„Die Physiker“ – Drei folgenschwere Morde im Brechtbau-Theater

Der Auftakt des Wintersemesters 2019 wurde diese Woche angemessen gefeiert – von den neuen Erstis und den alten Hasen, ganz gleich ob von Natur – oder Geisteswissenschaftlern. Doch die Stimmung trügt! Denn im Brechtbau wurde eine Leiche gefunden. Und vermutlich war es nicht die Letzte. Die Schauspielgruppe Scenario hat Dürrenmatts berühmtes Drama „Die Physiker“ in Szene gesetzt und wurden dafür am Donnerstagabend mit reichlichem Applaus belohnt.

Die erst Aufführung des Stücks unter der Regie von Eva Link fand am 16. Oktober statt. Es wird noch bis Sonntag, den 20.10.2019 im Brechtbautheater aufgeführt. Gleich zu Beginn der Vorstellung am Donnerstagabend musste das Publikum im gefüllten Saal feststellen, dass ein Mord offensichtlich nicht immer gleich ein Mord ist. Oder der Täter nicht in jedem Fall ein Mörder. Kriminalinspektor Voss (Jan Schneider) hat damit zu kämpfen, dass Morde aufgrund psychisch bedingter Unzurechnungsfähigkeit wohl doch eher unglückliche Zwischenfälle sein können. Oder? Aufgrund der Ereignisse muss die Oberärztin (Hannah Schmieg) in ihrem Sanatorium ‚Les Cerisiers‘ der folgenschweren Änderung zustimmen, dass die Physiker am folgenden Tag nur noch von männlichen Pflegern behandelt werden sollen.

Eine Leiche im Brechtbau und ein Täter, der sich für Einstein hält, haben folgenschwere Auswirkungen auf das Leben im Sanatorium ’Les Cerisiers‘.

Die Wahrheit hinter der Lüge der Verrückten?

Die Physiker – das sind Johann Wilhelm Möbius (Andreas Neusch), Herbert Georg Beutler (Ulf Großhenning), der sich für Newton hält, sowie Ernst Heinrich Ernesti (Thomas Rösner), der als Einstein die ein oder andere Pfeife raucht und seine Zeit mit dem Geigenspielen verbringt. Während Möbius noch keinen Mord begangen hat und als ungefährlich gilt, haben seine Physiker-Kollegen schon zwei Krankenschwestern ermordet. Auch Krankenschwester Monika (Hannah Beil) ist davon überzeugt, dass Möbius gar nicht in das Sanatorium gehört.  Doch auch sie muss dasselbe Schicksal erleiden, wie die anderen Krankenschwestern vor ihr. Nur weshalb? Kriminalinspektor Voss hat kein Interesse mehr an einer wirklichen Investigation und so muss das Publikum im Verlauf des Geschehens selbst erkennen, was der Wahrheit entspricht, und was der Lüge der Verrückten.

Das Ziel der Physiker ist der Fortgang der Physik. Doch was bedeutet das?

Lebendige Bühne

Während der Aufführung erwecken die Schauspielerinnen  und Schauspieler von Scenario all diese Figuren zum Leben. Sie sind wahnsinnige Physiker, glauben felsenfest an ihre Rolle und lassen diese für keinen Moment los. Als Zuschauer erlebt man, wie auf der Bühne Bücher herumgeworfen werden, während schreiend und brüllend ein Monolog gehalten wird. Das Publikum fühlt mit den Charakteren, mit der gutherzigen Krankenschwester, mit dem verlorenen Physikervater und mit den Verrückten, selbst, als sie es nicht mehr sind. Ein Highlight ist das Blockflötenspiel der drei jungen Knaben. So klingen die ersten Töne von „Alle meine Entchen“ auch fast nicht schief.

Für das Flötenspiel scheinen die Söhne des Physikers Möbius noch ein wenig Übung zu benötigen.

„In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff“

Die Komödie lässt mit Klischees nicht zu wünschen übrig, Scenario lebt diese gar mit Freude aus und zieht das Publikum dabei mit in seinen Bann. Andere charakteristische Elemente geben dem Stück den letzten, perfekten Schliff: So wird humoristisch am Verstand und an der Wissenschaft gezweifelt und  das Publikum nach einer schönen Veranstaltung nachdenklich, aber auch ein wenig amüsiert und zufrieden aus der Vorstellung entlassen.

Fotos: Schauspielgruppe Scenario

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