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Was braucht der Mensch zum Leben?

Eine Frage und viele Antworten beim Ract!-Festival am Anlagensee

Es war wieder so weit. Wie jedes Jahr zieht das Ract!-Festival tausende von Besuchern an den Anlagensee. Das große Thema des Festivals: Was braucht der Mensch zum Leben?

von Markus Kopotz

Ein Flaschensammler eilt suchend durch die Häusergassen. Immer auf der Suche nach einer neuen Flasche. Wenn er eine gefunden hat, bingt er sie zu den anderen Flaschen. Doch für die Flaschen wird er nichts bekommen. Alles ist aus Pappe. Einschließlich des fleißigen Sammlers.
Das sieht man im Stop-Motion-Video von Pappsatt, einer Filmgruppe von drei Berliner Studenten. Sie leiten einen Workshop zum Thema des Ract!-Festivals: Armut und lebenswerte(s) Leben. „Wir wollen das Leben eines Flaschensammlers nachstellen und gegenüberstellen, dass Banken Milliarden in den Arsch gesteckt bekommen“, so die Studenten. „Man sollte keine Pfandflaschen brauchen müssen.“

Nico Suave auf der Bühne West | Bild: Zipperlen


Entlang der Infomationsstände drängen sich viele Schüler und Studenten. Am Rand sitzt Ibo, 24, Germanistik- und Geschichtestudent und macht eine Pause: „Man kann sich hier amüsieren, Musik hören und die Stände nehm ich nebenbei mit. Rainer von vielen war super. Und Nico Suave soll auch gut sein.“ Ibo gefällt an dem Festival die „komplette Palette“. „Was cool ist, sind die unterschiedlichen Besucher, hier sind graue Greise, 15jährige und Mitstudenten.“ Jonas, 21, Anglistik- und Sportstudent, mag das Ract!: „Es ist cool, vor allem, weil es umsonst ist.“ „Es ist super friedlich hier. Und Santorin waren toll!“, findet Rebecca, 22, Anglistik und Portugiesisch. Dave, 25, Chemie- und Maschinenbaustudent aus Stuttgart, ist von den Workshops und Ständen begeistert: „Hier gibt’s nicht so diesen Drückerkolonneneffekt. Die Atmosphäre ist anregend. Man braucht hier keine Berührungsängste zu haben und zu vielen Themen sind Experten da.“ Mannfred, 58, Rentner, ist HIV-Positiv und informiert die Besucher am HIV-Präventionsstand. Er freut sich dabei zu sein: „Hier herrscht eine Wahnsinnsfreundlichkeit und es wird viel gelacht.“ Er sagt, zum Leben braucht der Mensch „vor allem das Leben und eine Zufriedenheit, mit dem was ihm auf dem Weg gegeben wird. Ich muss nicht neidisch auf den anderen sein, weil er einen BMW fährt und ich nur einen Polo. Ich möchte den Leuten mit auf den Weg geben, dass sie nicht leichtsinnig sein sollen.“ Er lacht herzlich. „Und eine Hand voll Kondome.“
Auf der Bühne West moderiert Körper Klauz den ganzen Abend und ist froh dabei zu sein: “Die Stimmung ist wie bei den großen HipHop-Acts, trotzdem gehen die Leute auch bei den kleineren ab. Hier ist es viel familiärer als sonst. Das muss man denen lassen, dass das ein guter Mix aus Subkultur und Kommerz ist.” Klauz weiß, was der Mensch braucht: “Liebe”.
Als Main Act ist Nico Suave am Start und bringt alles zum Kochen. “Ich war in Usbekistan. Die leben ein ganz anderes Leben mit weniger als dem was wir haben. Das bringt einen zum Nachdenken: Warum sind die anderen so arm und keine Kohle ist am Start? Die Leute sollten mehr hinterfragen.”


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