Leiden im Kollektiv

Am Samstagabend gingen die Walter Tigers in der Paul Horn-Arena mal wieder auf die Jagd nach einem Heimsieg. Im Spiel gegen die Frankfurt Skyliners schien ein solcher dann auch tatsächlich möglich. Nur wirkten die Tigers selbst diesmal nicht bereit und kassierten die nächste Niederlage.  

Als Fan der Walter Tigers wird einem in dieser Saison einiges an Leidensfähigkeit abverlangt. Im Januar mag ein Besuch in der warmen und trockenen Paul Horn-Arena zwar generell eine gute Idee sein, doch die Spiele selbst können dann schnell ungemütlich werden. Schon vor Beginn der Partie gab es für die Tübinger den ersten Rückschlag zu verdauen. Neuzugang Malcolm Lee, der in seinem ersten Spiel bereits mit vielversprechender Leistung überzeugte, fiel für das Aufeinandertreffen mit Frankfurt aufgrund von muskulären Problemen aus. Da allerdings auch die Frankfurter hartnäckig vom Verletzungspech heimgesucht wurden, war der Optimismus zu dieser Zeit noch ungebrochen.

Kurze Zeit später hatte sich dies dann bereits geändert. In den ersten Spielzügen ließ der Gastgeber jegliche Intensität vermissen und geriet prompt in den Rückstand. Die Zuschauer zeigten sich geschockt und Mathias Fischer, Trainer der Tübinger, nahm bereits nach einer Minute die erste Auszeit.

Die in der Auszeit gewählten Worte schienen zu wirken. Nun legten die Tigers mehr Aggressivität an de Tag und zeigten auch eine deutlich höhere Konsequenz in ihren Aktionen. Dadurch gelang es das erste Viertel ausgeglichen zu gestalten. Zwar klappte es für die Tigers unterm Korb nicht immer, doch in der Defensive hielten sie die Frankfurter ausreichend im Griff, um stets in Schlagdistanz zu bleiben.

Mitte des ersten Viertels sprang dann auch die erste Führung heraus. Es sollte die Letzte bleiben. Obwohl man das erste Viertel auf Augenhöhe zu Ende brachte und nur mit einem knappen Rückstand in das zweite Viertel ging, hatten die Tigers scheinbar keine Sicherheit gewonnen. Erst wollten die Würfe einfach nicht mehr in den Korb, dann fanden die Gäste mit ihrem einfachen, aber zielstrebig gespieltem Blockspiel auch noch ein gutes Mittel gegen die Tübinger Defensive. Innerhalb kürzester Zeit machte sich die Verunsicherung klar erkennbar und der Rückstand wuchs.

Die Paul-Horn-Arena war auch gegen Frankfurt wieder gut besucht.

Selbst das Publikum schien konsterniert und mit der Zeit zunehmend enttäuscht als die Partie durch einfache technische Fehler und schlafmützige Aktionen immer weiter aus der Hand gegeben wurde. Doch immer, wenn es so aussah als würden die Raubkatzen endgültig den Anschluss verlieren, kam durch Aktionen wie einem gelungenen 3-Punkt-Spiel von Javon McCrea wieder Hoffnung auf. Leider trafen auch die Frankfurter, die zwischenzeitlich drei Dreipunktwürfe in einem einzigen Spielzug vergaben, gegen Ende des zweiten Viertels wieder zunehmend ihre Würfe. Zwar riss Reggie Upshaw die Zuschauer mit einem Treffer aus der eigenen Hälfte noch einmal von den Sitzen, doch nachdem dieser aberkannt wurde ging es mit 27:39 in die Pause.

Plötzlich zurück im Spiel

Im dritten Viertel veränderte sich zunächst wenig an der Situation auf dem Parkett. Die Würfe der Tübinger fielen einfach nicht durch die Reuse und falsche Entscheidungen in der Offensive brachten die Skyliners immer wieder zu leicht in Ballbesitz. Die daraus resultierenden Fast-Breaks spielten die Gäste zudem konsequent zu Ende und so wuchs der Vorsprung weiter an.

Der Tiefpunkt schien erreicht als sich zwei Tigers beim sicheren Rebound gegenseitig behinderten, wodurch der Ball doch einem Frankfurter in die Hände fiel, der erneut zu zwei leichten Punkten kam. Und obwohl die Geduld des Publikums wiederholt dem Ende zuging, behielten die Fans doch noch eine gewisse Motivation. Auf den Spielerbänken sah man bemerkenswerter Weise ähnliches. Zwar führten die Frankfurter inzwischen mit 17 Punkten, doch war die Stimmung auf der Bank der Hessen geradezu trostlos, während sich die diesmal in gelb gekleideten Tübinger stets weiter motivierten.

Frankfurts Tai Webster, mit 21 Punkten bester Werfer des Spiels, beim Freiwurf.

Im vierten Viertel wurden Publikum und Mannschaft für diese Ausdauer auch belohnt. Zunächst fand die Tübinger Defensive durch enge und konzentrierte Verteidigung wieder ein Mittel gegen das Blockspiel der Skyliners und allmählich gelangen auch vorne wieder ansehnliche Spielzüge. Sechs Minuten vor dem Ende war der Rückstand auf fünf Punkte geschrumpft, die Gäste wirkten nun ihrerseits verunsichert und Javon McCrea, mit 20 Punkten bester Tübinger Werfer, holte zwei wichtige Rebounds. Doch womöglich wollte man nun zu schnell zu viel.

In der Offensive waren die Aktionen plötzlich überhastet und erneut waren unnötige Ballverluste auf Seiten der Tigers die Folge. Obwohl die Defensive bis zum Ende gut arbeitete, bekamen die Gäste nun die Möglichkeit das Spiel herunterzuspielen. Letztlich blieb eine 57:65 Niederlage, die sicherlich nicht unverdient, aber zu vermeiden war. Gescheitert war man diesmal leider nicht an der Klasse des Gegners, sondern viel mehr an sich selbst.

Fotos: Max Hansche

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