kupferblau-Sommerbuchtipp

Titel:                The Casual Vacancy

Autorin:         J.K. Rowling

Verlag:            Little, Brown Book Group

Genre:             Roman/Tragikomödie

Zielgruppe:  Freunde des schwarzen Humors, Gesellschaftskritiker

Umfang:        639 Seiten

Stimmung:   Lustig, tragisch und kritisch-hinterfragend zugleich.

Gefällt, weil… Ironisch und locker geschrieben; treffendes Porträt zahlreicher gesellschaftlicher Konflikte und der menschlichen Natur.

Eine Kleinstadt voller „Dursleys“

Mit „The Casual Vacancy“ oder auf Deutsch „Ein plötzlicher Todesfall“ wagt sich J.K. Rowling an ein ganz anderes Genre – dementsprechend sollte man sein Interesse für dieses Buch nicht von seiner Meinung zu Harry Potter abhängig machen. Dennoch erkennt man die genrebezogene Offenheit und den einzigartigen Stil von Harry Potter in „The Casual Vacancy“ wieder. Gerade durch die feine Ironie, die Verknüpfung von detailliert ausgearbeiteten Einzelbiographien und die „Coming of Age“-Komponente heben sich die Harry-Potter-Bücher von anderen Fantasyromanen ab.

Auch „The Casual Vacancy“ zeigt Rowlings psychologisches Feingespür und ihre Fähigkeit zu subtiler, aber bissig-vernichtender Ironie auf. Zynische Erzählerkommentare und Einblicke in die wirklichen Gedanken unterschiedlichster Figuren, die in starkem Widerspruch zu ihrem Verhalten stehen, entlarven das – Zitat – „frilly little tablecloth of polite fiction“, das sich über die fiktive Kleinstadt Pagford gelegt hat. Ausgangpunkt der Handlung ist die titelgebende „Casual Vacancy“ – der Umstand, dass das Amt eines Politikers mitten in der Legislaturperiode frei wird. Ursächlich für den plötzlich freien Stadtratssitz in Pagford ist der Tod des Stadtrats Barry Fairbrother. Nach und nach entbrennt ein heftiger Wahlkampf um den freien Posten, von dessen Ausgang vor allem das Schicksal der Unterschicht der Kleinstadt abhängt. Direkt oder indirekt werden fast alle Generationen, Schichten und Familien in die politische Kampagne hineingezogen, die mit den Waffen von Geheimnissen und Verleumdungen geführt wird. Viele der Kleinstadtbewohner des fiktiven Handlungsorts Pagford sind in ihrem Klassendenken und ihrer falschen Höflichkeit mit den Dursleys, Harry Potters verhassten Verwandten, vergleichbar. Es wird deutlich, wie jede einzelne Figur in diverse Konflikte und Rollenerwartungen verstrickt ist: Politische Konflikte, Eltern-Kind-Beziehungen, Familie, Beruf, Freundschaft, Klassenkonflikte, Stadt-Land-Konflikte.

All diese Verstrickungen werden meisterhaft zu einem Netz gesponnen, das die Handlungsoptionen der Figuren auf tragische Weise einschränkt – trotz dieser eigentlich ernsthaften Thematik und der 639 Seiten liest sich das Buch aber sehr locker und schnell. Bei einer „Vacancy“ im Bücherschrank ist „The Casual Vacancy“ also in jedem Fall eine lohnenswerte Anschaffung. Mit diesem Buch lassen sich die Ferien gut genießen, und auch wenn man nicht in den Urlaub fährt, kann man dankbar sein: Dafür, seine Ferien nicht wie Harry Potter bei den Dursleys verbringen zu müssen – oder noch schlimmer, in einer Stadt voller Dursleys wie im provinziellen Pagford.

Foto: Vivian Jochens

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