Immersatt? Immerglücklich? Ganz falsch.

Kritisches Theater besticht mit Ironie und Witz. Zu sehen in: Sie frisst. Ein Stück. Sieben Segmente.Eine besondere Gruppe, welche die Liebe zur Kunst, zum Theater, zur Musik sowie zum literarischen Schreiben zusammengeführt hat: das Rohbau Kollektiv. Sie sind allesamt Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen mit einer Idee etwas zu unternehmen. Aus einem bekannten Kinderbuch über eine hungrige Raupe wurde eine anspruchsvolle Adaption und Weiterführung. Alle haben dazu beigetragen: Jeder schrieb seine Version und diese wurden zusammengesetzt, so dass am Ende viele Perspektiven und Meta-Ebenen in einem Kaleidoskop mündeten: Sie frisst. Ein Stück. Sieben Segmente.

Theater mit Einsatz

Am vergangenen Samstag war die Premiere im Löwen, die charmanteste und wohl morbideste Bühne unter den Bühnen Tübingens. Ein Relikt aus vergangener Zeit mit samtroten, bequemen Sitzen. Hier probte das Rohbau Kollektiv seit letzten Oktober mit vollem Einsatz auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie haben Spaß  aus sich heraus zu gehen und so für einen kurzen Moment anders, jemand anderes zu sein. Das Theater ist selbst ein großer Kokon. Man schlüpft in eine Rolle und wird zu einem anderen. Desgleichen zeigt sich die Umsetzung facettenreich. Elemente von Pantomime, Ausdruckstanz und Slap-Stick sowie ein Potpourri aus Gesang, Life-Musik, Licht und Video, kurz: ein Gesamtkunstwerk.

Das Leben einer Raupe

Zuerst das Vorspiel: Im Liebesrausch erfüllen die Schmetterlinge ihre Bestimmung. Die Frucht dieser Liebe ist ein Ei. „Und als an einem schönen Sonntagmorgen/ Die Sonne aufging, hell und warm,/ Da schlüpfte aus dem Ei – knack- /Eine kleine Raupe.“ Sie kommt auf die Welt. Sie f r i s s t. Verpuppt und verwandelt sich. Aus dieser Metamorphose entschlüpft: ein Schmetterling.Wie viel verträgt so eine kleine Raupe, wann ist sie gesättigt? Und wie sieht ihr Ziel aus? Ihr Ziel ist ein ferner Wunsch: „Wenn ich Schmetterling wär´…“

Beginn des großen Fressens

Das ständige Fressen und die Suche nach Nahrung, um endlich groß genug zu sein, ist eine geschickte und subtile Inszenierung der verschiedenen gesellschaftlichen Pathologien, die heutzutage virulent geworden sind. Um einige zu nennen: Der Bildungs- und Qualifizierungswahn der Generation Praktikum, die Automatismen und Beschleunigung im Arbeitsbereich und Alltagsleben sowie die allgegenwärtigen Kontroll- und Überwachungsmechanismen. Wie sich das konkret auswirkt, ist im Stück drastisch zu sehen: Da sitzen zwei versnobte Ehepaare zum Essen zusammen und reden von Power-Yoga und kollektiven Schuldgefühl. Das Publikum lacht darüber, denn es erkennt sich teilweise selbst. In dieser Überspitzung liegt viel Wahres. Auch wahr ist: „Essen bewusst genießen“.  Dies gilt für das ganze Leben. Durch einen Haufen von sinnlich, saftig, süßen Köstlichkeiten schmatzt sich der Fresser. „Die Fleischeslust, sie packt/ einen bei der Ansicht von diesem geilem Schinken! Ein Hinterstück das seinesgleichen sucht, prall und üppig/ und nicht zu speckig zieht es einen an, und auch es/ wird vernascht./ Ham Ham.“ Auf diese Weise das Essen zu vernichten, bedeutet, dass es uns bald selbst vernichten wird. Doch wie damit umgehen? Die Erlösung aus diesem Teufelskreis mag nur durch die ironische Brechung gelingen, so auch im Stück: Im Hintergrund spielt sich zu pathetisch-wagnerianischer Musik eine Choreographie des Essens ab. Am Ende – geschrien – die Forderung: A b s t i n e n z!

Wer erkennt, dass der Schmetterling nicht das Ideal, sondern ein Trugbild ist, der wird wirklich zufrieden sein können, denn: „O glücklich wer noch hoffen kann aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.“

Was bleibt?

Zum Schluss des Abends bleibt die Gewissheit, dass ein Kinderbuch zu mehr verhelfen kann als ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Wer diesen tiefsinnigen Zauber erleben möchte, hat dazu noch am 16./21./26. Januar jeweils 20 Uhr die Gelegenheit.

Pfandsammeln 2.0

Eine Online-Plattform revolutioniert das Pfandsammeln – und fördert nebenbei das soziale Miteinander in den Stadtteilen.Jeder kennt das Problem: Am morgen nach der Party blickt man fassungslos auf einen Berg leerer Flaschen. Der sparsame Student weiß, dass dieser Flaschenhaufen viel Geld wert sein kann.

Allerdings ist er nicht nur sparsam, sondern auch faul und nach einer durchzechten Nacht entsprechend verkatert. Ebenso in der Prüfungsphase oder Hausarbeitenphase: Die leeren Flaschen sammeln sich proportional zum Staub auf den Möbeln. Die Klausuren sind noch nicht geschrieben, da erschwert der Flaschenberg schon zunehmend den Weg zu Küche oder Klo. Wenn doch nur jemand diesen Berg unkompliziert entsorgen würde. Auf den Wert des Leerguts kommt es dem faulen oder vom Lernen gestressten Studenten auch nicht mehr an.

Fakt ist: Der Berg muss weg.

Das sind nur zwei Szenarien, in denen die Plattform www.pfandgeben.de Abhilfe schaffen kann. Die Plattform, die von Berliner Studenten gegründet wurde, erfreut sich mittlerweile in vielen Städten großer Beliebtheit. Seit kurzem ist auch Tübingen vertreten. Bisher ist aber nur eine Pfandsammlerin im Bezirk Waldhäuser Ost registriert.

Das Konzept funktioniert folgendermaßen: Pfandsammelnde registrieren sich auf der Website für einen bestimmten Stadtteil und werden dann in eine Liste eingetragen. Der verkaterte Partystudent oder der gestresste Bücherwurm kann nun nachsehen, ob sich ein Sammler für seinen Bezirk eingetragen hat und diesen telefonisch kontaktieren. Natürlich sollte abgesprochen werden, ob sich der Aufwand für die jeweilige Flaschenmenge lohnt. Das System schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Gebende wird seinen Flaschenberg stressfrei los und der Nehmende profitiert finanziell davon. Wenn sich noch ein paar Sammler für andere Stadtteile eintragen, wird die Platform auch für Tübinger attraktiv. Auf jeden Fall hat die Schnittstelle das Potenzial, Tübingen noch ein bisschen smarter zu machen.

„Mit Snowboardklamotten und Motorradhelm in der Sauna Seil springen“

Donnerstagmittag 12 Uhr in der Mensa Wilhelmstraße. Die Tische sind voll besetzt. Studenten löffeln ihre Suppen. Durch die Reihen wandert ein überdimensionaler Plüschtiger, die Frauen an den Kassen unterhalten sich und hin und wieder fällt ein Tablett oder Teller mit Getöse auf den Boden. Moment mal… ein überdimensionaler Plüschtiger?!

Wer steckt eigentlich hinter der Maske?

Es handelt sich, wie oft donnerstags, um eine Werbeaktion der Walter Tigers. Für die Studenten werden regelmäßig ermäßigte Tickets zu den Spielen angeboten. Bei diesen Spielen darf das Maskottchen natürlich nicht fehlen. Es ist das Markenzeichen der Mannschaft und bekannt für seine abgedrehte Show. Aber wer steckt eigentlich hinter dieser Maske?

Das schwäbische Tagblatt titelte am nächsten Tag: „Maskottchen wie auf Droge.“

Sein Name ist Thomas Schmitt. Er ist mittelgroß, hat eine wilde Sturmfrisur und wache, große blaue Augen. Er ist der einzig wahre Tiger, den die Mannschaft je hatte. Das kann man behaupten ohne zu übertreiben, denn er macht den Job seit fast zehn Jahren. 2004 stiegen die Walter Tigers in die erste Liga auf und hatten ab dem Zeitpunkt ihr eigenes Maskottchen. Damals steckte bei jedem Spiel jemand anderes in dem Tiger Kostüm. Eines Tages gingen Freunde von Schmitt Tickets für das Spiel kaufen und erzählten sie hätten jemanden der perfekt für den Job geeignet sei. Die Veranstalter meinten, derjenige solle einfach zum nächsten Spiel vorbei kommen. „Die zwei Kumpels sind dann prompt zu mir gefahren und haben mich so lange bearbeitet, bis ich mich bereit erklärte, ins Maskottchen Kostüm zu schlüpfen.“ Maskottchen wie auf Droge „Ich hab dann halt meine Show durchgezogen. Und Dinge gemacht, die die Leute vorher noch nicht gesehen hatten.“, erinnert sich das Maskottchen. Der Auftritt schlug ein wie eine Bombe. Das schwäbische Tagblatt titelte am nächsten Tag: „Maskottchen wie auf Droge.“ Das war das letzte Spiel der Saison und gleichzeitig das erste Spiel mit Thomas Schmitt als Maskottchen. „Sogar der Sponsor war hellauf begeistert und setzte für eine weitere Zusammenarbeit voraus, dass ich Maskottchen bleibe.“, so Schmitt. „So kam ich zu dem Job, wie die Jungfrau zum Kind.“

Unerträgliche Hitze Mittlerweile macht es immer noch Spaß, erzählt der studierte Sportwissenschaftler, Schmitt, der jetzt 34 ist, weiter. Die Aufregung hat nachgelassen. „Zu Beginn war ich immer am Tag davor schon aufgeregt. Später am Tag des Spiels, dann als ich in die Halle kam. Mittlerweile werde ich erst nervös wenn die Flammen in die Höhe schießen und die Spieler einlaufen.“ Er sieht sich als Teil des Teams, nicht als Fan. „Wenn die Mannschaft gewinnt, fühlt man sich zu einem gewissen Grad beteiligt. Die Spieler merken ja, wenn das Publikum voll hinter ihnen steht und dafür kann ich sorgen.“ Derzeit ist Schmitt leider verletzt. Eine Krankheitsvertretung gibt es nicht. Es gab sogar ein Casting um einen würdigen Vertreter zu finden, doch Schmitt bleibt unersetzlich. „Letztes Mal hats ein Praktikant gemacht, aber das hat man sofort gesehen. Der Praktikant kam nach dem Spiel zu Schmitt: „Er meinte, er hätte immer schon Respekt vor meiner Arbeit gehabt, aber jetzt noch viel mehr.“, sagt Schmitt. Tatsächlich ist Maskottchen sein kein leichter Job. Durch die kleinen Öffnungen am Kopf bekommt man wenig Luft und sieht gleichzeitig sehr schlecht. Dazu kommt eine unerträgliche Hitze. Überhaupt macht das Kostüm jede Bewegung anstrengender. „Wenn man sich vorstellen will, wie sich ein Maskottchen fühlt, dann zieht man am besten Snowboardklamotten und einen Motorradhelm auf, geht in die Sauna und springt dort Seil.“, vergleicht Schmitt grinsend. „Eigentlich ist es Quatsch sich so zu quälen“, gibt er zu „aber man ist halt der Tiger.“

Turnen und Tanzen für die Tigers

Hauptberuflich ist Thomas Schmitt professioneller Mountainbiker. Für seine Auftritte als Maskottchen bekommt Schmitt eine „Aufwandsentschädigung“ die aber nicht wirklich ausschlaggebend ist für sein Engagement. „Meine Berufe machen mich in vielerlei Hinsicht reich – nur nicht in finanzieller.“, beschreibt das Mannschaftsmaskottchen. Er hat in Tübingen Sportwissenschaften studiert. Während seines Studiums besuchte er Turn- und Tanzkurse Das kommt ihm bei seinen Tiger-Auftritten zugute. Stefan Raabs drittbestes Maskottchen Ein Maskottchen tritt übrigens fast immer nur bei den Heimspielen der Mannschaft auf. Wenn Thomas Schmitt mal auf ein Auswärtsspiel fährt, dann also nur als Fan. Einmal im Jahr findet der „Allstarday “statt, bei dem die besten nationalen und internationalen Basketballspieler der Liga ihre Kräfte messen. Dort treffen sich dann Maskottchen von allen Basketballmannschaften. Das Tübinger Tigerle war sogar auf einer Maskottchen Weltmeisterschaft. Diese wurde von Stefan Raab in seiner Sendung „TV total“ veranstaltet. Damals wurde Thomas Schmitt „nur“ dritter, da ihn das Duisburger Zebra bös faulte. „Die ganze ‚Weltmeisterschaft‘ bestand eigentlich nur aus einem Wettrennen. Mit ein paar Hindernissen hätte das ganze schon anders ausgesehen.“, berichtet er.

Bei dem vielen Unfug – ist das Maskottchen denn schon mal zurecht gewiesen worden?

„Ich habe Gott sei Dank noch nie ein technisches Foul bekommen. Aber man probiert natürlich immer so weit zu gehen wie man kann.“, berichtet Schmitt „Einmal wurde ich negativ in einem Spielbericht erwähnt. Da haben wir gegen Ulm gespielt. Kurz davor war die Geschichte mit der Ulmer Schachtel, einem Boot das auf dem Neckar untergegangen ist. Ich habe dann ein Boot nachgebaut und mir einen Riesenspaß daraus gemacht, dieses am Ende mit Krawall zu zerstören.“ Die Tübinger Fans waren hellauf begeistert. Aber im Spielbericht stand, das Maskottchen solle solche Aktionen doch bitte in Zukunft unterlassen. „Ich versuche meinen Radius beim Spiel auch immer etwas auszuweiten und da wird man vom Schiedsrichter schon mal zurechtgewiesen.“ Wirklich schlimme Konsequenzen gab es aber noch nicht.  Seit einiger Zeit engagiert sich das Tigerle alias Thomas Schmitt auch für Wohltätige Aktionen. Zum Beispiel für die Bonhoeffer Stiftung. Die haben mehrere Häuser in Tübingen für Kinder die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können. Oder auf der Kinderkrebsstation in Stuttgart. Da war das Maskottchen unterwegs, um den kleinen Patienten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.
Wenn der Plüschtiger in der Mensa herumwandelt, handelt es sich allerdings nicht um Schmitt. Für ein richtiges Autogramm geht man also besser direkt zu einem Spiel, nur so ist es das Original.

Jüdischer Konvertit Hugo Marcus und muslimische Reaktionen auf den Nazismus

„Rethinking the history of muslim and jewish relations: Jewish convert Hugo Marcus and muslim responses to nazism in Germany“ unter diesem Vortragsmotto begrüßte Professor Marc David Bear die Studenten und Interessenten im Vorlesungsaal 9 der neuen Aula. Die Veranstaltung und der Gastvortrag sind vom Zentrum für islamische Theologie veranstaltet worden.

„How much do I read of the mufti of jerusalem, […] but he is only one aspect“

„Wer unter ihnen kennt Mohammed Amin al-Husseini?“, fragt der Professor in den Saal. Ein oder zwei Hände erheben sich. Der Professor schmunzelt und fragt: „ oder sollte ich sagen den Großmufti von Jerusalem?“ – wieder erheben sich ein paar Hände mehr als das Letzte mal.Der Großmufti und seine Kollaboration mit den Nazis ist nur eine Linie innerhalb der Geschichte. Ein anderer Aspekt soll am Beispiel von Hugo Marcus aufgezeigt werden.

Hugo Marcus, 1880 als Sohn jüdischer Eltern geboren, erlebt die Entwurzelung im 1. Weltkrieg und auf Grund Geldmangels findet er zur Moslemischen Gemeinde zu Berlin.Der erste Weltkrieg war nicht nur ein Wendepunkt für die beteiligten Nationen, sondern es machten sich auch die ersten beiden Missionare Maulana Sadr ud-Din und Maulvi Abdul Majid auf den Weg nach Deutschland. 1922 schlossen sich die in Berlin lebenden Moslems aus vielen Nationen, vermehrt aus dem Südpazifik und Anhänger der Ahmadiyya Anjuman Isha’at-i-Islam (AAIIL).

Das Spektrum der Moslems war genauso vielfältig wie ihre säkularen, nationalistischen, sozial-revolutionären, shariaristischen und fanatischen Ansichten.

Die Moschee stand allen religösen Richtungen des Islams offen

Von dieser Gemeinde (AAIIL) ging auch die Erbauung und Grundsteinlegung der Berliner Moschee (Heute: Wilmersdorfer Moschee) aus, die in der Bauzeit von 1924-1928 fertiggestellt werden sollte.Die Moschee stand allen religiösen Richtungen des Islams offen. Außerdem sprach sich die Gemeinde gegen Nationalismus, Rassismus und Krieg aus.In diesem Klima und nachdem seine Familie besitzlos und gutlos geworden war (die Besitztümer wurden durch den Vertrag von Versailles Polen zugeschlagen), findet Hugo Marcus zum Islam und zur Berliner Gemeinde. Er konvertiert zum Islam und gibt sich den Namen Hamid.

  1. März 1930 wurde Hugo Marcus Präsident der „Deutsch-Muslimischen-Gesellschaft“, die Nachfolgering der „Islamischen Gemeinde Berlin e.V.“

So dachte der Hugo Marcus, dass er seinen jüdischen Hintergrund hinter sich lassen könne, allerdings ändert sich dies abrupt mit der Machtergreifung der Nazis.Dies zeigt sich durch Mohammed Ali Jouhar  aus Indien und seine Lobpreisungen auf Adolf Hitler.Seiner Meinung nach teilt das „Neue Deutschland“ (3.Reich) und der Islam dieselben Grundsteine, Überzeugungen und Säulen.Mit dem Beginn der Durchsetzung der Nürnberger Rassegesetze,  verließ Hugo Marcus sein Präsidialamt innerhalb der Moschee. Während zu dieser Zeit bereits Juden verfolgt wurden, stellte sich die Gemeinde stets hinter Hugo Marcus.

Durch diese Aktion und gerade weil sie Hugo Marcus bei sich beherbergten wurden die AAIIL in der Goebbels-Presse als „jüdisch-bolschewistische Organisation“ diffamiert.Am 9.11.1938 wird er in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wie die verbliebenen 6000 Juden der Stadt Berlin,  auf Grund seiner jüdischen Herkunft. Durch Fürsprache von Scheich Mohammed Abdullah, der ein muslisches Kulturzentrum in der Schweiz aufbauen wollte, wird er bereits am 19.11.1938 freigelassen unter der Bedingung, dass er Deutschland verlassen muss.

Hugo Israel und seine Flucht ins schweizerische Exil

Im Jahre 1939 in dem erstmal über die „Endlösung der Judenfrage“ diskutiert wird, wird Hugo Marcus mit einer Schikanemaßnahme als Krimineller behandelt, seine Fingerabdrücke aufgenommen und umbenannt in Hugo Israel.Eine Woche vor dem Überfall auf Polen durfte Hugo Marcus Deutschland verlassen und flüchtete sich in die Schweiz, obwohl eine Schifffahrt nach Indien die sichere Alternative war. Rund 30 Jahre bis zu seinem Tod wird er im schweizerischen Exil verbringen.So wie es die erste feste islamische Gemeinde mit einer Kontinuität nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland (Berlin) gab, genauso setzte sich Hugo Marcus für eine erste deutsche Koranübersetzung ein. Sein Name wird jedoch bei den Danksagungen nicht aufgeführt, was auf politische Hintergründe (Jüdische Herkunft) schließen lässt. Die erste Koranübersetzung ins Deutsche erscheint 1939.

In der anschließenden Diskussion und Fragerunde, ging  Professor Marc David Bear darauf ein, dass es die Strömung des Großmufti von Jerusalem gab, die mit Hitler kollaborierte und sein Handeln gut hieß, aber es gab auch eine andere Seite, welche Juden wie Hugo Marcus bei seiner Flucht unterstützten und ihm treu zur Seite standen.

 

„Wer hat denn da geknallt?“

Der Urknall und die Gottesfrage: Ein Thema, das in den Naturwissenschaften aber auch in der Theologie viel diskutiert und umstritten ist. Professor Dr. Thomas Schimmel aus Karlsruhe brachte aus physikalischer Sicht Licht ins unendliche Dunkel.

Nicht nur für Physiker, Philosophen und Theologen, sondern auch für Laien ein vielversprechender Abend. Der angesehene und reich prämierte Physiker vom Karlsruher Institut der Technologie (KIT) Thomas Schimmel füllte vergangenen Donnerstag den größten Saal des Kupferbaus. Gleich zu Beginn wurde klar: Physik muss nicht trocken und langweilig sein. Mit einigen Anekdoten, Gedankenexperimenten und Metaphern ließ Schimmel den Zahlennebel seiner Kollegen hinter sich.

„Woher kommt das Universum?“

So wie das menschliche Leben ganz klein und unscheinbar beginne, so sei auch das Universum entstanden: Am Anfang war ein winziger Punkt, in dem alle Masse und Energie versammelt gewesen und dann plötzlich explodiert ist. Das Resultat ist das Universum und unsere heutige Welt. Aus dieser Zeit, so Schimmel, stammt die kosmische Hintergrundstrahlung, die 2003 von John Mather und George Smoot (Nobelpreis 2006) nachgewiesen wurde. Daran anknüpfend fragt Schimmel: „Wer hat denn da geknallt?“, oder anders ausgedrückt: „Woher kommt das Universum?“. Aus eigener Erfahrung schildert Schimmel, dass er und seine Kollegen zwar immer wieder neue Naturgesetze entdecken beziehungsweise erkennen würden, doch seien diese schon davor vorhanden gewesen – auch ohne Wissen der Menschen. Die Naturwissenschaft entdecke, schaffe aber keine Gesetze.

Reise in den unendlichen Kosmos

Betrachte man das Universum und seine Naturkonstanten, die unser Leben erst ermöglicht hätten ganz genau, so beschleicht einen schnell der Verdacht, dass dies nicht nur Zufall sein könne. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Feinjustierung der Konstanten sei so präzise, wie wenn ein Scharfschütze von der Erde auf ein Ein-Cent-Stück zielen müsste, das sich am anderen Ende des Universums befinde. „Ein ganzes Universum extra für uns? Wow! – Manche werden bereits rot“, sagt Schimmel und das Publikum hängt an seinen Lippen.

Von der Mikro- zur Makroebene oder besser gesagt bis an die Grenzen des Universums: Schimmel zeigt Schnappschüsse des Jupiters mit seinen braunen Gaswolken; die Sonne in Infrarotaufnahme; eine Galaxie in Form eines Pferdes. Alles in allem „wunderschöne Lichteffekte“ und er fügt noch hinzu: „Es hat schon etwas von Science-Fiction. Es ist aber nicht Fiction, sondern Science.“

Vom Staunen zum Glauben

Den letzten Teil seines Vortages wendet Schimmel ins Existenzielle. Alle diese faszinierenden und großartigen Eindrücke münden in eine nüchterne Erkenntnis: „Wir ahnen nur mit unseren Methoden, was hinter dem Schleier stecken mag – und staunen. Wir sehen doch nur die Schatten an der Wand und verstehen lediglich schemenhaft.“

Und so seien es nicht die Menschen, welche die Frage nach dem Woher des Universums und nach dem eigenen Sein endgültig beantworteten, sondern Gott. Konkret sei dies in Jesus Christus geschehen. Professor Schimmel schließt sein intelligentes und plausibles Plädoyer mit den Worten des Begründers der Quantenphysik Max Planck: „Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander.“

Wochenendtipps

Auch 2014 gibt’s wieder die gewohnten Wochenendtipps von uns: Wir von der  Kupferblau organisieren zusammen mit den Jusos heute Abend die Clubhausparty. Am Samstag feiert das Rohbautheater Kollektiv Premiere mit dem Stück „sie frisst“ im Löwen.

 
Kupferblau und Jusos präsentieren die New Years Clubhausparty.

Erklärung überflüssig: Die Clubhausparty gehört zum Tübinger Studentenleben wie die Prüfungen zum Semester. Wie immer geht’s um 21 Uhr los. Mit Bier und Glühwein könnt ihr euch der Farbe unserer Zeitung angleichen. Als besonderes Extra bekommt ihr die neue Ausgabe schon exklusiv vor dem offiziellen Verteilungstermin. In diesem Sinne: Prost!

 
Premiere: Theaterstück „sie frisst“

Wer eine junge Theatergruppe unterstützen möchte, der sollte am Samstag in den Löwen gehen, und sich das Stück „sie frisst“ vom Rohbautheater Kollektiv ansehen. „Sie frisst. Das ist ein Stück über unsere Zeit und den schier unersättlichen Hunger nach erlebten Augenblicken.“
Das Stück wird auch noch am 16.01.2014 und am 26.01.2014 aufgeführt.

Weitere Infos gibt’s auf Facebook: Rohbautheater Kollektiv

unabhängig| neutral| kostenlos