Elite wird man nicht, Elite ist man.

„Tübingen wird Elite-Uni“ – titelten die Zeitungen 2012. Im Rahmen der Exzellenzinitiative wurden der Eberhard Karls Universität damals nicht nur Fördermittel, sondern auch jener ehrwürdige Titel verliehen. Unsere Redakteurin blickt auf ihr Studium an einer Elite-Universität zwischen Pußzszßta-Spieß und Gruppenreferat. Ein nicht ganz erst gemeinter Kommentar.

Harvard, Yale, Princeton, Tübingen – alle fallen unter den Begriff der Eliteuniversität. Leider ist Tübingen international nicht ganz so bekannt. Hierzulande dagegen weiß jeder um die sagenumwobene Universität. Warum sonst weisen Dozierende verschiedener Fächer so inflationär auf unseren „Elite-Titel“ hin? Die Bewerberquoten dürften schließlich in ähnlichen Bereichen liegen wie in Oxford.

Das Studierendensekretariat kümmert sich um diese Menschenmassen, die in Tübingen studieren wollen. Hier wird der Abiturient das erste Mal die ausgezeichnete Qualität unserer Anstalt erfahren. Die Motivation der MitarbeiterInnen wird nur übertroffen von der des Bota-Inders im Sommer. Auch unter dem Semester ist die Betreuung 1a. Neben dem Sekretariat kümmern sich dann noch die Prüfungsämter und die Creme de la Creme gewissenhafter Dozenten um ihre heiß geliebten Studierenden. Scheine werden schneller ausgestellt als Austausch-Studierende aus der Tübinger Steinvagina befreit werden.

Willkommen in der Filzhölle

An ihrem ersten tag treten viele zum ersten Mal in die alt-ehrwürdigen  Hallen des Brechtbaus. Hier wird auch dem letzten unter ihnen die Hochklassigkeit der Universität bewusst. Purpurne Seide wohin das Auge blickt – beziehungsweise grüner Filz. Aber das ist ja das Gleiche. Für Unterhaltungsprogramm ist gesorgt an diesem herrlichen Ort: Entweder man spielt  „Wessen Stuhl wird wohl heute zusammenbrechen?“ Oder man begibt sich in die Herrentoilette und findet raus, was es wohl mit den lustigen Löchern in den Wänden auf sich hat. So macht Studieren Spaß.

Mittags marschieren die Kommilitonen in die Mensa und auch hier ist der Luxus evident. Spezialität sind hier die Pußzszßta-Spieße und dreierlei Suppen. An den Tischen sitzen bei diesen kulinarischen Ergüssen jeweils eine Asiatin, ein Schwarzer und ein Weißer, alle selbstverständlich lachend und überdurchschnittlich attraktiv. Ganz so, wie es die Uni-Broschüren alljährlich festhalten.

Sowohl die Architektur als auch die kulinarischen Genüsse der Mensa Wilhelmsstraße lassen keine Wünsche offen – hier merkt man die Qualität der Elite-Uni am deutlichsten.

Aus der Pubertät gekommener Lern(un)willige

Nach der Mittagspause geht es zurück in die Vorlesungen. Die Veranstaltungen sind Elite-gerecht hochqualitativ und die Dozenten engagiert. Ihren Lehrauftrag nehmen alle extrem ernst. Die meisten sind ja nur deshalb in die Forschung gegangen, um sich mit den hochbrisanten Problemen und qualifizierten Meinungen gerade aus der Pubertät gekommener Lern(un)williger zu beschäftigen. Deshalb bestehen Seminare aus regem wissenschaftlichen Austausch. Nicht etwa daraus, dass jede Woche eine andere Gruppe Studierender ein semi-motiviertes Referat hält, das vorgestern nach dem Feiern im Halbschlaf irgendwie zusammengezimmert wurde.

Durch die große Anstrengung dürstet es den Elite-Studierenden weshalb er sich auf der immer tip top gepflegten Toilette – die Elite-Studierenden wissen sich zu benehmen – etwas Wasser holt. Unsere Alma Mater stellt dabei kein stinknormales Trinkwasser zur Verfügung. Wo kämen wir denn da hin? An unserer Universität gibt es Legionellen gleich dazu! Was für ein Service!

Aber was die Universität schließlich zu einer Elite-Einrichtung macht, sind ihre Studierenden. Wohin das Auge auch blickt, nichts als hochintelligente, hochmotivierte, wahnsinnig attraktive Menschen. Wer das nicht glaubt, dem sei gesagt: Boris Palmer hat auch in Tübingen studiert. Und wenn der nicht das Abbild eines jungen Gottes ist, wer dann?

Beitragsbild: Marko Knab
Foto: Joshua Wiedmann

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