Tübinger Geschichten: Das Riesenweinfass

Tübingen kann einem viele Geschichten erzählen, doch nicht alle sind sofort offensichtlich. Heute: Das Riesenweinfass im Schlosskeller.

Obwohl es im Schlosskeller nur spärlich beleuchtet ist, steht es zurzeit im Rampenlicht: Die Rede ist vom Tübinger Riesenweinfass. Es gilt als das älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt. Aber warum befindet es sich gerade in Tübingen?

Seit seiner Herstellung durch den Küfer ‚Simon von Bönnigheim‘ im Jahr 1564 hat es den Schlosskeller nicht verlassen. Auftraggeber des Riesen war seinerzeit Herzog Ulrich, der Adoptivsohn des Universitätsgründers ‚Eberhard im Barte‘. Ulrich galt als gemeinhin schwieriger Zeitgenosse, egozentrisch und jähzornig. Ihm wird auch ein Mord im Schönbuch zugeschrieben. Dieser diente wohl dazu, eine außereheliche Affäre zu verschleiern.

Sinn und Zweck des Fasses wiederum war eine Art „Größenvergleich“ unter den Fürstenhäusern in Deutschland. Regelmäßig überboten sich die Machthaber und beanspruchten, das größte Weinfass ihr Eigen zu nennen. Zu Ulrichs Zeit war es gang und gäbe, seine Macht und Männlichkeit mit einem dem Ego entsprechenden Fass nach außen zu tagen.

Bei einem Blick in das Fass werden die riesigen Dimensionen erst klar.

Das Fassungsvermögen von 84.000 Litern spricht dabei wohl für sich und sagt einiges über den Auftraggeber aus. Ein modernes Clubhausfest wäre mit dieser Menge Wein mehr als gut versorgt, seinem eigentlichen Zweck wurde das Riesenfass aber nur zweimal zugeführt. Das Ungetüm aus 90 Eichen schien bereits nach der zweiten Befüllung zu lecken und wurde deshalb in den Ruhestand geschickt.

Nur noch bis Ende Februar kann das Riesenfass in den Räumlichkeiten des Museums der Universität Tübingen (MUT) begutachtet werden. Studierende genießen dabei freien Eintritt, müssen für die Führung in den Keller aber einen kleinen Obolus von 3 Euro berappen. Dabei gilt es aber einige Dinge zu beachten: Der Abstieg über die schmalen Treppen erfolgt auf eigene Gefahr. Der Besuch beim Fass wiederum sollte telefonisch unter 07071-29-77579 oder über die Webseite angemeldet werden, Führungen finden stündlich von 14-17 Uhr statt. Im Schlosskeller herrscht im Falle von Fotos striktes Blitzverbot, um die dort Winterschlaf haltenden Fledermäuse nicht zu erschrecken. Weitere Informationen findet ihr auf der Webseite des MUT.

Fotos: Marko Knab

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