Wenn die Einhorn-Zombie-Satire zur erotischen Romanze wird

‚Das Einhorn, der Zombie und ich’ – so heißt der Roman der Lektorin Michaela Harich, den sie diese Woche zusammen mit dem Brechtbautheater in einem Dramatic Reading vorstellt. Die Angebote von Verlagen kamen für die Autorin überraschend – denn die Idee entstand unter Alkoholeinfluss auf einer Verlagsparty. An ihre skurrile Verknüpfung von Erotik, Einhörnern und Zombies musste Harich später erst wieder erinnert werden.

Als ich eine Einladung zum Dramatic Reading von ‚Das Einhorn, der Zombie und ich‘ erhielt, war ich zugegebenermaßen ein kleines bisschen überrascht. Natürlich ging ich direkt zur ersten Lesung bzw. Vorstellung, denn diesem Titel kann kein (normaler) Mensch widerstehen. Jedoch muss ich zugeben, dass ich mich völlig ahnungslos auf etwas einließ, das sich kaum beschreiben lässt.

Zu Beginn erscheint alles so normal, wie man es beim Titel des Werks erwarten kann. Der Erzähler berichtet von Mark – Mark der Billionär und Zombie, der Einhörner züchtet. Eines der Einhörner kann sogar sprechen: Es heißt Chris und ist so etwas wie Marks bester Freund. Natürlich ist Mark aufgrund der Einhorn-Zucht Billionär geworden. Die Genmanipulation scheint jedoch am Anfang von Marks Forschung nicht ganz glimpflich verlaufen zu sein, denn Mark und Chris deuten an, dass andere diesen Experimenten zum Opfer gefallen sind.

Der Erzähler beginnt, über die Anfänge der Geschichte zu berichten.

Callgirls zum Anbeißen (für Zombies)

Interessant wird es, als eine (von Chris lang erwartete) Frau in Marks Leben tritt. Nicole ist bildhübsch und weckt sehr viele Gefühle in Mark. Sie weckt auch noch andere Dinge, wie das Publikum schnell erfahren darf – und zwar als Marks Körper selbstständig wird. Natürlich kann dieser Fauxpas dem ein oder anderen Mann einen unangenehmen Moment bereiten – aber bei Mark ist die ungewollte Erektion folgenschwer. Nicht nur leidet er an fürchterlichen Schmerzen, als er Nicole die Einhornställe zeigt und sie schmachtend beobachtet, nein, sein Raketenpenis schießt regelrecht von ihm. Bei einem Zombie löst sich eben mal ein Glied vom Körper. Ein ganz schöner Schock. Vor allem für das Publikum.

Noch schockierender wird es, als Mark beim Verspeisen seiner ‚Ohrenchips‘ der Penis wieder anwächst. Dafür sorgt der Verzehr von menschlichem Fleisch. Kannibalismus als  Selbstheilungszweck? In diesem Roman ist das ganz normal! Nicht nur das – an Marks Körper kann JEDES beliebige Sex-Spielzeug anwachsen. Mark ist das jedoch ein bisschen peinlich, weshalb er sich immer nur Callgirls nach Hause bestellt, die er mit seinen Billionen zum Stillschweigen verpflichtet. Bis aus Versehen eines dieser Callgirls die Treppe hinunter stürzt und als Nahrungsquelle für den erprobten Zombie und seinen Freund Chris endet.

Mark unterhält sich mit dem Einhorn Chris. Nur er versteht, was das Tier zu sagen hat.

Nicole, die Haushälterin auf Marks Anwesen, erfährt natürlich schnell vom Schicksal unseres Zombies. Sie fühlt sich ihm sehr nahe und wünscht sich eigentlich nichts sehnlicher, als ihn nackt zu sehen und bestimmte Dinge mit ihm anzustellen.

Wie sie reagiert als alles herauskommt? Nun, um das zu erfahren, müsst ihr entweder das Buch lesen oder zu den anderen Lesungen im Brechtbau am Donnerstag (31.05) oder Freitag (01.06.) gehen. Man kann es nur empfehlen, denn nicht nur die Geschichte sorgt dafür, dass man Tränen lacht, sondern auch die schauspielerische Leistung der Darsteller, die die Geschichte mit einer solchen Ernsthaftigkeit vortragen, dass es fast schon unheimlich ist.

Fotos: Ellen Lehmann

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