Wer war eigentlich…Ernst Bloch?

Tagtäglich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Persönlichkeiten benannt wurden. Doch wer waren diese Menschen und was leisteten sie, dass Straßen, Plätze und Denkmäler zu ihren Ehren erbaut wurden? Diese Woche haben wir einen der bekanntesten und berüchtigsten Gastprofessore Tübingens im Fokus. 

Nicht nur wenn in Tübingen die Ernst und Karola Bloch Wochen laufen lohnt es sich mehr über den marxistisch geprägten Philosophen zu erfahren. Die ersten Ernst-Bloch-Tage fanden im Jahr 1978 statt. Seine Vita kann gelinde gesagt als turbulent bezeichnet werden: Eine umfassende akademische Ausbildung, viele Ortswechsel und die Flucht vor dem Naziregime als Sohn einer jüdischen Familie.

Wer war Ernst Bloch und was hat er getan?

Bloch war ein marxistisch geprägter Philosoph, der im 20. Jahrhundert gewirkt hat. Geboren ist er am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen. Der Sohn eines jüdischen Eisenbahnbeamten begann im Jahr 1905, Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in München zu studieren. Anschließend promovierte er an der Universität Würzburg und befasste sich mit der modernen Erkenntnistheorie. Während in Europa der Erste Weltkrieg tobte, zog er mit seiner damaligen Frau in die Schweiz und machte sich für die pazifistische Sache stark – er verfasste beispielsweise einen Essay, in dem er sich mit der Rolle und Funktion von politischen Anführern befasste: Über den sittlichen und geistlichen Führer. Mit dieser Schrift wurde deutlich, dass sich Bloch zunehmend mit dem Leninismus und linker Weltanschauung beschäftigte.

Ernst Bloch (2.v.r.) im Jahr 1971 in einem seiner Seminare, das er als Gastprofessor an der Universität Tübingen hielt: Schein und Vorschein in der Kunst.

Die Zeit im Exil

Kurz nach Hitlers Machtergreifung wurde Ernst Bloch ausgebürgert, verließ zusammen mit seiner späteren (ebenfalls jüdischen) Frau, der Architektin Karola Piotrowska Deutschland und emigrierte in die Schweiz.

Der damals staatenlose Bloch verfasste in dieser Zeit ein Buch, in dem er sich gegen die Ideen des Nationalsozialismus aussprach: Erbschaft dieser Zeit, wodurch er großes Aufsehen erregte. Zwei Jahre später zog er nach Prag – dort kam auch sein einziges Kind zur Welt: Jan Robert Bloch, der wie sein Vater später an mehreren deutschen Universitäten lehrte. Ende der 1930-er Jahre emigrierte Bloch schließlich in die USA. Dort verfasste er auch eines seiner Hauptwerke: Das Prinzip Hoffnung und Subjekt – Objekt. Dort war er ebenfalls bei der Gründung des Aurora Verlags beteiligt, dessen Ziel es war, deutschen Autoren, die im amerikanischen Exil lebten, eine neue publizistische Plattform und Heimat zu geben.

Blochs Rolle bei der Studierendenbewegung 1968

Ernst Bloch betrachtete die Studierendenbewegungen der späten Siebziger mit kritischem Wohlwollen. Er pflegte zu dem Wortführer der Studierendenbewegung in West-Berlin, Rudi Dutschke, eine enge Freundschaft. Dies lag unter anderem daran, dass Bloch in Dutschke jemanden sah, der seine Ideen weiterführen könne. Teile der studentischen Aktivisten bezogen sich auch bei ihren Protestaktionen auf Blochs Schriften.

Ernst Bloch in Tübingen

In den 1960-er Jahren nahm Ernst Bloch – in inzwischen fortgeschrittenem Alter – eine Gastprofessur an der Universität Tübingen an und hielt dort einige Seminare. Unter anderem wurde er auch in Tübingen (sowie den Universitäten Zagreb und Sorbonne) mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Es gab sogar Bestrebungen, die Eberhard Karls Universität Tübingen zur Ernst Bloch Universität Tübingen umzubenennen – ausgehend vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) im Jahr 1977 – kurz nach Blochs Tod.

Die Hochschulgruppe mit dem Namen Ernst Bloch Universität jedoch existiert noch heute.

Der Beschluss zur Umbenennung wurde jedoch im Jahr 2017 zurückgenommen, da man befürchtete, dass sich nicht alle Studierenden mit der politischen Weltanschauung Blochs identifizieren könnten. 

Ernst Bloch ist im Jahr 1977 im Alter von 92 in Tübingen gestorben – seine Ideen und sein akademisches Wirken haben jedoch seinen Tod überdauert und inspirieren noch heute Adressaten der unterschiedlichsten Gruppen.

Den Grabstein von Ernst Bloch kann man sich auf dem Tübinger Bergfriedhof ansehen. Der Stein selbst ist mit einer philosophischen Inschrift versehen: Denken heißt Überschreiten.

 

Titelbild: Nicolas Oehler
Bild 1: Wikimedia Commons
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bloch_Feb._1971.jpg
Bild 2: Ernst Bloch Uni Tübingen
Bild 3: Nicolos Oehler

 

 

 

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