Weltkulturerbe: „Verdiente Auszeichnung“ für einmalige Funde der Menschheitsgeschichte

Am vergangenen Sonntag nahm das UNESCO-Komitee in Krakau sechs eiszeitliche Höhlen auf der schwäbischen Alb und deren Funde in das UNESCO Weltkulturerbe auf. Baden-Württemberg beherbergt nun sechs Stätten, die die UNESCO mit diesem Titel ausgezeichnet hat.

Als am späten Nachmittag die Mitteilung, die sich rasend schnell durch die sozialen Netzwerke verbreitete, eintraf, waren nur äußerst positive Stimmen zu vernehmen. „Wir sind hocherfreut über diese Nachricht: Die Auszeichnung würdigt jahrzehntelange archäologische und paläontologische Forschung an der Universität Tübingen“, sagte Rektor Prof. Bernd Engler. Auch Prof. Dr. Conard vom Institut für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie zeigte sich erfreut und sah die Auszeichnung als hochverdient an.

Pole Position für die Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb

Nicht ohne Grund standen die Eiszeithöhlen auf dem ersten Platz der Liste, die Deutschland als Vorschläge eingereicht hatte. Einstimmig wurde die Entscheidung vom zuständigen Komitee getroffen, die Eiszeithöhlen zum Welterbe zu machen. Insgesamt sechs Fundstellen auf der Schwäbischen Alb gehören dazu: Vogelherd, Bockstein, Hohlenstein-Stadel, Sirgenstein, Geißenklösterle und Hohle Fels.

Die Wiege des kulturellen Lebens vor 40 Jahrtausenden

Vor 40 000 Jahren blühte auf der Schwäbischen Alb das kulturelle Leben auf. Die frühen Menschen schufen Musikinstrumente, kleine Figürchen und religiöse Artefakte. Die Grabungsorte förderten somit die frühesten Belege von Musik, Kunst und Religion ans Tageslicht. „Die Funde aus den Eiszeithöhlen zeigen eine außergewöhnliche Schöpferkraft der ersten modernen Menschen. Tübinger Wissenschaftler haben sie mit viel Arbeit und Engagement erschlossen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“, resümiert Prof. Dr. Conard.

Nicht alle Funde beherbergt das Museum der Universität Tübingen MUT. Die Fundstücke sind auf mehrere Museen verteilt: In Stuttgart, Blaubeuren, Tübingen, Ulm und ein „Örtle“ namens Niederstotzingen-Stetten. Das MUT stellt aber die meisten Originalstücke aus. Darunter das berühmte, im Titelbild dargestellte, Wildpferd aus der Vogelherd-Höhle und das neuste Objektfragment einer aus Gänsegeierknochen gefertigten Flöte.

Flöte aus Gänsegeierknochen aus der Vogelherd-Höhle.

Dass eine Kooperation von Universität und ihrem eigenen Museum Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist, dürfte es auf der Welt nicht noch einmal geben, würdigt der Direktor des MUT Prof. Ernst Seidl, die Auszeichnung. Einzigartig waren die frühen Menschen vor           40 000 Jahren auf der schwäbischen Alb, da erscheint es nur allzu passend, dass eine einzigartige Kooperation die Fundstücke ins Rampenlicht der Welt rücken konnte.


Ankündigung:

Im Rahmen des Studium Generale findet am 26. Juli um 18 Uhr in der Schlosskirche ein Spezialvortrag von Prof. Dr. J. Conard statt: „Die Tübinger Vogelherdforschung und das UNESCO-Weltkulturerbe“. Anschließend wird zum Schlossfest geladen.

Fotos/Grafik: Universität Tübingen, MUT

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