Deutsch-Amerikanische Institut in Tübingen hatte am Montagabend die Friedrich-Ebert-Stiftung geladen. Unter dem Titel „Wirtschaftskrise in Griechenland – Wie weiter?“ hatte die SPD-nahe Stiftung zusammen mit der überparteilichen Europa-Union geladen.

Der tagesaktuelle Bezug sei nicht beabsichtigt gewesen, und die endgültige Entscheidung über Griechenlands Verbleib im Euro würde heute auch nicht getroffen werden, sagt Organisatorin Ina Rubbert. Dass in Brüssel zur gleichen Zeit über den Grexit verhandelt werden sollte, gab der Veranstaltung eine gewisse Prominenz, die sich auch in der Anwesenheit im Raum niederschlägt. Einige der über hundert Gäste müssen stehen. Neben der europapolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, Rita Haller-Haid, sind auch Christos Katsioulis, Mitglied der Friedrich-Ebert Stiftung Athen, und Prof.-Ass. Dr. Annegret Eppler von der Universität Innsbruck eingeladen, um über die Zukunft Griechenlands zu diskutieren.

Politisches System im Aufbau

Einen theoretischen Überbau liefert die Politologin Annegret Eppler, die darauf hinweist, dass die EU ein politisches System im Aufbau sei, welches noch lange nicht fertig ausdefiniert sei. Hier ist sie sich mit Giannis Varoufakis und den meisten Kritikern einig; die Währungsunion ohne Wirtschaftsunion ist ein Geburtsfehler des Euros. Christos Katsioulis sieht in der griechischen Wirtschaftskrise jedoch auch einen positiven Aspekt, sie habe zu einer stärkeren Beschäftigung mit der europäischen Politik geführt, und die lange vermisste europäische Öffentlichkeit geschaffen. Man müsse nur aufpassen, nicht in alte Stereotypen zurückzufallen, wie beispielsweise das vielfach falsch zitierte Bild des griechischen Frührentners.

Dikussionsreich: Viele Fragen stellten die Interessierten, das Podium relativierte einige Aussagen.
Dikussionsreich: Viele Fragen stellten die Interessierten, das Podium relativierte einige Aussagen. Foto: Alexander Kobusch

Katsioulis, der selbst in Athen bei der Friedrich-Ebert Stiftung arbeitet, weist darauf hin, dass es auch in Griechenland die Konstruktion von Feindbildern gebe. Als die Krise richtig zu tragen kam, waren es laut Katsioulis die Spitzenpolitiker und die von ihnen stark beeinflussten Medien, welche versuchten, den Druck nach außen abzuleiten und die EU sowie ihr Krisenmanagement als Sündenbock zu brandmarken. Strukturelle Probleme seien jedoch auch tatsächlich ein Problem der EU. So verhandelt die Regierung in Athen mit den Finanzministern der Eurogruppe, welche keinerlei Verbindung zum Europäischen Parlament haben. Dieses generell oft angeprangerte Demokratiedefizit der EU sei laut Annegret Eppler auch bei der Diskussion um Griechenland immer wieder negativ zu spüren.

Politisches Spitzenpersonal auswechseln

Bei den Zuschauerfragen zeigt sich allerdings, wie emotional das Thema auch in Deutschland aufgeladen ist. Ein älterer Herr mit roter Fliege echauffiert sich über die Unfähigkeit des griechischen Staates, seine Steuern einzutreiben. Auch die anderen Meldungen fragen nach der Verwendung der deutschen Steuergelder und den korrupten Strukturen in Griechenland. Das Podium relativiert diese Anschuldungen jedoch und weißt darauf hin, dass es auch in Deutschland genug Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung gebe und Firmen wie Siemens jahrelang vom korrupten griechischen System profitiert hätten.

Das Thema Grexit beschäftigt Alle: sowohl in Brüssel als auch in Tübingen finden in diesen Tagen Debatten statt.
Das Thema Grexit beschäftigt Alle: Sowohl in Brüssel als auch in Tübingen finden in diesen Tagen Debatten statt.

Ein längeres Plädoyer hält zum Ende der Diskussion Christos Katsioulis. Seiner Meinung nach fehle in Europa eine gemeinschaftliche Sensibilität für den Umfang der Krise. So seien zwar mehrere Länder wie Portugal und Zypern von der Krise bedroht, jedoch gebe es nur ein Wort für den Austritt aus dem Euro und das sei „Grexit“. Auch Annegret Eppler sieht die gesamteuropäische Dimension der Krise. Die Entscheidung über Griechenland sei demnach auch eine Entscheidung über die Zukunft Europas. Ob und wie es mit Griechenland innerhalb der EU nun weiter gehen soll, wird an diesem Abend allerdings nicht in Tübingen entschieden, denn egal wie hart die Kritik an der EU, die Entscheidung fällt nach wie vor in Brüssel.

Jüdischer Konvertit Hugo Marcus und muslimische Reaktionen auf den Nazismus

„Rethinking the history of muslim and jewish relations: Jewish convert Hugo Marcus and muslim responses to nazism in Germany“ unter diesem Vortragsmotto begrüßte Professor Marc David Bear die Studenten und Interessenten im Vorlesungsaal 9 der neuen Aula. Die Veranstaltung und der Gastvortrag sind vom Zentrum für islamische Theologie veranstaltet worden.

„How much do I read of the mufti of jerusalem, […] but he is only one aspect“

„Wer unter ihnen kennt Mohammed Amin al-Husseini?“, fragt der Professor in den Saal. Ein oder zwei Hände erheben sich. Der Professor schmunzelt und fragt: „ oder sollte ich sagen den Großmufti von Jerusalem?“ – wieder erheben sich ein paar Hände mehr als das Letzte mal.Der Großmufti und seine Kollaboration mit den Nazis ist nur eine Linie innerhalb der Geschichte. Ein anderer Aspekt soll am Beispiel von Hugo Marcus aufgezeigt werden.

Hugo Marcus, 1880 als Sohn jüdischer Eltern geboren, erlebt die Entwurzelung im 1. Weltkrieg und auf Grund Geldmangels findet er zur Moslemischen Gemeinde zu Berlin.Der erste Weltkrieg war nicht nur ein Wendepunkt für die beteiligten Nationen, sondern es machten sich auch die ersten beiden Missionare Maulana Sadr ud-Din und Maulvi Abdul Majid auf den Weg nach Deutschland. 1922 schlossen sich die in Berlin lebenden Moslems aus vielen Nationen, vermehrt aus dem Südpazifik und Anhänger der Ahmadiyya Anjuman Isha’at-i-Islam (AAIIL).

Das Spektrum der Moslems war genauso vielfältig wie ihre säkularen, nationalistischen, sozial-revolutionären, shariaristischen und fanatischen Ansichten.

Die Moschee stand allen religösen Richtungen des Islams offen

Von dieser Gemeinde (AAIIL) ging auch die Erbauung und Grundsteinlegung der Berliner Moschee (Heute: Wilmersdorfer Moschee) aus, die in der Bauzeit von 1924-1928 fertiggestellt werden sollte.Die Moschee stand allen religiösen Richtungen des Islams offen. Außerdem sprach sich die Gemeinde gegen Nationalismus, Rassismus und Krieg aus.In diesem Klima und nachdem seine Familie besitzlos und gutlos geworden war (die Besitztümer wurden durch den Vertrag von Versailles Polen zugeschlagen), findet Hugo Marcus zum Islam und zur Berliner Gemeinde. Er konvertiert zum Islam und gibt sich den Namen Hamid.

  1. März 1930 wurde Hugo Marcus Präsident der „Deutsch-Muslimischen-Gesellschaft“, die Nachfolgering der „Islamischen Gemeinde Berlin e.V.“

So dachte der Hugo Marcus, dass er seinen jüdischen Hintergrund hinter sich lassen könne, allerdings ändert sich dies abrupt mit der Machtergreifung der Nazis.Dies zeigt sich durch Mohammed Ali Jouhar  aus Indien und seine Lobpreisungen auf Adolf Hitler.Seiner Meinung nach teilt das „Neue Deutschland“ (3.Reich) und der Islam dieselben Grundsteine, Überzeugungen und Säulen.Mit dem Beginn der Durchsetzung der Nürnberger Rassegesetze,  verließ Hugo Marcus sein Präsidialamt innerhalb der Moschee. Während zu dieser Zeit bereits Juden verfolgt wurden, stellte sich die Gemeinde stets hinter Hugo Marcus.

Durch diese Aktion und gerade weil sie Hugo Marcus bei sich beherbergten wurden die AAIIL in der Goebbels-Presse als „jüdisch-bolschewistische Organisation“ diffamiert.Am 9.11.1938 wird er in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wie die verbliebenen 6000 Juden der Stadt Berlin,  auf Grund seiner jüdischen Herkunft. Durch Fürsprache von Scheich Mohammed Abdullah, der ein muslisches Kulturzentrum in der Schweiz aufbauen wollte, wird er bereits am 19.11.1938 freigelassen unter der Bedingung, dass er Deutschland verlassen muss.

Hugo Israel und seine Flucht ins schweizerische Exil

Im Jahre 1939 in dem erstmal über die „Endlösung der Judenfrage“ diskutiert wird, wird Hugo Marcus mit einer Schikanemaßnahme als Krimineller behandelt, seine Fingerabdrücke aufgenommen und umbenannt in Hugo Israel.Eine Woche vor dem Überfall auf Polen durfte Hugo Marcus Deutschland verlassen und flüchtete sich in die Schweiz, obwohl eine Schifffahrt nach Indien die sichere Alternative war. Rund 30 Jahre bis zu seinem Tod wird er im schweizerischen Exil verbringen.So wie es die erste feste islamische Gemeinde mit einer Kontinuität nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland (Berlin) gab, genauso setzte sich Hugo Marcus für eine erste deutsche Koranübersetzung ein. Sein Name wird jedoch bei den Danksagungen nicht aufgeführt, was auf politische Hintergründe (Jüdische Herkunft) schließen lässt. Die erste Koranübersetzung ins Deutsche erscheint 1939.

In der anschließenden Diskussion und Fragerunde, ging  Professor Marc David Bear darauf ein, dass es die Strömung des Großmufti von Jerusalem gab, die mit Hitler kollaborierte und sein Handeln gut hieß, aber es gab auch eine andere Seite, welche Juden wie Hugo Marcus bei seiner Flucht unterstützten und ihm treu zur Seite standen.