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Orchideenfächer vor dem Aus? | Orchideenfächer vor dem Aus? |
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Hauptfach Skandinavistik von der Schließung bedroht von Hendrik Rohling Orchideen sind anmutige Blumen, die den Menschen seit über 2500 Jahren faszinieren. Auch an unserer Universität gedeihen abseits der Massenfächer ein paar davon. Sogenannte Orchideenfächer sind gekennzeichnet durch eine relativ kleine Studierendenzahl und einem meist hohen Spezialisierungsgrad. Aufgrund immer stärkerer Forderungen nach Wirtschaftlichkeit und kleiner werdender Geldtöpfe scheinen sie allerdings vom Aussterben bedroht. Aktuell ist die Skandinavistik, ein kleines Fach des Deutschen Seminars in der neuphilologischen Fakultät, davon betroffen. Im Mai scheint es bereits beschlossene Sache: Das BA-Hauptfach Skandinavistik werde zum Wintersemester 09/10 geschlossen, die Aufnahme eines Studiums der Skandinavistik sei nur noch im Nebenfach oder im Masterstudiengang möglich, heißt es. Die Skandinavistikstudierenden reagieren empört und mit Verständnislosigkeit. Während einer Fakultätsratssitzung kommt es sogar zu einem Sitzstreik. Schließlich wird eine Vollversammlung zum Montag, dem 15 Juni, einberufen, zu der die Mehrzahl der 170 Skandinavistikstudierenden erscheint, um zusammen mit Frau Gropper, Professorin für Skandinavistik und Prorektorin für Studium und Lehre, dem geschäftsführenden Direktor des deutschen Seminars Herrn Häfner sowie Herrn Knape, Dekan der neuphilologischen Fakultät, über die bereits angekündigte Einstellung des Hauptfaches Skandinavistik zu diskutieren. „Es liegt an der Stellenausstattung“, antwortet Frau Gropper auf die Frage nach dem Grund der Schließungsabsichten. Für das Hauptfach müssten mindestens zwei nordische Sprachen angeboten werden. Langfristig könne man aber nur das Schwedischangebot durch feste Mitarbeiter garantieren. Denn für weitere Lektoratsstellen fehle das Geld. Ursprünglich seien zwar innerhalb des Deutschen Seminars der Skandinavistik zwei zusätzliche halbe Mitarbeiterstellen versprochen worden, aufgrund rückläufiger Entwicklungen bei den Studiengebühren, konnte dieses Versprechen aber nicht eingelöst werden. Bei der Akkreditierung, die in einem Jahr anstände, würde das BA-Hauptfach deshalb ohnehin beanstandet werden. Professor Knape bringt die bittere Wahrheit später auf den Punkt: „Die Skandinavistik ist ein Fach, das lebt. Aber es ist kein Geld da, um es zu entwickeln.“ Ferner spricht er von einer „strukturell ungünstigen Gemengelage“ und meint damit die schrumpfenden Finanzen, die bürokratischen Akkreditierungshürden und den Stellenrückgang durch den Solidarpakt zwischen der Landesregierung und den Hochschulen. Es wird noch lange diskutiert. Erst nach über zwei Stunden ist die Vollversammlung zu Ende. Ein allgemeines Gefühl der Niedergeschlagenheit ist den Studierenden beim Verlassen des Brechtbaus anzusehen. Sind nun künftig alle Orchideenfächer an unserer Universität in ihrer Existenz bedroht? Man weiß es nicht. Die Skandinavistik kann indes weiter hoffen. Denn inzwischen steht fest, dass das Hauptfach erst einmal noch ein Jahr bis zur Akkreditierung in der bisherigen Form weiter laufen wird. In der Zwischenzeit soll die Möglichkeit eines Ein-Sprachen-Hauptfaches sowie der Zusammenlegung von Skandinavistik mit der Komparatistik geprüft werden.
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