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Wulle Wulle Schinkenspeck?

Der Tübinger Liedermacher Häns Dämpf im Gespräch

Häns Dämpf überzeugt mit seiner schrillen Art nun schon seit geraumer Zeit das Publikum in Tübingen und Umgebung. Wortwitz und Parodie treffen in seinen Songs auf Politisches und Sozialkritik. Durch einen originellen Tanzwettbewerb, mit dem er bei Youtube für Furore sorgte, machte er auch deutschlandweit auf sich aufmerksam. Auch auf dem diesjährigen Ract!-Festival zog Häns Dämpf mit seiner 2-Mann-Band die Zuhörer in seinen Bann. Die Kupferblau traf sich mit Häns Dämpf zum Gespräch.


geschrieben von Michael Hellstern



Wie bist du auf den Bandnamen gekommen?

Das ist eine sehr komplizierte Frage, weil ich das selbst nicht mehr so richtig nachvollziehen kann. Ich erzähle immer, dass meine Mutter Frau Dämpf hieß und ich mir dann dazu passend den Namen Häns überlegt habe.

Wie würdest du die Musik, die Häns Dämpf macht, beschreiben?

Wenn ich auf meine Entwicklung Bezug nehme, hat sich das ganze Songwriting aus Kurt Cobain und Nirvana entwickelt. Damit habe ich das Songschreiben gelernt, was dann später aber eher poppiger geworden ist. Das andere ist, dass ich selbst immer ganz komische Ideen habe, wie man Songs machen kann. Da kommen dann so verrückte Sachen wie der „Dönerpass“ raus, die eigentlich gar keine richtigen Songs sind.

Fällt das dann eher in den Comedybereich?

Wenn man das plakativ ausdrücken will, sind es vielleicht Comedysongs. Es ist aber immer schwierig, sich da selbst einzuordnen. Das Meiste von dem, was im Fernsehen an Comedy kommt, mag ich nicht. Das was unter Kabarett fällt finde ich auch langweilig. Aber irgendwo zwischen Comedy und Kabarett kann man es schon einordnen

Bei Häns Dämpf werden ja  verschiedene Einflüsse verwendet - was für Musik hörst du denn privat?

Alles mögliche. Angefangen habe ich mit Grunge, Nirvana und Pearl Jam. Das höre ich heute auch noch manchmal, vielleicht mehr Pearl Jam als Nirvana. Ich gehe zum Beispiel jetzt auch zum Southside Festival, da freue ich mich auf Kraftwerk, die ziemlich interessant sind. Bei mir ist es so, dass ich ziemlich wenig zum Musikhören komme. Ein bisschen absurde Sachen gefallen mir eigentlich immer und sonst Rocksachen, die etwas Besonderes haben. Das Album was mich total beeinflusst hat, als ich noch klein war, war Nevermind von Nirvana. Das geht aber vielen Leuten in meinem Alter so.

Hattest du die Idee mit dem Wettbewerb zum Häns Dämpf Dänct Tanzwettbewerb bei Youtube?

Die konkrete Idee zum Tanzwettbewerb kam eigentlich von Christoph, dem Keyboarder. Ich habe einfach mal nachts zum Spaß ein Lied geschrieben. Dann wollten wir zu dem Lied, das „Wulle Wulle Schinkenspeck“ heißt, ein Video drehen und haben dazu Tänzer  gesucht. Wir haben uns überlegt wie wir das machen, und dann ein Video zur Tänzersuche ins Internet gestellt. Darauf hatten wir dann immerhin 12 Bewerbungen. Die Besten waren fünf Tänzer aus Böblingen.

Warst du mit den Teilnehmern zufrieden?

Mit denen war ich sehr zufrieden, die haben sich sehr gut angestellt. Sie hatten ganz lustige Kostüme dabei, zum Beispiel Bärenkostüme und ganz viele andere verrückte Klamotten, die man auch im Video sieht. Sie waren vor allem auch alle sehr nett. Das ganze Video haben wir übrigens in Hochdorf in der Nähe von Esslingen gedreht. Die Großeltern von unserm Schlagzeuger Benji kommen aus Hochdorf. Da war eine schöne Idylle und wir haben beschlossen es dort zu drehen.

War die Aktion zur Promotion gedacht?

Wir haben das schon auch zu Promotionszwecken gemacht, aber vor allem wollten wir für das Schinkenspeckvideo Tänzer finden.

Ein Lied von dir heißt „Marx hat Recht“, wie zufrieden bist du denn mit den Wahlergebnissen vom Sonntag?

Mit den Ergebnissen in Stuttgart bin ich zum Beispiel sehr zufrieden, da haben ja die Grünen gewonnen und das schafft vielleicht noch einmal ein wenig Bewegung in der Stuttgart-21-Debatte. In Tübingen ist eigentlich relativ klar, dass die Grünen vermutlich für die nächsten 30 Jahre immer gewinnen werden. Da bin ich jetzt nicht so überrascht und das finde ich auch okay. Ich finde es überhaupt relativ schwierig zu wählen, weil es nur vier Parteien gibt, die mich überzeugen könnten, aber davon keine so richtig.

Bist du denn dann auch zur Wahl gegangen?

Auf jeden Fall würde ich jedem empfehlen zur Wahl zu gehen. Wie man jetzt bei der Wahl gesehen hat, gab es außer in Deutschland überall in Europa einen Rechtsruck. Das ist sehr gefährlich für die weitere Entwicklung Europas.  Man sollte darauf achten, dass die Rechten nicht mehr Stimmen bekommen.

Wie ist deine persönliche Beziehung zu Tübingen?

Wenn ich irgendwo in mir selbst Patriotismus verspüre, dann in Bezug auf Tübingen. Tübingen ist für mich eine sehr wichtige Stadt. Ich bin in Sindelfingen zur Schule gegangen. Dort musste ich mich jeden Tag wegen irgendetwas aufregen und habe viel daraus gelernt. Psychologisch betrachtet ist es gut, wenn man eine gewisse Wut in sich hat, die man ins Positive wenden kann. In Tübingen gibt es so viele Möglichkeiten, wo man sich engagieren kann und das war gut für mich. Das gibt es in Sindelfingen überhaupt nicht, da wird eher immer alles platt gemacht. Deshalb bin ich in Bezug auf Tübingen ziemlich patriotisch eingestellt. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, mein ganzes Leben in Tübingen zu verbringen.  Viel lieber möchte ich in der Welt herumtouren.

Gibt es noch einen zweiten Lieblingsort wo du dir später vorstellen könntest  zu wohnen?

Die Antwort hört sich jetzt ziemlich langweilig an, aber Berlin wäre toll. Da sind erstens die Lebenshaltungskosten nicht so hoch und zweitens ist fast jedes Label, das in Deutschland etwas zu sagen hat, dort angesiedelt. Deshalb ist es vor allem als Musiker günstig dort zu wohnen.

Berlin gilt ja wie Tübingen als Stadt der Philosophen - welche Fächer studierst du denn?

Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologie. Ich brauche jetzt noch einen Schein und dann kann ich mein Diplom anfangen.

Macht dir dein Studium Spaß?

Ja,  auf jeden Fall! Zurzeit vor allem die Politikwissenschaft, weil die in Tübingen eine ziemlich hohe Qualität hat. im Gegensatz zur Philosophie, wo es ein bisschen abwärts gegangen ist.  Dort sind  ziemlich viele Stellen gestrichen worden, das ist ein bisschen traurig.

Leidet dein Studium unter deiner musikalischen Arbeit?

Insgesamt schaffe ich es schon alles unter einen Hut zu bringen, deshalb habe ich ja auch einen Hut (lacht). Aber für mich ganz persönlich ist die Musik in meinem tiefsten Innern  viel wichtiger als das Studium. Ich mag es zwar trotzdem, aber das Hauptding ist die Musik und das Studium ist sozusagen mein Hobby.

Wie weit seid ihr denn mit den neuen Liedern?

Wir haben jetzt ein paar neue Lieder, die wir auch schon live spielen. Ich will mir da erstmal noch ein bisschen Zeit lassen und das reifen lassen bevor ich irgendeinen Schnellschuss lande. Die ersten zwei Jahre ist alles ziemlich schnell gegangen und jetzt ist eher eine Phase des Nachdenkens angesagt.

Wie siehst du die Band in 10 Jahren?

Kann ich jetzt noch gar nicht so genau sagen…ich habe noch ziemlich viele Songideen, aber was mich mal reizen würde, wäre eine Art Musical, was eigentlich gar kein Musical ist. Musicals finde ich eigentlich blöd, aber irgendwas bei dem auch was Schauspielerisches integriert wäre, würde mir gefallen. Das wäre ein großer Traum von mir, aber das steht natürlich noch in den Sternen.

 

Häns Dämpf änd Bänd treten am 7.11. im Sudhaus in Tübingen auf.

 

 

 

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