Von Archäologie bis Zahnmedizin: Warum #4genderstudies uns alle angeht

So mancher ordnet die Forschungsdisziplin der Gender Studies den Geistes- und Humanwissenschaftlern zu. Dass aber Wissenschaft rund um den Begriff Gender nicht nur etwas für die Studierenden des Hegel- und Brechtbaus ist, will die Aktion #4genderstudies beweisen. Unsere Autorin Severine berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Thema und ihr Projektstudium dazu.

Die drei Medienwissenschaftlerinnen Rebecca, Milena und Severine finden Gender Studies alles andere als uncool und haben sich damit  im Rahmen ihres Projektstudiums befasst. Gemeinsam  zeichneten sie die Meinungen Tübinger Dozierender und Studierender der verschiedensten Fachrichtungen auf und hielten sie in einem Clip fest. Im Video erklären die Befragten, warum  Gender Studies wichtig für alle Forschungsbereiche, nicht nur in Tübingen, sind.

Gender Studies geht alle etwas an und das soll auch jeder wissen. Deswegen starten die drei Studentinnen heute eine ganz besondere Aktion, um auf den Hashtag 4genderstudies aufmerksam zu machen.  Diese soll möglichst weite Kreise in der Universitätsstadt ziehen zu können, deshalb werden am heutigen Montag ab 13 Uhr Free Hugs und bunte Schleifen zum Anstecken im Herzen des Campus, auf der Wilhelmstraße, verteilt.

Gender was?

Gender Studies. Begründet in den 1960er und 1970er Jahren, brauchte es noch einmal weitere zehn Jahre, bis die Gender Studies auch von den Vereinigten Staaten nach Deutschland gelangten. Die interdisziplinäre Geschlechterforschung stellte somit erstmals auch die gesellschaftlichen Differenzierungsmechanismen von Männern und Frauen in den Fokus des Forschungsinteresses. Die Zuordnung zu einem Geschlecht wurde nicht länger als bloßes individuelles Merkmal verstanden, sondern vor dem Hintergrund sozialer, politischer und kultureller Hintergründe beleuchtet.

Deshalb untersuchen die Gender Studies sozial erlernte Darstellungs- und Zuschreibungstechniken von Gesellschaftsmitgliedern, wobei es nicht darum geht, körperliche Differenzen zu leugnen, sondern eher die Frage nach deren tatsächlicher sozialer Relevanz zu stellen.

Du, Du, Du und Du! Ihr alle seid Gender Studies.

Die Gender Studies haben aktuell harscher Kritik standzuhalten. Unnötig, unchristlich und politisch überkorrekt, so lautet die Anklage. Ein Angriff auf die Gender Studies kann somit als Missbilligung kritischer Forschung betrachtet werden. Deshalb haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen den Hashtag #4genderstudies ins Leben gerufen, zu dem heute ganztägig Tweets und Posts im Netz publiziert werden. Die Vielfalt an Fachrichtungen ist hierbei groß. Denn erst durch die komplexe Vernetzung der Gesellschaft und schließlich auch der einzelnen Forschungsrichtungen untereinander, läuft das Kerninteresse erst bei den Gender Studies zusammen. Sie lassen sich sozusagen in jedem Fach finden und anwenden. Wahrscheinlich hat sich jeder im Verlauf seines Studiums mit Statistiken zu Ungleichheit, Diskriminierung oder sozialer Differenzierung rumschlagen müssen. Dass die Geschlechterforschung  nicht bloß etwas für die Soziologen und Soziologinnen unter uns ist, will der Clip zu #4genderstudies klarstellen.

Und dann war da ja heute noch die Schleifenaktion…denn egal ob Team Berg oder Team Tal: kleine Schleife – große Wirkung! Und das Wissen, dass wir alle irgendwie auf unsere eigene Weise „Gender Studierende“ sind.

Fotos: Severine Rauch

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