Alle Beiträge von Frank Schuhmacher

Hamed Abdel-Samad: Mehr Säkularisierung wagen!

Tübingen (20.10.2014) Zu Beginn dieser Woche fand wieder eine der gut besuchten Veranstaltungen von Querfeldein e.V. im Ribingurumu statt: Zu Gast war Hamed Abdel-Samad, der seine neue Publikation „Der islamische Faschismus. Eine Analyse.“ zur Diskussion stellte.

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Nach den Sternen greifen – ein Blick in die Sterne verrät viel über uns selbst.

SternenausstellungIm Januar diesen Jahres (23.01.) wurde die Langzeitaustellung „Nach den Sternen greifen“ im Schlossmuseum Hohentübingen eröffnet. Mit eindrücklichen Originalen wie  dem Buch „Mysterium Cosmographicum“ (Kepler: 1596), alten Teleskopen, aber auch fiktiven,  einfallsreichen Zeitungsmeldungen rund um den Fall Kopernikus, ist die kleine Ausstellung ideal, um einen anschaulichen und vielfältigen Einblick in Wissenschaft und Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zu erlangen. Nach den Sternen greifen – ein Blick in die Sterne verrät viel über uns selbst. weiterlesen

Immersatt? Immerglücklich? Ganz falsch.

Kritisches Theater besticht mit Ironie und Witz. Zu sehen in: Sie frisst. Ein Stück. Sieben Segmente.Eine besondere Gruppe, welche die Liebe zur Kunst, zum Theater, zur Musik sowie zum literarischen Schreiben zusammengeführt hat: das Rohbau Kollektiv. Sie sind allesamt Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen mit einer Idee etwas zu unternehmen. Aus einem bekannten Kinderbuch über eine hungrige Raupe wurde eine anspruchsvolle Adaption und Weiterführung. Alle haben dazu beigetragen: Jeder schrieb seine Version und diese wurden zusammengesetzt, so dass am Ende viele Perspektiven und Meta-Ebenen in einem Kaleidoskop mündeten: Sie frisst. Ein Stück. Sieben Segmente.

Theater mit Einsatz

Am vergangenen Samstag war die Premiere im Löwen, die charmanteste und wohl morbideste Bühne unter den Bühnen Tübingens. Ein Relikt aus vergangener Zeit mit samtroten, bequemen Sitzen. Hier probte das Rohbau Kollektiv seit letzten Oktober mit vollem Einsatz auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie haben Spaß  aus sich heraus zu gehen und so für einen kurzen Moment anders, jemand anderes zu sein. Das Theater ist selbst ein großer Kokon. Man schlüpft in eine Rolle und wird zu einem anderen. Desgleichen zeigt sich die Umsetzung facettenreich. Elemente von Pantomime, Ausdruckstanz und Slap-Stick sowie ein Potpourri aus Gesang, Life-Musik, Licht und Video, kurz: ein Gesamtkunstwerk.

Das Leben einer Raupe

Zuerst das Vorspiel: Im Liebesrausch erfüllen die Schmetterlinge ihre Bestimmung. Die Frucht dieser Liebe ist ein Ei. „Und als an einem schönen Sonntagmorgen/ Die Sonne aufging, hell und warm,/ Da schlüpfte aus dem Ei – knack- /Eine kleine Raupe.“ Sie kommt auf die Welt. Sie f r i s s t. Verpuppt und verwandelt sich. Aus dieser Metamorphose entschlüpft: ein Schmetterling.Wie viel verträgt so eine kleine Raupe, wann ist sie gesättigt? Und wie sieht ihr Ziel aus? Ihr Ziel ist ein ferner Wunsch: „Wenn ich Schmetterling wär´…“

Beginn des großen Fressens

Das ständige Fressen und die Suche nach Nahrung, um endlich groß genug zu sein, ist eine geschickte und subtile Inszenierung der verschiedenen gesellschaftlichen Pathologien, die heutzutage virulent geworden sind. Um einige zu nennen: Der Bildungs- und Qualifizierungswahn der Generation Praktikum, die Automatismen und Beschleunigung im Arbeitsbereich und Alltagsleben sowie die allgegenwärtigen Kontroll- und Überwachungsmechanismen. Wie sich das konkret auswirkt, ist im Stück drastisch zu sehen: Da sitzen zwei versnobte Ehepaare zum Essen zusammen und reden von Power-Yoga und kollektiven Schuldgefühl. Das Publikum lacht darüber, denn es erkennt sich teilweise selbst. In dieser Überspitzung liegt viel Wahres. Auch wahr ist: „Essen bewusst genießen“.  Dies gilt für das ganze Leben. Durch einen Haufen von sinnlich, saftig, süßen Köstlichkeiten schmatzt sich der Fresser. „Die Fleischeslust, sie packt/ einen bei der Ansicht von diesem geilem Schinken! Ein Hinterstück das seinesgleichen sucht, prall und üppig/ und nicht zu speckig zieht es einen an, und auch es/ wird vernascht./ Ham Ham.“ Auf diese Weise das Essen zu vernichten, bedeutet, dass es uns bald selbst vernichten wird. Doch wie damit umgehen? Die Erlösung aus diesem Teufelskreis mag nur durch die ironische Brechung gelingen, so auch im Stück: Im Hintergrund spielt sich zu pathetisch-wagnerianischer Musik eine Choreographie des Essens ab. Am Ende – geschrien – die Forderung: A b s t i n e n z!

Wer erkennt, dass der Schmetterling nicht das Ideal, sondern ein Trugbild ist, der wird wirklich zufrieden sein können, denn: „O glücklich wer noch hoffen kann aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.“

Was bleibt?

Zum Schluss des Abends bleibt die Gewissheit, dass ein Kinderbuch zu mehr verhelfen kann als ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Wer diesen tiefsinnigen Zauber erleben möchte, hat dazu noch am 16./21./26. Januar jeweils 20 Uhr die Gelegenheit.

„Wer hat denn da geknallt?“

Der Urknall und die Gottesfrage: Ein Thema, das in den Naturwissenschaften aber auch in der Theologie viel diskutiert und umstritten ist. Professor Dr. Thomas Schimmel aus Karlsruhe brachte aus physikalischer Sicht Licht ins unendliche Dunkel.

Nicht nur für Physiker, Philosophen und Theologen, sondern auch für Laien ein vielversprechender Abend. Der angesehene und reich prämierte Physiker vom Karlsruher Institut der Technologie (KIT) Thomas Schimmel füllte vergangenen Donnerstag den größten Saal des Kupferbaus. Gleich zu Beginn wurde klar: Physik muss nicht trocken und langweilig sein. Mit einigen Anekdoten, Gedankenexperimenten und Metaphern ließ Schimmel den Zahlennebel seiner Kollegen hinter sich.

„Woher kommt das Universum?“

So wie das menschliche Leben ganz klein und unscheinbar beginne, so sei auch das Universum entstanden: Am Anfang war ein winziger Punkt, in dem alle Masse und Energie versammelt gewesen und dann plötzlich explodiert ist. Das Resultat ist das Universum und unsere heutige Welt. Aus dieser Zeit, so Schimmel, stammt die kosmische Hintergrundstrahlung, die 2003 von John Mather und George Smoot (Nobelpreis 2006) nachgewiesen wurde. Daran anknüpfend fragt Schimmel: „Wer hat denn da geknallt?“, oder anders ausgedrückt: „Woher kommt das Universum?“. Aus eigener Erfahrung schildert Schimmel, dass er und seine Kollegen zwar immer wieder neue Naturgesetze entdecken beziehungsweise erkennen würden, doch seien diese schon davor vorhanden gewesen – auch ohne Wissen der Menschen. Die Naturwissenschaft entdecke, schaffe aber keine Gesetze.

Reise in den unendlichen Kosmos

Betrachte man das Universum und seine Naturkonstanten, die unser Leben erst ermöglicht hätten ganz genau, so beschleicht einen schnell der Verdacht, dass dies nicht nur Zufall sein könne. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Feinjustierung der Konstanten sei so präzise, wie wenn ein Scharfschütze von der Erde auf ein Ein-Cent-Stück zielen müsste, das sich am anderen Ende des Universums befinde. „Ein ganzes Universum extra für uns? Wow! – Manche werden bereits rot“, sagt Schimmel und das Publikum hängt an seinen Lippen.

Von der Mikro- zur Makroebene oder besser gesagt bis an die Grenzen des Universums: Schimmel zeigt Schnappschüsse des Jupiters mit seinen braunen Gaswolken; die Sonne in Infrarotaufnahme; eine Galaxie in Form eines Pferdes. Alles in allem „wunderschöne Lichteffekte“ und er fügt noch hinzu: „Es hat schon etwas von Science-Fiction. Es ist aber nicht Fiction, sondern Science.“

Vom Staunen zum Glauben

Den letzten Teil seines Vortages wendet Schimmel ins Existenzielle. Alle diese faszinierenden und großartigen Eindrücke münden in eine nüchterne Erkenntnis: „Wir ahnen nur mit unseren Methoden, was hinter dem Schleier stecken mag – und staunen. Wir sehen doch nur die Schatten an der Wand und verstehen lediglich schemenhaft.“

Und so seien es nicht die Menschen, welche die Frage nach dem Woher des Universums und nach dem eigenen Sein endgültig beantworteten, sondern Gott. Konkret sei dies in Jesus Christus geschehen. Professor Schimmel schließt sein intelligentes und plausibles Plädoyer mit den Worten des Begründers der Quantenphysik Max Planck: „Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander.“