KulinArt: Nicht nur lecker, sondern auch sozial

‚Social Street Food‘ – das wird auf dem Essensmarkt KulinART angeboten, der diesen Donnerstag bis Samstag täglich bis 21 Uhr vor der Stiftskirche stattfindet. An den Ständen kochen Geflüchtete orientalische Gerichte aus ihren jeweiligen Heimatländern.  

Der Döner gilt in Deutschland inzwischen fast als Nationalgericht, doch viele der Gerichte auf dem KulinART-Markt dagegen dürften bei gastronomischer Hegemonie von Pizza und Pasta doch eher unbekannt sein. Die Falafel-Box gibt es auch hier zum üblichen Preis von 4,50 Euro, soweit alles wie gewohnt. Doch was zum Beispiel ist Zereshk Polo, was Fattosh, was Mutabal? Dies können Besucher auf dem Streetfood-Markt erfahren – beziehungsweise erschmecken.

Das Unternehmen ‚RED – Enjoy Refugees Best Kitchen‘ vom „Stuttgarter des Jahres 2017″ Issam (l.) und von Giovanna (r.) beschäftigt auch Geflüchtete ohne eine gute Bleibeperspektive, wie etwa Praktikant Zeker (m.).

Fester Foodtruck soll kommen

Hipster und international, oft überteuert und mit überzogener Eigenwerbung, aber irgendwie trotzdem unwiderstehlich: So die Vorstellung, die man von den meisten Streetfood-Festivals hat. Dieser Markt hingegen möchte vor allem international und sozial sein. Das Start-Up ‚EssensWelten‘, der Veranstalter des Marktes, hat sein Angebot als ‚Social Street Food‘ konzipiert, da bei diesem Markt Geflüchtete aus Syrien, dem Iran, dem Irak und dem Libanon kochen. So soll den KöchInnen eine Berufsperspektive in der Gastronomie eröffnet werden. „Wir möchten auch langfristig Leute anstellen“, sagt Julian Rauscher, einer der Gründer von EssensWelten. „Ab August soll ein fester Foodtruck in der Tübinger Altstadt stehen, in dem zwei bis drei Köche arbeiten.“ Die orientalischen Gerichte könnten also bald ebenso wie Falafel und Döner zu einer gängigen Alternative für die Mittagspause werden.

Shirin Mahdipour kocht und verkauft ‚Ghorme Sabzi‘, ein im Iran gern gegessenes Reisgericht.

„Mal was anderes als ein Döner“

Doch noch sind die Organisatoren mit dem ersten Essensmarkt beschäftigt, der nach ersten Anlaufschwierigkeiten in vollem Gange ist. Für Donnerstagabend werden viele Gäste erwartet, da als Zusatz zum Festival die transkulturelle Oper ‚Orfeo‘ aufgeführt wird, eine Neuinterpretation des Orpheus-Mythos unter Mitwirkung von Geflüchteten. Auch am Freitag werde wohl üppig gegessen werden: „Am Freitag ist das Zuckerfest“ (Ende des Ramadan), erzählt Ragahd aus Syrien. Ragahd verkauft das Gericht Fattosh, einen sauren Salat, dazu gibt es arabisches Brot und den Auberginen-Dip Mutabal. Zusammen mit ihrer Mutter, die im Hintergrund des Standes Blätter mit Gemüse und Reis füllt, arbeite sie zum ersten Mal als Köchin. Sie könne sich gut vorstellen, dass arabisches Essen auch in Deutschland Anklang finde. „Es ist mal was anderes als ein Döner. Und es ist lecker und gesund.“

Auch die 50-jährige Fatmah, ebenfalls aus Syrien, kocht zum ersten Mal auf einem Streetfood-Festival. Nach ihrem B1-Deutschkurs kann sie sich vorstellen, auch dauerhaft als Köchin zu arbeiten. Bei ihr gibt es Kibbeh – Hackfleischbällchen mit Bulgur und Zwiebeln.

Für 5,90 Euro gibt es an einem der syrischen Stände die Fleischbällchen ‚Kibbeh‘ zu kaufen.

Ein weiteres beliebtes Gericht an den acht Essensständen ist das iranische ‚Zereshk Polo‘ mit Hähnchen, Reis, Beberitzen und Pistazien, auch wenn es mit 7,50 Euro eher den Endpunkt der Preisspanne bildet, die bei 4,50 Euro anfängt.

Schirmherr der Veranstaltung ist Oberbürgermeister Boris Palmer – mit Social Street Food scheint sich sein „Wir können nicht allen helfen“-Dogma zu vertragen. Bleibt zu hoffen, dass das Konzept von EssensWelten zumindest einige aus der Menge des „Nicht“ in das „Alle“ überführen kann. Denn diese Menschen können auch uns helfen, Neues  zu entdecken.

Fotos: Alexa Bornfleth

 

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