Grün, Grüner, Greenbooks

Die grüne Seite Tübingens ist allgemein bekannt. Da verwundert es nicht, dass die Buchhandlung Osiander ihre Lieferungen per Fahrradkurier ausfahren lässt. Dahinter steckt aber weit mehr: Die Schülerfirma „Greenbooks“ des Uhland-Gymnasiums Tübingen.

Bei meiner ersten Bestellung bei Osiander wunderte ich mich sehr, dass der Zusteller noch so jung war. Doch da ich mein Buch sehnlichst erwartete, geriet dieser Gedanke schnell wieder in Vergessenheit. Als ich dann aber eines der vollbeladenen E-Bikes von Greenbooks auf der Straße sah, war mein Interesse erneut geweckt. Wer genau sich hinter Greenbooks verbirgt und portofreie Lieferung in 1-2 Werktagen verspricht, erklärten mir dann Emma (17 Jahre) und Charlotte (15 Jahre) von Greenbooks.

Vollkommene Unabhängigkeit

An der Spitze von Greenbooks steht das Leitungsteam, das derzeit aus vier Mitgliedern besteht. Es organisiert alles, was den reibungslosen Ablauf gewährleistet. Emma ist schon seit vier Jahren im Leitungsteam aktiv. „Wir sind absolut selbstständig und unabhängig von Lehrern oder der Schule“, erzählt Emma stolz. Auch die Finanzen werden selbst verwaltet. Eine starke Leistung für Schüler, die neben ihrem Schulalltag noch eine kleine Firma managen.

Im Jahr 2008 kam die Buchhandlung Osiander mit der Idee eines Fahrradkurierdienstes auf das Uhland-Gymnasium zu. Bereits im Frühjahr 2009 wurde das erste Buch per Fahrrad ausgefahren. Seitdem hat Greenbooks eine beträchtliche Größe erreicht. Über 100 Boten koordiniert das Leitungsteam.

Charlotte (15 Jahre) und Emma (17 Jahre) Mitglieder des Leitungsteams.

Kurze Wege und ein ausgeklügeltes System

Das System von Greenbooks ist nicht allzu komplex, aber effektiv. Morgens werden die verpackten Pakete bei Osiander abgeholt, in der Schule nach Auslieferungsgebieten sortiert und mittags nach der Schule nehmen die Boten ihre Pakete mit und fahren sie aus. „Die Pakete, die die Boten mitnehmen, sollen am gleichen Tag bis 19 Uhr beim Kunden sein“, erklärt Charlotte. Das ist der Anspruch von Greenbooks. Das klappt in der Regel ausgezeichnet, da jeder Bote in seinem Wohngebiet ausliefert. So werden die Wege kurz und der Zeitaufwand gering gehalten. Greenbooks beliefert nicht nur das Kerngebiet Tübingen, sondern auch einige Teilorte, die etwas außerhalb liegen. Von Hirschau bis Pfrondorf, von Hagelloch bis Weilheim und Bühl. Sogar in Bebenhausen wird per Fahrrad ausgeliefert. Auch samstags sind die Boten in Tübingen unterwegs. Es gibt also keinen Grund mehr, bei den großen Internetanbieter wie Amazon und Co. zu bestellen. Denn auch bei Osiander kommt die Bestellung am nächsten Tag und das noch Klima- und CO2-neutral!

Sollten doch mal Reklamationen einlaufen, werden diese umgehend vom Leitungsteam bearbeitet. „Es gibt Wochen, da muss ich keine einzige Reklamation bearbeiten, dann kann es sein, dass an einem Tag sehr viele reinkommen“, berichtet Emma. Um die Beschwerden so gering wie möglich zu halten, gibt es ein Ermahnungssystem. „Wer dreimal negativ auffällt, muss leider gehen“, erklärt Charlotte. Emma gibt aber lächelnd zu, dass die Tübinger Kunden schon sehr anspruchsvoll sind.

Ein Bote von Greenbooks in voller Ausrüstung.

 

Finanzielle Unabhängigkeit

Zu einer Firma gehört auch immer eine finanzielle Seite. Die Kontoführung und -verwaltung liegt ebenfalls beim Leitungsteam. Pro Paket erhalten sie von Osiander 2,50€. Davon gehen 2 Euro an den Boten, die restlichen 0,50 Cent gehen in die Bezahlung der Fahrer ein, die die Pakete bei Osiander abholen. Sie werden pro Stunde bezahlt. Das Leitungsteam bekommt dann den restlichen Betrag ausgeschüttet, der nach der Bildung von Rücklagen noch übrig bleibt. Welche Dimensionen die Finanzen bei Greenbooks erreichen, macht ein Beispiel deutlich: Letztes Jahr wurden ihre zwei E-Bikes geklaut, aus den vorhandenen Rücklagen konnten zwei neue E-Bikes beschafft werden.

Die Schülerfirma Greenbooks ist eine wunderbare Möglichkeit, Erfahrungen für die Arbeitswelt zu sammeln. Es werden Kompetenzen wie Organisation, Selbstständigkeit, Führungsqualität und Zuverlässigkeit erworben. „Aber nur bei Greenbooks mitzumachen, um es im Lebenslauf stehen zu haben, ist nicht gut und das wollen wir eigentlich nicht“, sagt Emma. Natürlich sei es schön, diese Erfahrung angeben zu können, doch man sollte auch ein gewisses Herzblut in die Sache stecken. Mitbegründer Lorenz Ulrich bezeichnet Greenbooks immer noch als sein Baby. Genau dieses Engagement hat Greenbooks so erfolgreich gemacht und wird es auch in Zukunft noch weiter nach vorne bringen.


In den nächsten Wochen wird die Redaktion von kupferblau, ihre Lieblingsbücher vorstellen, um euch Vorschläge für eure Urlaubslektüre zu machen. Haltet die Augen nach dem „kupferblau-Sommerbuchtipp“ offen. Falls euer Interesse an einem Buch geweckt wird, überlegt euch zweimal, ob ihr es bei Amazon und Co. kaufen müsst oder ob ihr die grüne Alternative von Greenbooks nutzt.

Fotos: Marko Knab; Foto-AG des Uhland-Gymnasiums

 

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