Wen oder was essen wir eigentlich?!

Karnismus – ein Begriff, den die Sozialpsychologin Dr. Melanie Joy im Zuge einer zwanzigjährigen Forschung geprägt hat. Gemeint ist damit das “unsichtbare Glaubenssystem, das uns Menschen darauf konditioniert, nur bestimmte Tierarten zu essen.” Eine Diskussion zwischen Ernährung und Ethik.

Im Kupferbau wurde am Donnerstagabend diskutiert, “warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“. Jeff Mannes ist Europa-Referent für “Karnismus erkennen“, ein gemeinsames Projekt des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) und der Organisation Beyond Carnism.

„Ich sah nicht andere Dinge, ich sah Dinge anders.“

Jeff Mannes erzählt, wie sich seine Wahrnehmung verändert hat, nachdem er aufhörte Fleisch zu essen. Ob ein Steak nun aus Rind oder Hund besteht, macht für ihn keinen Unterschied mehr. Er sieht darin kein Lebensmittel, sondern ein totes Tier. Warum das vorher nicht so war, erklärt er mit dem Phänomen des Karnismus. Im Bewusstsein der Menschen gibt es eine Lücke, die keine direkte Verbindung zulässt zwischen ihrem Essen und dem fühlenden, intelligenten Lebewesen, das es einmal war.

Konsum von Tierprodukten

Sozialwissenschaftler sprechen über das sogenannte Fleisch-Paradoxon. Wir Menschen sorgen uns um Tiere und können ihr Leid nicht ertragen, gleichzeitig bestehen wir aber auf Lebensmittel, die ohne Tierleid nicht auskommen. Denn Fleisch, so sagt auch Jeff Mannes, kann nicht ohne Gewalt hergestellt werden. Jede Woche werden weltweit über 1,2 Milliarden Tiere für den menschlichen Konsum getötet. Das sind mehr Tote in einer einzelnen Woche, als es in allen Kriegen unserer Geschichte je gegeben hat.

Nach seinem Vortrag beantwortet Jeff Mannes Publikumsfragen zum Thema Veganismus.

„Karnismus bringt uns bei, nicht zu denken und zu fühlen.“

„Wie viele von diesen Tieren haben Sie gesehen?“ fragt Jeff Mannes in die Runde. Die Zuhörer können nur mit fragenden Gesichtern antworten. Karnismus macht seine Opfer unsichtbar, fast als hätte es sie nie gegeben. Schweine haben Nummern statt Namen, und obwohl sie nachgewiesen intelligenter als die meisten Hunde sind, wird ihnen keinerlei Persönlichkeit oder Individualität zugesprochen.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Doch was kann man dagegen tun? Jeff Mannes erklärt, dass er niemandem vorschreiben möchte, welche Ernährung richtig oder falsch ist. Um jedoch wirklich entscheiden zu können, ob wir Tiere essen wollen oder nicht, müssen wir uns dieser Entscheidung erstmal bewusstwerden. Selbstverständlichkeiten hinterfragen und sich auch mit unangenehmen Themen auseinandersetzten ist dabei ein wichtiger erster Schritt.

Immer mehr Menschen werden sich ihrer Entscheidungskraft bewusst und setzten ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Tieren für Nahrungsmittel, Kleidung oder Unterhaltung. Jeff Mannes beschreibt die vegane Bewegung als eine der am schnellsten wachsenden sozialen Gerechtigkeitsbewegungen unserer Zeit. Er fordert uns dazu auf, „aktive Zeugen zu sein, statt passive Konsumenten.“

Foto: Felix Müller

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