Eine neue Währung braucht die Stadt!

Vor einem Jahr berichtete die Kupferblau bereits über die geplante Regionalwährung NeckarThaler. Am Donnerstagabend veranstalteten die Organisatoren der Initiative eine Diskussion im Weltethos-Institut. Welche Entwicklung das Vorhaben genommen hat und welche Fortschritte zu verzeichnen sind, erfahrt ihr hier.

Die Problematik ist unbestritten: Wachsende Absätze im Onlinehandel, übermächtige transnationale Unternehmen und  eine eklatante Umweltbelastung durch zu lange Transportwege sind nur einige Auswirkungen unserer momentanen Wirtschaft. Zudem hat spätestens die Euro-Krise gezeigt, dass unser Geldsystem alles andere als stabilisierend wirkt.

Mittlerweile gibt es einige Möglichkeiten dieser Art der Wirtschaft abzuschwören. Unter anderem die App BuyLocal versucht regionale Produkte in den Fokus der Konsumenten zu bringen und die Kultur der „Lädle“ aufrechtzuerhalten. Für die Initiatoren des NeckarThalers dagegen reicht das nicht. Daher war für Rainer Grauer und seine Mitstreiter schon vor einem Jahr klar: Eine neue Währung muss her!

Das vorläufige Logo des NeckarThalers.

Nur Bares ist Wahres?

Das Weltethos-Institut ist gut gefüllt, vor allem UnternehmerInnen und Studierende sind anwesend, als die Organisatoren die Veranstaltung mit einem Video zur Problematik von Zins und Zinses-Zins beginnen: „Das System führt zu systematischer Umverteilung“ von der nur die reichsten 10% profitieren, heißt es da. Besonders der Mittelstand werde durch diese ungerechte Wirtschaftsordnung belastet und sei zudem den Risiken ausgesetzt, die die Globalisierung und das auf Wachstumszwang ausgerichtete, internationale Handelssystem erzeugen.

Eine Alternative könnte (zumindest für die Region Tübingen) der NeckarThaler sein, eine Währung, die auf freiwilliger Basis den Euro als Zahlungsmittel ersetzen und durch seine lokale Begrenzung die regionale Wirtschaft stärken soll.

„Es geht darum, eine Tübinger Community zu schaffen.“

Zudem spendet man beim Rücktausch von NeckarThalern in Euro automatisch 3% des Kapitals an einen gemeinnützigen Verein freier Wahl. Dabei gibt es zwei mögliche Umsetzungen der Regionalwährung: Beim „Scheinmodell“ erhält man die „Blüten“ anonym in Wechselstuben und kann daraufhin bei allen teilnehmenden Unternehmen der Region seine Rechnungen begleichen. Das „TRM-Modell“ dagegen erfordert eine Registrierung in einem Verein, erzeugt viel bürokratischen Aufwand und läuft auf die Zahlung per Chip-Karte hinaus. Die Entscheidung welches Prinzip gewählt wird ist noch nicht gefallen, wobei der allgemeine Tenor stark zur Bargeld-Variante tendierte, die auch der Regionalwährung „Chiemgauer“ in Bayern zum großen Durchbruch verhalf.

Rainer Grauer, einer der Initiatoren, erklärt die Wirkungsweise von Regionalgeld.

Geld als Tauschmittel statt als Selbstzweck

„Netzwerke sind essentiell für eine Regionalwährung“, stellt Rainer Grauer, Gründungsmitglied der Intitiative, klar. Beim NeckarThaler soll es sich nicht nur um eine Parallelwährung zur Stärkung der regionalen Wirtschaft handeln, er soll auch die ursprüngliche Bedeutung des Geldes als Tauschmittel, statt als Selbstzweck stärker in den Fokus stellen. Doch hier seien besonders die UnternehmerInnen gefragt, denn nur wenn genügend Geschäfte mitmachen, kann das Projekt gelingen. Dieses zinsfreie und ökologische Währungssystem habe das Potenzial „links-alternatives und grün-konservatives Milieu [zu] vereinigen“, auch wenn sich das Projekt noch in der Anfangsphase befindet.

Die Unternehmerin Cornelia, die in der Altstadt einen kleinen Laden betreibt, ist von der Idee des regionalen Geldes überzeugt, merkt jedoch an: „Mich beschäftigt aber auch die praktische Umsetzbarkeit im laufenden Betrieb, vor allem weil wir schon jetzt viel bürokratische Arbeit haben“. Ihre Freundin (ebenfalls) Cornelia sieht in der Initiative das „Entwickeln einer Gemeinschaft zwischen Unternehmern, Studierenden und allen anderen“, bemängelt aber auch Intransparenz bezüglich der Beteiligungsmöglichkeiten an dem derzeitigen Projekt.

Dennoch finden beide es sei ein „Schritt in die richtige Richtung“. Es sei wichtig, dass der NeckarThaler noch „im Prozess wachsen“ könne.

Fotos: Florian Sauer
Graphik: Regionalgeld Initiative Tübingen

Wer mehr wissen möchte über das Projekt kann sich am 05.06.18 um 20 Uhr in der Volkshochschule weiter darüber informieren. Ansonsten könnt Ihr die Facebookseite des NeckarThalers besuchen.

 

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