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Aktionstag nachhaltige Hochschule

Die Zukunft vor Augen –  ein abstrakter Begriff wird mit Leben gefüllt

Von Biowaffeln bis Fruchtspießen – Nachhaltigkeit einmal anders


geschrieben von Michael Hellstern


 

Hannover liegt plötzlich direkt am Meer, die Niederlande halb unter Wasser. In Tübingen ein Klima wie im Mittelmeerurlaub. Professor Stefan Rahmstorf, Experte vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, warnt vor solch düsteren Zukunftsszenarien.

Der Tag der Nachhaltigkeit beweist, dass auch in Tübingen ökologische Verantwortung ein Thema ist. In dem vom Umwelt-AStA organisierten Aktionstag am 27. Mai feierten verschiedene studentische und kommunale Gruppe ein buntes Fest der Nachhaltigkeit. Gar ein Teil der Wilhelmstraße wurde gesperrt, sodass zahlreiche Stände zwischen Mensa und Unibibliothek hervor sprossen. Die unterschiedlichsten Gruppen präsentieren sich und ihre Ideen an diesem Tag den Besuchern des Umwelttags. Von leckeren Biowaffeln der Grünen Jugend Tübingen, über belegte Biobrote der Aktion „Greening the University“ bis hin zu Fruchtspießen der Global Marshall Plan Initiative gibt es die verschiedensten kulinarischen Leckerbissen zu erstehen. Im Hintergrund jazzt die Band „Saja’s Swinging Orchestra“ und schafft so ein entspanntes Sommerfeeling.

Bei der Grünen Hochschulgruppe kann man unter anderem zwei energiebetriebene Fahrräder, Pedelecs genannt, Probe fahren. Diese können dem Fahrer in drei verschiedenen Stufen elektrische Energie während der Fahrt hinzuschalten, die das Fahrrad deutlich beschleunigen. Das Treten wird einfacher und selbst steilste Berge stellen kein Problem mehr dar und können ohne große Anstrengungen erklommen werden. Die Reichweite der Batterien beträgt 60 km, der Preis liegt allerdings bei stolzen 1800 €. Das Besondere an den Batterien ist, dass sie an jeder Haushaltssteckdose bequem aufgeladen werden können. Das Probefahrangebot erfreut sich regem Zuspruch.

„Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, dass man nicht nur in den Tag hinein lebt, sondern sich bewusst ist, dass man auch für die nachfolgenden Generationen verantwortlich ist und mit den eigenen Handlungen etwas verändern kann.“
Johannes Lutz, Sprachen, Geschichte und Kulturen des Nahen Ostens und Politikwissenschaft im 2. Semester

Die Initiative „Greening the University“ informiert an ihrem Stand über ihre Arbeit. Sie versucht nachhaltige Entwicklung an der Universität zu verankern. Für Moritz Drupp bedeutet nachhaltige Entwicklung „dafür zu sorgen, dass zukünftige Generationen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, wie wir heute.“ Konkret soll das nach Meinung der Mitglieder an der Universität bedeuten, dass „Umweltschutz und Energieeffizienz das Handeln bestimmen und Lehre und Forschung sich auch in Richtung nachhaltige Entwicklung orientieren müssen.“

„Der Tag der Nachhaltigkeit bewirkt etwas. Hoffentlich orientieren sich hieran viele Studenten und übertragen davon etwas auf ihr Leben.“
Catharina Weis, Allgemeine Sprachwissenschaft und Geschichtswissenschaft im 2. Semester

Nachhaltigkeit einmal anders gibt es beim Stand der Aktion „Schenke eine Ziege“. Die Aktion hat sich die Frage der sozial-globalen Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben. Am Stand des Hilfsprojektes für Uganda können Interessierte mit einer Spende von 25 € ugandischen Familien eine Ziege schenken und so aktiv die Lebensbedingungen vor Ort verbessern. Die Ziege beschert den Kindern vor Ort mit ihrer Milch Eiweiß, das diese benötigen um die tödlichen Mangelerscheinungen auszugleichen. Desweiteren kann sie der ganzen Familie durch den Milchverkauf auch langfristig das Leben erleichtern.

„Auf lange Zeit gesehen ist es gut, die Leute immer wieder wach zu rütteln und sie daran zu erinnern, dass sie selbst aktiv werden müssen um etwas zu verändern.“
Carolin Wölz, Musikwissenschaft und Medienwissenschaft im 2. Semester

Auch das teilAuto Car-Sharing Tübingen ist beim Tag der Nachhaltigkeit vor Ort und wirbt für seine umweltfreundliche Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs. Mit über 25 Stellplätzen in Tübingen ist Car-Sharing schon seit einiger Zeit zu einer ökonomischen und ökologischen Alternative zum privaten Auto geworden.

Verschiedene weitere Stände, wie zum Beispiel des Ract! Festivals, der Global Marshall Plan Initiative und der Stadtwerke Tübingen ergänzen das Infoangebot und machen deutlich, dass Nachhaltigkeit an den unterschiedlichsten Punkten ansetzen kann.

Dabei wird klar, dass zum abstrakten Begriff Nachhaltigkeit viele Vorstellungen existieren. Für das Mitglied der Grünen Hochschulgruppe Johannes Lutz bedeutet Nachhaltigkeit beispielsweise vor allem, dass „jeder Einzelne bewusster leben und somit die vielfältigen Probleme in der Welt wahrnehmen sollte. Mit diesem Wissen sollte man dann zumindest in dem Rahmen, in dem man etwas bewegen kann, aktiv werden.“ Die Studentin der Allgemeinen Sprachwissenschaft Catharina Weis sieht im Begriff Nachhaltigkeit hingegen vor allem, dass „die Welt im jetzigen Zustand verbessert wird, sodass wir den nachfolgenden Generationen eine besser Welt hinterlassen können.“

Im Anschluss hält Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie im Kupferbau einen Vortrag zum Thema „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“. Inhalt des Vortrags sind die Ergebnisse einer Studie, die Bilanz über die derzeitigen Klimaprobleme und den Rohölschwund zieht. Hier wird deutlich, dass zwölf Jahre nach der ersten Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ die dort formulierten Ziele nicht erreicht wurden. Grundlegende Veränderungen sind ausgeblieben, es gab lediglich einige Kursanpassungen, keine Kurswende. Die neue Studie soll nun nicht nur Bilanz ziehen, sondern gleichzeitig auch Wege aus der Krise aufzeigen und darstellen, wie die heutige Gesellschaft zukunftsfähig aufgestellt werden kann. Die geforderten Maßnahmen reichen von sozialem Ausgleich durch Umverteilen von Einkommen und Vermögen bis zur Ressourceneinsparung und dem Einstieg in die Energiespargesellschaft.

Die Musikwissenschaftsstudentin Carolin Wölz zeigt sich positiv überrascht vom Tag der Nachhaltigkeit: „Die vielen verschiedenen Stände, bei denen man sich informieren konnte, waren toll. So konnte man sich auch Gedanken machen, wie man im persönlichen Leben mit Nachhaltigkeit umgeht und wo man vielleicht etwas verändern sollte. Ich werde in Zukunft sicher noch mehr darauf achten, nicht unnötig Wasser und Energie zu vergeuden.“

 

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