Einmal lachen, bitte!

Mal ehrlich – wie oft lachen wir eigentlich noch am Tag? In einem Zeitalter, in dem das Leben oft online stattfindet, dient so manches Mal das Lachemoji als Ersatz für lautes Lachen. Zum heutigen Weltlachtag haben wir mal Prof. Dr. Hartmut Leuthold, Leiter der Biologischen Psychologie an der Uni Tübingen, und Carmen Goglin von der Reutlinger Lachschule gebeten, uns das Phänomen des Lachens etwas näher zu erklären.

Herr Prof. Dr. Leuthold, was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir lachen?

Leuthold: Wenn wir den Reflex des spontanen Lachens haben, werden zahlreiche Gehirnregionen angesteuert. Das Gehirn leitet den Reiz an unsere Muskeln weiter. Der Zygomaticus-Muskel sorgt dafür, dass wir die Mundwinkel nach oben ziehen und unsere Augen in Fältchen liegen. Das spontane Lachen erfolgt autonom, sodass es zum Beispiel schwierig ist ein Lachen zu unterdrücken.

Lachen für ein längeres und stressfreies Leben: Prof. Dr. Leuthold kennt die Auswirkungen von Lachen auf den Körper.

Warum sagt man lachen sei gesund?

Leuthold: Es gab Untersuchungen, die belegen, dass Lachen und der Stressabbau im Körper miteinander zusammenhängen. Lachen kann damit Angst und Ärger verringern. Wenn wir weniger gestresst sind, sind wir auch weniger anfällig für Krankheiten. Außerdem soll Lachen positiven Einfluss auf unsere Schmerzempfindlichkeit und sogar auf unsere Lebensdauer haben.

In der Psychologie ist umstritten, ob die Veränderungen im Körper mit der Emotion einhergeht oder ob die Emotion, die wir haben, den Körper beeinflussen. Im Endeffekt ist es aber egal, ob es sich um eine Kausal- oder Wechselwirkung handelt: Lachen tut dem Körper und der Psyche gut.

Was bedeutet Lachen für unser soziales Umfeld?

Leuthold: Für uns selbst lachen wir selten. Wir lachen 30 Mal mehr, wenn wir andere sehen und hören können. Lachen ist eine sozialkommunikative Form und stärkt unsere Beziehungen. Das kann man auch daran beobachten, dass Menschen, die lachend und offener durchs Leben gehen, ein größeres soziales Umfeld haben.

Warum ist es schwieriger Lachen zu kommunizieren, wenn wir miteinander schreiben?

Leuthold: Man merkt, dass zum Beispiel Ironie nur funktioniert, wenn die Menschen, die miteinander schreiben, sich gut kennen. Durch die Verwendung von Emojis soll im Text meist das offensichtliche verstärkt werden. Damit die ironische Nachricht verstanden wird, ist eine Vertrautheit notwendig, die man zum Beispiel bei Partnerschaften findet.

Worüber lachen Sie gerne?

Leuthold: Ich bin ein Fan von Satire und ich merke auch in Meetings, wie es die Situation entspannt, wenn man lachen kann.

Egal, worüber oder weshalb – Lachen ist gesund

Ein Raum voll Menschen, die sich grundlos anlachen – so in etwa kann man sich Carmen Goglins Lachtreff vorstellen.

Frau Goglin, Sie sind Lachyogalehrerin und verwenden das Lachen als therapeutischen Ansatz. Was macht man genau beim Lachyoga?

Goglin: Beim Lachyoga lacht man ohne Grund einfach los. Unser Körper unterscheidet nicht, ob wir künstlich oder natürlich lachen. Deswegen können wir alle positiven Effekte nutzen. Beim Lachyoga in der Gruppe wird aber auch ganz schnell aus einem künstlichen Lachen ein natürliches. Der Kurs besteht aus verschiedenen Elementen von Lach-Übungen und Anfeuerungen. Wer Lachyoga macht, lacht auch im Alltag mehr, man kann also das Lachen trainieren.

Man kann lernen, mehr zu lachen

Können sich alle Leute überwinden loszulachen?

Goglin: Beim Lachen gibt man die Kontrolle ab. Viele Teilnehmer kommen sich am Anfang blöd vor. Männern fällt es schwerer als Frauen, Älteren schwerer als Jüngeren. Wir sind erzogen worden uns zu benehmen, nicht albern zu sein und wir glauben auch, dass ständig der Ernst des Lebens beginnt. Tatsächlich lachen wir mit zunehmendem Alter immer weniger. Bei Erwachsenen sind es nur 15 Mal während Kinder bis zu 400 Mal am Tag lachen. Es bildet sich eine Hemmschwelle, die man überwinden kann, wenn man sich auf Lachyoga einlässt.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Lachyoga Ausbildung gemacht?

Goglin: Ich habe das Lachyoga direkt beim Begründer Dr. Madan Kataria gelernt. Es war ziemlich anstrengend. Mit 50 anderen Yogis in der Jugendherberge, die Lachen professionell lernen, wollte ich manchmal nur meine Ruhe. Auch meine 23-jährige Tochter, die mit mir reiste, meinte: „Die sind doch alle bekloppt.“ Aber wir haben uns darauf eingelassen und haben nun beide große Freude am Lachyoga.

Was bedeutet das Lachen für Sie?

Goglin: In meiner beruflichen Laufbahn war ich sehr unter Stress und litt auch unter Depressionen. Ich habe etwas gesucht, das mir den Stress abnimmt. Durch das Lachen habe ich eine Ressource in meinem Körper entdeckt, die mir Leichtigkeit und Lebenslust gibt. Mit dem Lachen kann ich eine Reset-Taste drücken und mich neu ordnen. Ich sage mir immer: Ich lache, wenn es regnet und wenn ich nicht lache, regnet es auch!

Fotos: Julia Glanzmann, Carmen Goglin.

Titelbild: Photo by Omar Lopez on Unsplash

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